Euro startet mit tiefstem Stand seit viereinhalb Jahren ins neue Jahr
Die Aussicht auf ein weiteres Öffnen der Geldschleusen durch die Europäische Zentralbank hat den Euro zum Jahresbeginn belastet: Die Gemeinschaftswährung sank auf den tiefsten Stand seit Juni 2010 – und der Absturz soll noch weitergehen.
Frankfurt – Einmal mehr hat Mario Draghi mit seinen Äußerungen den Euro auf Talfahrt geschickt: In einem Interview mit dem Handelsblatt erklärte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), dass die Zinsen im Euroraum noch lange niedrig bleiben würden und schürte Spekulationen, dass die Zentralbank noch in diesem Monat zusätzliche Konjunkturhilfen beschließt.
Draghi erklärte gegenüber der Zeitung, die EZB befinde sich in technischen Vorbereitungen, um Umfang, Tempo und Zusammensetzung ihrer Maßnahmen im Kampf gegen die niedrige Inflation bei Bedarf Anfang 2015 zu verändern. Draghi hatte zuletzt zur Abwehr eines für die Wirtschaft gefährlichen Preisverfalls auf breiter Front notfalls auch den umstrittenen Kauf von Staatsanleihen in Aussicht gestellt
Die Folge: Die Gemeinschaftswährung fiel am Freitag in der Spitze um 0,6 Prozent auf 1,2033 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit viereinhalb Jahren. Der Dollar-Index, der die Entwicklung des Dollar zu anderen wichtigen Währungen abbildet, kletterte mit 90,72 Punkten auf den höchsten Stand seit knapp neun Jahren.
Staatsanleihenkäufe laut Experten nur eine Frage der Zeit
Nach Einschätzung von Experten ist der Kauf von Staatsanleihen durch die EZB nur noch eine Frage der Zeit. Während die Eurozone damit auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik zusteuert, verfolgt die US-Notenbank Fed seit geraumer Zeit eine Straffung. Die Aussicht auf eine erste Zinserhöhung in den USA nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise beflügelt den Dollar und setzt den Euro im Gegenzug immer stärker unter Verkaufsdruck.
Händlern zufolge stellen sich Investoren derzeit auf die zunehmend unterschiedlichen Vorgehensweisen von EZB und Fed ein. Die Erholung der Wirtschaft in den USA sei nicht herausragend, aber sie sei sicherlich stärker als in vielen anderen Industriestaaten, sagte Callum Henderson von der Standard Chartered Bank in Singapur.
Aktienhandel in Fernost ruhig
An den Fernost-Börsen blieb der Handel ruhig, da die Leitbörsen in Tokio und Shanghai wegen Feiertagen geschlossen waren. Der Markt in Sydney legte 0,5 Prozent. Die Börsen in Hongkong und Seoul gewannen jeweils 0,6 Prozent.
Der im vorigen Jahr kräftig gefallene Ölpreis zog etwas an. Ursache waren ein unerwartet starker Rückgang der Öllagerbestände in den USA und der Brand in einer US-Ölanlage. Öl der führenden Nordseesorte Brent verteuerte sich um 21 Cent auf 57,54 Dollar je Barrel. US-Öl kostete mit 53,82 Dollar 55 Cent mehr. (tt.com, Reuters/dpa)