TT-Umfrage

Die gemeinsame Schule fällt bei den Tirolern durch

© Gallup/TT

68 Prozent der Befragten wollen das derzeitige Schulsystem beibehalten, 22 Prozent sind für eine Gesamtschule. Besonders Schlechtverdiener und Junge lehnen eine gemeinsame Schule ab.

Innsbruck – In Tirol heißt die Gesamtschule gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen. Das Zillertal ist vier Jahre lang Modellregion. Dort werden 350 Schüler an den Neuen Mittelschulen nach einem speziellen Lehrplan unterrichtet. Wie man das Kind auch nennt, besonders beliebt ist es in Tirol offenbar nicht. Lediglich 22 Prozent von 500 Befragten sprechen sich in einer TT-Umfrage für eine einheitliche Schule aus. Akademiker und Maturanten können sich dieses Modell noch am ehesten vorstellen. Hier liegt die Zustimmung bei 28 Prozent. Je größer die Städte, desto eher votieren die Befragten für die Gesamtschule.

TT-Umfrage

Eckdaten: Das Österreichische Gallup-Institut hat im Auftrag der Tiroler Tageszeitung 500 Tirolerinnen und Tiroler ab 16 Jahren vom 25. November bis 11. Dezember befragt. Die Schwankungsbreite der Ergebnisse beträgt 4,5 Prozent.

Die meisten Fans hat eine gemeinsame Schule bei den SPÖ-Wählern. Allerdings liegt die Zustimmung bei gerade einmal 36 Prozent, und das obwohl die Gesamtschule schon ewig rote Parteilinie ist. 46 Prozent der roten Wähler stimmen für das derzeitige System. Bei der ÖVP können sich 21 Prozent mit einer einheitlichen Schule anfreunden, 69 Prozent wollen, dass das System so bleibt, wie es ist. Dabei hatte ÖVP-Parteichef LH Günther Platter eine Lanze für die gemeinsame Schule gebrochen und damit österreichweit mit der ÖVP-Linie. Die ablehnendste Haltung gegenüber einer Gesamtschule findet sich in den Reihen der FPÖ. Nur sieben Prozent der Blau-Wähler fordern eine gemeinsame Schule, bei den Neos-Wählern sind es sechs Prozent. Das derzeitige Schulsystem, mit einem Gymnasium auch in der Unterstufe, hat die meisten Befürworter bei einkommensschwachen Schichten und bei den bis 30-Jährigen. Nach Parteien sind die meisten Anhänger des jetzigen Systems unter den FPÖ-Wählern zu finden, gefolgt von der Liste Fritz und der ÖVP.

Kinderbetreuung fast alles paletti

„Auf jeden Fall ausreichend“ und „Eher schon ausreichend“ sind die Kategorien in der TT-Umfrage mit den meisten Treffern. 16 Prozent der Befragten sind offenbar mit dem Angebot an Betreuungseinrichtungen sehr zufrieden, 32 Prozent finden, dass das Angebot passt.

Im Außerfern und im Oberland ist die Zufriedenheit laut Umfrage am höchsten. Hier erklärten 38 Prozent, dass das Angebot ausreiche, im Oberland sind es 22 Prozent. In dieser Kategorie finden sich die meisten ÖVP-Wähler und die wenigsten NEOS-Wähler. In der Kategorie „Eher schon ausreichend“ haben die FPÖ-Wähler die Nase vorn. 46 Prozent stimmen dieser Aussage zu, gefolgt von ÖVP- und Grün-Wählern mit je 36 Prozent. Auffallend ist, dass Männer das Angebot besser bewerten als Frauen. Bei den Bildungsschichten halten Akademiker und Maturanten sich die Waage mit schlechter Gebildeten.

Für „nicht ausreichend“ erklären sieben Prozent der Befragten das Angebot. Vor allem bei sehr gut Verdienenden ist die Unzufriedenheit besonders groß. Für „weniger ausreichend“ votieren 17 Prozent der Befragten. In dieser Kategorie finden sich bei den besonders schlecht und bei den besonders gut Verdienenden die meisten Kreuzerl. Interessant ist, dass von allen Bezirken bei den Unzufriedenen die meisten in der Landeshauptstadt Innsbruck anzutreffen sind, obwohl hier das Betreuungsangebot am größten ist.

Neben dem Angebot stehen auch die Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen immer wieder im Zentrum der Kritik. Tirol hinkt hier im Vergleich zu anderen Bundesländern immer noch nach. Die meisten Kindergärten schließen um 14 Uhr. Dennoch erklären 14 Prozent der Befragten, dass die Öffnungszeiten „auf jeden Fall zufriedenstellend“ sind, „eher zufriedenstellend“ befinden immer noch 28 Prozent der Befragten. Gar nicht zufrieden mit den Öffnungszeiten sind sieben Prozent. „Weniger zufriedenstellend“ haben 16 Prozent der Befragten angekreuzt.

Die Landesregierung hat die Mittel für den Ausbau der Kinderbetreuung massiv erhöht. Dementsprechend viele neue Plätze sind entstanden. Die Kritik an Angebot und Öffnungszeiten reißt indes nicht ab. Seit Jahren wird zudem über die Erhebung des Bedarfs gestritten. Soll zuerst nachgefragt und erst dann ausgebaut werden oder umgekehrt? Schafft das Angebot die Nachfrage? Mit ein Grund für den Ausbau der Betreuung sind die Barcelona-Ziele der EU. Diese sieht Betreuungsquoten vor. Vor allem bei den Unter-Dreijährigen hinkt Österreich hinterher.

Nur 31 Prozent lehnen Studiengebühren ab

Es geht um 363,36 Euro pro Semester. Abgeschafft wurden die Studiengebühren in Österreich de facto nicht. Es gibt allerdings so viele Ausnahmen, dass sie kaum jemand bezahlen muss. Wenn dann kommen Bummel-Studenten zum Handkuss oder Studenten aus einem Dritt-Staat, die 726,72 Euro berappen müssen.

Unter 500 Befragten lehnen in der TT-Erhebung 31 Prozent Studiengebühren ab. Wobei die erbittersten Gegner mit 50 Prozent bei den Grünen und mit 60 Prozent bei den NEOS und nicht bei den SPÖ-Wählern zu finden sind. Hier sprechen sich 33 Prozent gegen das Zahlen fürs Studieren aus. Für Studiengebühren sind rund zwei Drittel der ÖVP-Wähler, bei der Liste Fritz sind es 60 Prozent, bei der SPÖ und Vorwärts Tirol je 54 Prozent.

In Österreich reichen die 363,36 Euro für einen Dauerstreit zwischen ÖVP und SPÖ. Einst von Schwarz-Blau im Jahr 2000 eingeführt, will sie die SPÖ wieder abschaffen. 2011 erklärt der Verfassungsgerichtshof die Studiengebühren-Regelung für verfassungswidrig. 2013 stellt der Verfassungsgerichtshof fest, dass die Unis autonom keine Gebühren hätten einheben dürfen. (aheu)