Pseudogley ist Boden des Jahres im Jahr des Bodens
Wien (APA) - In der UN-Dekade gegen die fortschreitende Wüstenbildung ist 2015 das „Internationale Jahr der Böden“. Dazu gibt es auch einen ...
Wien (APA) - In der UN-Dekade gegen die fortschreitende Wüstenbildung ist 2015 das „Internationale Jahr der Böden“. Dazu gibt es auch einen „Boden des Jahres“: den Pseudogley. Dieser Staunässeboden ist wunderschön marmoriert, aber für Pflanzen, Bodenorganismen und die Landwirtschaft eine Herausforderung, so Sophie Zechmeister-Boltenstern von der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien im Gespräch mit der APA.
Es gibt Pseudogley überall dort, wo unter einer wasserdurchlässigen Schicht (Stauzone) eine undurchlässige, wasserstauende Lage (Staukörper) die weitere Versickerung einschränkt. Man findet ihn eher an Hängen und in Tälern, wo sich Wasser gut aufstauen kann, als auf Hügelkuppen. Er ist im Winter meist sehr nass und im Sommer manchmal sehr trocken, was durch den Klimawandel mit seinen extremeren Regenfällen und Trockenphasen verstärkt wird. Pseudogley kann jedoch sehr viel Wasser speichern und somit manche Überschwemmungen verhindern.
Vielen Pflanzen macht er mit seinen wechselnden Bedingungen zu schaffen, erklärte Zechmeister-Boltenstern, die am Institut für Bodenforschung der Boku arbeitet. Wenn er nass ist, herrscht im Pseudogley Sauerstoffarmut, die zum Absterben von Feinwurzeln führen kann. In Trockenphasen wird Wasser wiederum zum Mangelfaktor und das Wurzelsystem ist stark gefordert, es aus dem schweren Boden aufzunehmen. Damit kommen am besten Stieleichen und Tannen zurecht, die Pfahlwurzeln ausbilden, erklärte sie. Die Bäume können Staunässe nach oben transportieren, wo sie das Wasser transpirieren.
Auch Bodenlebewesen haben es mitunter schwer, weil im Pseudogley oft Luftmangel herrscht, sagte Zechmeister-Boltenstern. Für viele Mikroorganismen ist das kein Problem. Größeren Tiere wie Spinnen, Larven und Regenwürmer fehlten in dem dichten Boden oft auch ausreichend große Poren, durch die sie sich bewegen können.
„Von der Ästhetik her ist Pseudogley ein sehr schöner Boden mit seiner grau-roten Marmorierung und den schwarzen Punkten, die von ausgefällten Manganverbindungen kommen“, meint die Bodenforscherin. Seine Schattierungen verdankt er dem ständigen Wechsel zwischen Vernässung mit Sauerstoffarmut und einer besseren Belüftung bei Trockenheit. So werden die Ränder von Bodenaggregaten „nassgebleicht“ und ihr Inneres durch Oxidation rostorange gefärbt.
Für die Landwirtschaft sei der Boden nur eingeschränkt verwendbar und nicht leicht durch Drainagen zu entwässern, erklärte sie. Ist er gerade nass, sollte er nicht mit schweren Maschinen befahren werden. „Wenn man ihn über ein paar Jahre bearbeitet, besteht immer die Gefahr, dass seine Fruchtbarkeit aufgrund von Verdichtung abnimmt“, sagte Zechmeister-Boltenstern. Im Frühjahr erwärmt er sich langsam, wodurch Feldfrüchte später zu wachsen beginnen. „Viele dieser sensiblen Böden stehen daher unter Wald- und Grünlandnutzung“, erklärte sie. Bei sorgfältiger Bewirtschaftung könnten sie aber auch in der Landwirtschaft nachhaltig gute Erträge erbringen.
(S E R V I C E - Internet: http://www.boden-des-jahres.de/)
(AVISO: Die APA hat am 5. Dezember Meldungen zum „Internationalen Jahr der Böden“ gesendet - APA154 und APA156)