Gesellschaft

90 Asylwerber für Weerberg erzürnen die Bevölkerung

Bei der Gemeindeversammlung in Weerberg gingen die Wogen hoch. Bürgermeister Ferdinand Angerer, Landesrätin Christine Baur und Flüchtlingskoordinatorin Bernadette Mair (v. l.) stellten sich den Fragen.
© Mayr

Schon Ende Jänner sollen die ersten Flüchtlinge im ehemaligen Hotel Sunnbichl eintreffen. Bürgermeister und Einwohner sind erbost.

Von Michael Mader

Weerberg –In der kleinen 2500-Seelen-Gemeinde Weerberg geht es seit einigen Tagen rund. Bei einer von Bürgermeister Ferdinand Angerer eigens einberufenen öffentlichen Gemeindeversammlung wurde die Bevölkerung darüber informiert, dass das Land im ehemaligen Hotel Sunnbichl Flüchtlinge unterbringen will.

Laut Bürgermeister habe es schon vor Weihnachten erste Gespräche gegeben und „ich wäre ein paar Asylwerbern nicht abgeneigt gewesen“, erinnert sich Angerer im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Aus diesem Grund habe er zur Versammlung geladen und sowohl die Bezirkshauptmannschaft als auch die zuständige Landesrätin Christine Baur informiert, dass man in der Fraktion, in der rund 80 Personen ihren Hauptwohnsitz haben, nicht allzu viele Flüchtlinge einquartieren sollte.

Was dann aber bei der Versammlung passierte, treibt ihm noch heute die Zornesröte ins Gesicht: „Obwohl ich ausdrücklich davor gewarnt habe, erklärte die Landesrätin, dass 80 bis 90 Personen untergebracht werden sollen und die Gemeinde quasi nichts mitzureden hätte.“ Dann sei die Stimmung unter den Anwesenden gekippt. Mittlerweile gebe es eine Antipathie gegen die Asylwerber.

„Ich bin von der Landespolitik schwerstens enttäuscht. Das werden wir uns nicht gefallen lassen und im Gemeinderat beschließen, dass wir gar keine Flüchtlinge aufnehmen. Da lasse ich persönlich auch einmal die Muskeln spielen“, ist Angerer wütend. In Schwaz, Vomp und Jenbach zusammen seien rund 100 Flüchtlinge untergebracht und in Weerberg dann fast noch einmal so viele. Angerer: „Das ist viel zu viel. Es gibt auch noch andere Gemeinden in Tirol.“

Der Bürgermeister kann sich auch nicht vorstellen, dass im ehemaligen Hotel so einfach Flüchtlinge einquartiert werden dürfen: „Immerhin lautet die Flächenwidmung auf Hotel und Gastronomie. Da müssten die Flüchtlinge ja Tourismusabgabe zahlen“, ätzt er.

Wie negativ die Stimmung in der Gemeinde mittlerweile ist, zeigen auch die E-Mails und Anrufe, die bei der TT seit der Gemeindeversammlung eintreffen.

Kein gutes Haar an der Vorgangsweise lässt auch der Landtagsabgeordnete Edi Rieger (FPÖ), der als Integrationssprecher und auf Einladung mehrerer Weerberger Bürger mit seiner Kollegin LA Hildegard Schwaiger vor Ort war. Rieger: „Die Hoffnung der zahlreich erschienenen Bürger, dass es sich bei dieser Veranstaltung vorerst um eine Debatte handelt, ob an diesem Standort Flüchtlinge untergebracht werden oder nicht, wurden bald zunichtegemacht. Unmissverständlich erklärte Baur, dass eine Vereinbarung zwischen Hotelbesitzern und dem Land Tirol bereits unter Dach und Fach sei und der Gemeinderat hier nichts mitzureden hat, was natürlich für Empörung sorgte.“ BM Angerer habe laut Rieger zu Recht auf die lebensgefährliche Situation auf dem Weg vom Hotel in Richtung Dorfkern hingewiesen, den die Flüchtlinge wohl meist fußläufig zurücklegen werden. Befinden sich doch dort ein Supermarkt, Fußball- und Eislaufplatz.

Baur versucht zu beruhigen: „Wir werden schauen, dass das sehr verträglich gemacht wird, am Anfang nur wenige Leute dorthin kommen und nicht alle 80.“ Man habe ja schon Erfahrung mit diesen Situationen, die Anfangsbedenken seien meist nach ein paar Monaten ausgeräumt.

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