6,6 Prozent Arbeitslose

Arbeitslosigkeit in Tirol legt heuer zu

Symbolfoto.
© TT/Thomas Böhm

In Österreich ist derzeit jeder Zehnte ohne Job, auch in Tirol bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Das AMS rechnet in diesem Jahr mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Tirol um rund 7 % auf durchschnittlich fast 25.000.

Innsbruck – Eine Entspannung am Arbeitsmarkt ist nach wie vor nicht in Sicht. Zu Jahreswechsel waren in Österreich 455.831 Menschen ohne Arbeit (inklusive der Teilnehmer an AMS-Schulungen). Damit kletterte die Arbeitslosenquote bundesweit auf 10,2 % – somit ist bereits jeder Zehnte in Österreich ohne Arbeitsplatz.

Im Vergleich dazu steht Tirol nach dem – verhaltenen – Start in die Wintersaison mit einer aktuellen Arbeitslosenquote von 6,6 % zwar etwas besser da. Im Vergleich zum Vorjahr bleibt die Lage aber angespannt. So haben derzeit 328.000 Personen in Tirol einen Arbeitsplatz (+0,3 %), mehr als 25.000 Personen (inkl. Schulungsteilnehmer) waren ohne Job – im Jahresabstand ein Zuwachs von 6,7 %.

Auch die Jahresbilanz 2014 fällt für Tirol ernüchternd aus. Demnach stieg 2014 laut vorläufigen AMS-Zahlen die Beschäftigung um 0,8 % auf durchschnittlich 314.720 Personen an, gleichzeitig nahm aber auch die Arbeitslosigkeit um + 9,7 % auf durchschnittlich 23.242 (allerdings noch ohne Einberechnung der Schulungsteilnehmer) zu. Damit kletterte 2014 die Arbeitslosenquote auf 6,9 %.

Der Ausblick der Arbeitsmarktexperten auf 2015 gibt wenig Hoffnung, dass sich die Lage heuer entspannen könnte. „Die Arbeitslosenquote wird 2015 auf 7,3 Prozent ansteigen“, meint Tirols AMS-Chef Anton Kern. Grund dafür sei zum einen das verhaltene Wirtschaftswachstum 2015, dass das AMS – im Vergleich zu anderen Wirtschaftsforschern – noch recht optimistisch mit 1 % angibt. Dadurch werde auch das Beschäftigungswachstum in Tirol mit einem Plus von 1,2 % (3800 Personen) weiter verhalten bleiben. Zum anderen wird laut Kern der hohe Grad der Teilzeitbeschäftigung sowie ein weiterer Zuzug von rund 1800 Menschen aus den EU-Beitrittsländern dazu führen, dass die Arbeitslosigkeit in Tirol heuer um 1600 Personen oder 6,9 % auf durchschnittlich fast 25.000 Personen (hinzu kommen noch die Schulungsteilnehmer) zunehmen wird. Auch die Ummeldung der rund 3200 AUA-Mitarbeiter von Innsbruck zurück nach Wien – viele davon wurden 2012 im Zuge des KV-Streits bei der Tyrolean und damit in Tirol angemeldet – wird sich heuer in der Statistik niederschlagen.

Die Probleme bleiben auch in neuen Jahr die alten. „Auch das Arbeitsmarktjahr 2015 wird deutlich von der hohen Zahl langzeitarbeitsloser Personen geprägt sein. Parallel dazu bleibt die Nachfrage nach Fachkräften weiter stark. Die berufliche Ausbildung von arbeitslosen Personen steht daher auch 2015 im Mittelpunkt der Arbeitsmarktpolitik des AMS Tirol,“ sagt Kern.

Auch bundesweit ist laut Sozialminister Rudolf Hunds­torfer (SPÖ) vorerst keine Verbesserung der Situation am Arbeitsmarkt in Sicht. Es gehe heuer „zähflüssig“ weiter, sagte Hundstorfer im ORF-Mittagsjournal. Eine Trendumkehr sei erst im zweiten Halbjahr 2015 zu erwarten – wobei zunächst eine Stagnation eintreten werde. Eine wirkliche Trendumkehr am Arbeitsmarkt erwartet er für 2016.

Im Vergleich mit anderen EU-Ländern sei die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt derzeit aber „noch eher günstig“, so das Sozialministerium. Nach der Berechnungsmethode der europäischen Statistikagentur Eurostat beträgt die Arbeitslosenquote in Österreich nur 5,1 % – das sei nach Deutschland (4,9 %) die zweitniedrigste in der EU.

Besonders stark war in Österreich zuletzt der Anstieg der arbeitslosen Ausländer. Ende Dezember waren es fast 107.000, um 18,3 % mehr als vor einem Jahr. Es finde ein Austausch von Arbeitskräften aus unterschiedlichen Herkunftsländern statt, erklärte Österreichs AMS-Vorstand Herbert Buchinger. „Wir haben eine Tendenz, dass ungelernte Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund aus den klassischen Herkunftsländern, also aus den Balkanstaaten, ersetzt werden durch gut qualifizierte Arbeitskräfte aus Ungarn, der Slowakei, Rumänien, Bulgarien, Polen und aus Deutschland“, so Buchinger. (mas, APA)