Noch ein Monat bis zur Ski-WM: „Träume es, lebe es, teile es“
Die 43. Alpine Ski-Weltmeisterschaft steigt in genau einem Monat in Vail und Beaver Creek (USA). Spannendes, Kurioses und Interessantes gibt es jetzt schon zu berichten.
Vail – „Pfarrer von Flachau werden, weil Ministrant war ich ja schon“, antwortete Hermann Maier in bekannter Maier-Manier auf die Frage, welche Ziele er nach dem Gewinn des zweiten WM-Golds in Vail (1999) noch verfolgen würde. Das war kurz nach dem Hundertsteldrama im Super-G, bei dem Maier und Lasse Kjus (NOR) sich den obersten Podestplatz teilten. Hans Knauß (3.) war mit gerade einer Hundertstel Rückstand der Leidtragende. Knauß: „Die knappste WM-Entscheidung hat mir den Spitznamen ,Hundertstel-Hans‘ eingebracht.“
In einem Monat kehrt der Ski-Zirkus an denselben Ort zurück, zum dritten Mal nach 1989 und 1999 steigt dort die Weltmeisterschaft der Alpinen.
Wer an Vail und Beaver Creek denkt, der muss unweigerlich das Wort „Höhenrausch“ in den Mund nehmen. Und das gleich im doppelten Sinne: Einerseits müssen sich die Aktiven auf die extreme Höhe einstellen, denn der Start der Herrenabfahrt „Birds of Prey“ („Raubvogelpiste“) liegt auf knapp 3500 Metern, der Damenstart nur 100 Meter darunter – die Damenstrecke wurde eigens für die WM erbaut und auf den Namen „Raptor“ getauft.
Andererseits hat in der Hauptstadt von Colorado, Denver, der Begriff „Höhenrausch“ seit 2014 eine weitere Bedeutung. Mittlerweile darf in den Rocky Mountains Marihuana „straffrei“ genossen werden. Ähnlich wie im niederländischen Amsterdam sprießen seither überall sogenannte „Pot-Shops“ aus dem Boden. Wer das 21. Lebensjahr erreicht hat, kann ohne Rezept zuschlagen. Die Bürger Colorados dürfen nun 28 Gramm für den Privatverbrauch besitzen, Gäste rund ein Viertel davon.
Das wird jedoch nur ein Detail am Rande sein. Die US-Veranstalter wünschen sich nicht aufgrund dessen, sondern wegen der Ski-Entscheidungen einen Andrang der Publikumsmassen. Aus diesem Grund ist auch der Eintritt frei, die Hemmschwelle der zusätzlichen Kosten wurde bewusst abgeschafft. Auf die gesalzenen Hotelpreise hatte das aber keinen Einfluss. Unabhängig von den Kosten setzt man auf ein klingendes Motto: „Dream it. Live it. Share it.“ („Träume es. Lebe es. Teile es.“).
Anders als hierzulande verläuft die WM-Organisation in Übersee. Dort steht mit Vail Valley Foundation (VVF) eine Stiftung. Das Budget von 58 Millionen Dollar setzt sich in erster Linie aus TV-Rechten (34 Millionen), den FIS-Zuwendungen sowie Sponsorengeldern und Einnahmen aus dem Verkauf von VIP-Tickets zusammen.
Die Veranstalter hoffen auf 10.000 bis 12.000 Fans – punkten möchte man vor allem mit den starken US-Lokalmatadoren Lindsey Vonn und Mikaela Shiffrin oder Ted Ligety. Erstmals werden die vielen Entscheidungen auch in den USA live im TV zu sehen sein.
Das von der 56-jährigen VVF-Präsidentin Ceil Folz angeführte Organisationskomitee war einen Monat vor den Titelkämpfen überzeugt, bereit zu sein. Seit dem letzten Weltcup-Test Anfang Dezember sind in Vail und Beaver Creek an die zwei Meter Schnee gefallen. Die Kunstschnee-Produktion konnte deshalb längst eingestellt werden. Rund 2000 freiwillige Helfer stehen rund um die Uhr im Einsatz.
Nicht ganz freiwillig werden sich die europäischen Sport-Asse rund um Marcel Hirscher und Co. mit den zusätzlichen Anforderungen rund um die WM-Bewerbe auseinandersetzen müssen. Neben der langen Anreise (zehnstündiger Flug, 180 Kilometer Autoreise auf über 3000 Meter) und der dünnen Luft können auch extrem tiefe Temperaturen für zusätzliche Erschwernis sorgen.
Ein guter rotweißroter Ansporn ist die Weltmeisterschaft 1999 – ein Blick auf den Medaillenspiegel reicht: Damals holten Maier und Co. mit 13 Medaillen (5 Goldene, 3 Silberne, 5 Bronzene) die bis dato zweitbeste WM-Ausbeute in der Geschichte hinter Chamonix 1962. (suki, APA)