Rückständig, ursprünglich – zukunftsorientiert?
Innsbruck – Für die „Landesentwicklung und Zukunftsstrategie“ hat das Land Tirol eine ganze Abteilung. Laut Noch-Vorstand Christoph Platzgum...
Innsbruck –Für die „Landesentwicklung und Zukunftsstrategie“ hat das Land Tirol eine ganze Abteilung. Laut Noch-Vorstand Christoph Platzgummer können Bevölkerungsprognosen stark schwanken und neue Bezirksergebnisse errechnet die Statistik Austria erst. Dennoch: Mit Hilfe der Landesstatistik erstelle man aus Parametern wie Bevölkerungsbewegung, Erwerbstätige, Alters- und Versorgungsstruktur „Regionsprofile“. Und auf der Prognose „36.000 über 65-Jährige mehr bis 2025“ baut z. B. der Masterplan Pflege für den Heim- und Bettenbedarf auf.
Auch im Landhaus weiß man, dass Tirol nicht überall wächst: „Im Oberen und Obersten Gericht zeigen die Daten Richtung Bevölkerungs- und Erwerbstätigenverlust“, bestätigt Platzgummer. Deshalb habe die Politik entschieden, dass es hier ab 2016 ein Sonderförderungsprogramm geben werde, das mit EU-Programmen gekoppelt werden könne. „Ähnlich“ sei das im Abwanderungsgebiet Osttirol. Dort ergab die Prognose von 2010 bis 2030 einen Rückgang der Erwerbstätigen um 3000. Und im Außerfern solle das vor zehn Jahren gestartete regionalwirtschaftliche Programm jetzt weiterlaufen.
„Wir haben nichts“: So preist Osttirol den Gästen seine Ursprünglichkeit an. Um aber auch als Lebensraum attraktiv zu sein, sucht man die Annäherung an den südlichen Nachbarn: „Eine Stärke ist sicher die Anbindung an das Pustertal“, betont der Zukunftsstratege. „Diese Zusammenarbeit versuchen wir über Interreg-Programme zwischen Österreich und Italien zu stärken.“ Eine „Lokale Entwicklungsstrategie“ sei in der Genehmigungsphase.
Die Breitbandstrategie sei wichtig, aber nur ein Punkt, betont Platzgummer. „Man kann ja nicht schauen, dass man Leute ansiedelt, wenn sie nicht auch entsprechende Arbeitsbedingungen vorfinden.“ Es sei bereits gelungen, Firmen aus dem Pustertal herzuholen, nennt er z. B. den Ableger der Brixner Phototechnik-Firma Durst.
Wo Tirol künftig wächst, wird dies großteils durch Zuwanderung erfolgen. „Bildung, besonders die mehrsprachige Bildung, ist hier eine wichtige Schiene“, meint Platzgummer.
Die Ausdünnung der Täler, das Wachstum der Ballungsräume – und ein Brain-Drain gut ausgebildeter Menschen in große Metropolen: Mit diesem Trend kämpfen alle Länder in Berggebieten. Platzgummer verweist deshalb auf die verstärkte Kooperation der Alpenländer, um Strategien für mehr Wettbewerbsfähigkeit zu entwickeln. Er nennt hier den Begriff der „Hidden Champions“: Gemeint sind (international gesehen) kleine, innovative Firmen, die z. B. Teile für die Raumfahrt liefern. Oder die wie AlpS das Feld des Klimawandels und der Anpassungstechnologien erfolgreich beackern, um „vielleicht die Weltbesten im Umgang mit dem Klimawandel in Berggebieten zu sein“. (er )