Silz

Heiliges Schauspiel beeindruckte

Für das Silzer Dreikönigsspiel wurde eigens ein „richtiges“ Kamel aufgetrieben. Die Feuerspucker verstärkten die Drohung Herodes’, alle Kinder zu töten, nachdem auch König Balthasar (r.) seinen Befehl missachtete.
© Daum

Das international beachtete Silzer Dreikönigsspiel lockte über 1000 Besucher zur Open-Air-Bühne am Dorfplatz. Der multimediale Aufwand für nur insgesamt drei Stunden Spielzeit war enorm.

Von Hubert Daum

Silz –Wie die Weisen aus dem Morgenland kamen sie aus allen Himmelsrichtungen, um das Passionsspiel der „größten Krippe Österreichs“ mitzuerleben. Das Silzer Dreikönigsspiel zog in vier Vorstellungen über 1000 Besucher an – sicher nicht nur Gläubige. Allerdings glaubten auch die am Ende des Freiluftspektakels an eines: an eine grandiose Leistung und eine Sternstunde des 2500 Einwohner zählenden Dorfes.

Das bewegte und bewegende Schauspiel um die Geburt Christi, dargestellt von rund 120 Laien aus dem Inntaldorf, hat natürlich nicht nur eine historische, sondern auch eine dorfinterne Vorgeschichte: Basierend auf der Passionsspiel-Tradition aus dem 18. Jahrhundert schuf der Silzer Josef „Pepi“ Sonnweber ein einzigartiges Werk über die Geschichte der Heiligen Drei Könige, das 2004 uraufgeführt wurde. Das „Silzer Dreikönigsspiel“ entwickelte sich in den drei darauf folgenden Aufführungsjahren im Dreijahresrhythmus zur Marke und erlangte Bekanntheit über die Bezirksgrenzen hinaus.

Ähnlich wie bei den Fasnachten ziehen die Dorfbewohner für dieses Event an einem Strang. Nahezu jeder Silzer und jede Silzerin spielte – meistens innerhalb eines Vereines – eine Rolle: nicht in der Passion selbst, vielmehr im Vorfeld. Die unzähligen Nebenschauplätze wie Kulissenbau, Organisation, Kostüme, Maske, Bereitstellung der lebenden Tiere oder die Dramaturgie selbst – alles in Silzer Hand. „Die Akteure richteten zwei Monate lang ihren Terminkalender nach dem Dreikönigsspiel aus“, erzählte Maria Sonnweber, Obfrau des neu gegründeten Vereines, „seit einem Monat wird sogar mit den Tieren zur Musik trainiert.“ Auch die Regie war „selfmade“: Emanuel Bachnetzer, im Brotberuf Filmemacher, assistiert von Rita Tamerl, der Leiterin der Breinössl-Bühne, gab zum dritten Mal die Regieanweisungen: „Wir haben diesmal das Bühnenbild komprimiert, der Text wurde etwas entrümpelt.“ Erstmals wurde auch die Musik eigens geschaffen: Komponist und Musikproduzent Florian Walser, ebenfalls ein Silzer, kreierte eine spezielle musikalische Gesamtkomposition für die Neuinszenierung des Treibens rund um die Geburt Christi. Nach unzähligen Probeabenden – erst einzeln in Gruppen, dann die Durchlaufproben – war es dann so weit: ausverkaufte Premiere am vierten Jänner.

Die Kirchenglocken waren ein untrügliches Zeichen – Anspannung bei den 120 Akteuren, das Schauspiel konnte beginnen. Der Marktplatz in Jerusalem: belebt, voll von Menschen, die quirlig ihrer Arbeit nachgehen. Marktverkäuferinnen, Gaukler, Bettler, Feuerspucker, Bauchtänzerinnen, Schlangenbeschwörer, Straßenmusiker, Palastwächter, Diebe, Propheten, Schriftgelehrte und Prediger. Erst die Volkszählung, dann die Herbergssuche, gefolgt vom ersten Staunen des Publikums, als die Heiligen Drei Könige hoch zu Ross und Kamel eintrafen. Sie hatten den Schein des Kometen verloren. Dann die fatale Begegnung mit Herodes, der die Weisen aus dem Morgenland beauftragte, ihm den Verbleib des „Königskindes“ zu melden. Der Schein des Kometen – in Form einer Lichtprojektion – war plötzlich zurück, der Chor der Engel frohlockte das Auffinden des Jesukindes, Kaspar, Melchior und Balthasar verweigerten die Meldung an Herodes. Gänsehaut, als dieser befahl, alle Kinder zu töten – bewegend inszeniert, unterstützt durch das Zusammenspiel von Musik und Feuerspuckern.

Gestern um 19 Uhr fiel der Vorhang des aufwändigen Schauspieles für drei Jahre. Rita Tamerl: „Angesichts der momentanen Weltlage ist die Friedensbotschaft der Könige aktueller denn je.“

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