Vierschanzentournee

Schlierenzauers persönlicher Wettkampf

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Auf dem Weg vom Einzelkämpfer zum Teamspieler gibt Gregor Schlierenzauer Tipps an Kollegen weiter und holt sich Hilfe von außen.

Von Susann Frank

Innsbruck –Vor dem stillen Örtchen machen sie halt. Dahin folgen weder Fans noch TV-Kameras den Stars des Skisprungsports, die bei der termingedrängten Vierschanzentournee unter Dauerbeobachtung stehen. Zur Ruhe kommen Aushängeschilder wie Gregor Schlierenzauer in diesem Zeitraum kaum.

Mit fast 25 Jahren (Geburtstag am 7. Jänner) weiß der Fulpmer genau, dass er diese auch während der Traditionsveranstaltung braucht. Immerhin hat der 53-fache Weltcup-Rekordsieger schon seinen neunten Tourneestart.

So packte Schlierenzauer gestern nach zwei guten Trainingsspringen am Bergisel seine Tasche und begab sich ohne Qualifikationssprung (dadurch gegen Hayböck heute im K.-o.-Duell) an einen Ort, wo er Stille hat.

Der Tournee-Siebte fuhr für ein paar Stunden heim in die eigenen vier Wände. Während der zweifache Tourneesieger sich früher gerne einmal als Heimschläfer zurückzog, kehrt er gestern nach seiner Mittagessenspause zurück zur Mannschaft ins Hotel nach Mösern.

Der ehemalige Einzelkämpfer hat sich zum Teamplayer entwickelt. So schrieb er auf seiner Internetseite, er werde sowohl den Tourneeführenden Stefan Kraft (in der Quali gestern 2.) als auch den Dritten Michael Hayböck (Quali-Sieger) so gut wie es geht unterstützen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Schlie­renzauer: „Das versteht sich von selbst.“

Kraft selbst betont, dass Schlierenzauer in Oberstdorf vor dem zweiten Durchgang zu ihm gemeint hätte, er solle sein Ding durchziehen. „Das hat mir imponiert und mich motiviert“, sagt der 21-Jährige.

Vor drei Jahren wäre so eine Aufmunterung ausgeblieben. Doch nach der vergangenen Olympiasaison mit sportlichen Enttäuschungen und persönlichen Auseinandersetzungen hat der Weltmeister von 2011 einen neuen Weg eingeschlagen. Auf der Schanze mit einem neuen Material, neben der Schanze mit neuen Akzenten. „Dass es genau einen Olympiazyklus erwischt hat, kann man positiv oder negativ auslegen. Ich sehe es eher positiv, weil ich dadurch sehr viel dazugelernt habe“, sagt der Tiroler. Wichtiger als das Siegerpodest sei ihm jetzt die innere Zufriedenheit.

Diese versucht er durch seinen neuen Weg gepflastert mit Respekt und Geduld zu bestreiten. Einen Weg, den ihm Heinz Kuttin vorgibt. Der Neo-Cheftrainer duldet keine Abwanderungen. „Jeder darf sich ärgern, er darf damit die anderen nicht stören“, erklärt der 43-Jährige.

Interne Irritationen zählen zur Vergangenheit. Dem Alphatier Schlie­renzauer wird seine Persönlichkeitsentwicklung auch erleichtert. Dadurch, dass Alex Pointner nicht mehr Cheftrainer ist, fällt eine Reibungspunkt weg. Dadurch, dass Thomas Morgenstern zurückgetreten ist, fallen die Kämpfe um die Rangfolge weg. Übrigens: Auch Morgenstern machte im Alter von 25 Jahren einen Schritt nach vorne in seiner Persönlichkeitsentwicklung.

Schlierenzauer ist der Star im Team, auch das betonten die gerade im Rampenlicht stehenden Kraft und Hayböck immer wieder.

Ein Star, der sich auf seinem Weg vom Einzelkämpfer zum Teamplayer auch Hilfe gesucht hat in der Person des Sportpsychologen Christian Uhl. Der Vorarlberger kennt seinen Weg seit dem Höhenflug mit 16 Jahren. Damals war Uhl bei Pointner noch fester Bestandteil des Kernteams, aber nicht bei Schlierenzauer. „Früher habe ich nicht wirklich etwas mit ihm getan. Aber es ist gut, dass er wieder dabei ist“, sagt Schlie­renzauer. Kuttin dazu: „Gregor hat sich so entschieden, Uhl ist ein wichtiger Part auf seinem neuen Weg.“ Einer, der ihn auch an die alten Erfolge wieder anschließen lassen soll. Mit Freude und Freunden im Skisprung-Zirkus. Schließlich liebt Schlierenzauer seinen Sport und Tage wie heute am Bergisel. „Bei diesem Springen mit der Stimmung zieht es mir immer die Gansl­haut auf und für diese Momente lebt man.“

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