„Straße sofort offen, wenn Russen fehlen“
Michael Baldauf, WK-Obmann und Hotelier, platzt in Sachen Wintersperre Lech – Warth der Kragen.
Von Helmut Mittermayr
Elbigenalp –„Ich wage es schon, Prognosen abzugeben, wie die Wintersperre Lech – Warth verlaufen wird“, sagt der Außerferner Wirtschaftskammerobmann und Lechtaler Hotelier Michael Baldauf. „Jetzt ist gerade zu. Wenn ab 7. Jänner heuer die russischen Gäste ausbleiben, wird schnell aufgesperrt. Dann brauchen die Lecher ja Gäste. Im Fasching, so ab 1. Februar, wird wegen ,dringender Lawinengefahr‘ wieder zugesperrt.“ Dann seien die Betten voll und Störungen von außen nicht erwünscht. Wirklich genau könne man es aber nie sagen. Die Sperre komme immer ohne Vorankündigung. Ein „educated guess“, also eine fundierte Schätzung, sei nicht möglich.
„Würde diese Logik überall gelten, dann könnten wir auch vor unserem Hotel in Elbigenalp einen Balken herunterlassen, um für Ruhe zu sorgen“, bringt Baldauf die Absurdität auf den Punkt. Denn Schneehöhe oder Lawinengefahr seien gewiss nicht die Auslöser für diese Blockade. Seit letztem Jahr gilt eine generelle Wintersperre der kurzen Strecke in Vorarlberg. Lechtaler laufen Sturm gegen diese „Willkür“. So ist oftmals das Hahntennjoch wegen Schneelosigkeit noch lange offen, die Verbindung Lech – Warth wegen angeblicher Lawinengefahr aber schon geschlossen. Außerferns WK-Chef will auch alles andere als einen Willen zur Lösung der Problematik auf Vorarlberger Seite erkennen. Er verweist etwa auf die Verbindung Vent – Obergurgl im hintersten Ötztal: „Dort werden ein paar Lawinen abgesprengt. Das kostet gerade einmal 3000 Euro im Winter, und das war’s.“
Für Baldauf geht es eigentlich schon lange nicht mehr um Schneehöhen oder angebliche Lawinengefahren. Das seien nur Ablenkungsmanöver von Vorarlberger Seite. Seit 40 Jahren werde ein Drittel des Außerferns im Winter mutwillig abgeschnitten und keinen interessiere es – auch nicht in Tirol. „Das ganze Theater ist eines Industriestaates unwürdig. Es geht um eine Strecke von 400 bis 500 Metern Länge, die verbaut werden müsste. Nicht mehr. Auf der anderen Seite – zwischen Zürs und Lech – wurden sehr wohl Galerien mit Steuergeld errichtet. Warum nicht auch hier?“ Angst vor einer neuen Transitstrecke hat er nicht. „Dann sollen halt nur Taxis und öffentliche Verkehrsmittel erlaubt werden. Aber offen muss sein!“
Baldauf ist inzwischen so „verschnupft“, dass er auf Hilfe von den Grünen setzt, wie er auf seiner Facebook-Seite bekannt gibt: „Der alljährliche Kniefall des Landes Tirol vor Vorarlberg! Beschämend, was hier der Bevölkerung und der Wirtschaft auf Tiroler Seite angetan wird. Vielleicht können sich die Grünen im Land dieses Themas annehmen.“ Es gehe um Sicherheit, Versorgung, Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Um an den Arlberg zu gelangen, würden Touristen drei bis vier Stunden durch Innertirol geschleust, um dann wieder 45 Minuten von Reutte entfernt zu „landen“. „Meine Hoffnung liegt wirklich bei den Grünen im Land Tirol“, schließt er.