Literatur

Phänomen über den Tod hinaus

Der gesamte Nachlass des britisch-amerikanischen Dichters T. S. Eliot wird derzeit aufgearbeitet.
© Everett Collection

Pop und Poesie: Am 4. Jänner vor 50 Jahren starb der britisch-amerikanische Dichter T. S. Eliot.

Wien –Das hätte sich Literatur-Nobelpreisträger T. S. Eliot vermutlich nicht träumen lassen: Fünfzig Jahre nach seinem Tod am 4. Jänner 1965 hören täglich Menschen seine Texte – viele wohl ohne es zu wissen. Das Musical „Cats“ von Andrew Lloyd Webber, das auf einigen 1939 veröffentlichten Gedichten Eliots basiert, begeistert ein Millionenpublikum. Pop-Bands holen sich Textanregungen aus seinen Gedichten, Sammler geben auf Auktionen Tausende für Erstausgaben seiner Bände aus.

Der Dichter, Schriftsteller und Kritiker ist nicht nur eine feste Größe in der Literaturwissenschaft, sondern auch im Alltag insbesondere englischsprachiger Länder. Im Sommer erst stellte der britische Telegraph seine Leser auf die Probe: Sie sollten auswählen, ob ein Zitat wohl von Eliot stamme oder aus einem Rap-Text von Jay Z, B.I.G. oder 2Pac.

Thomas Stearns Eliot hat einige der berühmtesten Gedichte der englischen Sprache verfasst, allen voran „The Waste Land“ (Das wüste Land) aus dem Jahr 1922. Als er 1948 den Nobelpreis für Literatur bekam, wurde er als Pionier gewürdigt – damals war er seiner Zeit voraus, modern wirken seine Werke bis heute.

Pünktlich zum 50. Todestag erscheint eine neue Biografie: „Young Eliot“ von Robert Craw­ford konzentriert sich auf die Jugendjahre des Literaten, der 1888 in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) zur Welt kam, aber schon als junger Mann in seine Wahlheimat Großbritannien zog und schließlich auch die britische Staatsbürgerschaft annahm. Das Buch erscheint zunächst in den USA und Großbritannien. T. S. Eliot wollte eigentlich nicht, dass allzu viel über ihn geschrieben wird oder seine unveröffentlichten Texte und Gedichte herausgegeben werden – eine Bürde für seine zweite Frau und Nachlassverwalterin, Valerie Eliot, die im November 2012 gestorben ist. „Für Wissenschafter war immer weniger zugänglich, bis sie vor etwa zehn Jahren zustimmte, ja, es ist jetzt Zeit, alles von Tom zusammenzutragen“, beschrieb der amerikanische Anglist Anthony Cuda unlängst die neue Situation. Er arbeitet mit an einem Mammutprojekt: der Veröffentlichung sämtlicher Essays, Vorlesungen, Kritiken, Kommentare und Briefe an Verleger von 1905 bis 1965.

Mit dem zweiten Band sind die Herausgeber gerade im Jahr 1926 angekommen, acht Bände sollen es werden. Und es ist nur ein Teil eines noch größeren Unternehmens, des „T. S. Eliot Editorial Project“, das erstmals den gesamten Nachlass des großen Schreibers umfassen soll. (APA, dpa)