Mosambik - ADA-Büroleiterin: Eine „Beziehung auf Augenhöhe“

Maputo (APA) - Das Engagement der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA/ADA) in Mosambik reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. ...

Maputo (APA) - Das Engagement der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA/ADA) in Mosambik reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Aus der Nahrungsmittelhilfe in Zeiten des Bürgerkriegs wurde eine „Beziehung auf Augenhöhe“, sagt die Leiterin des ADA-Auslandsbüros in Maputo, Eva Kohl, im APA-Interview. Generelle Budgethilfe und Förderungen im Agrarsektor sollen zum Hauptziel führen: Armutsreduktion.

Seit 2009 betreut Kohl nicht nur Projekte in Mosambik, sondern vertritt die ADA auch auf politischer Ebene. Über die langjährige Zusammenarbeit, die Zukunft und was sie dabei gelernt hat, erzählt die gebürtige Steirerin im Gespräch mit österreichischen Journalisten.

Frage: Was waren die verschiedenen Phasen der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) in Mosambik auch in Bezug auf den Bürgerkrieg?

Kohl: Die österreichische Entwicklungszusammenarbeit hat in Mosambik ihr Engagement Mitte der 1980er-Jahre begonnen. Zuerst gab es die Phase des Bürgerkriegs mit sehr vielen Flüchtlingen, mit Zerstörung von Infrastruktur und allen Folgen dieses schrecklichen Konfliktes. Ab 1992 begann mit dem Friedensvertrag von Rom die Nachkriegszeit: Das soziale Konsenssuchen in einer Phase des Hungers und Zurückkommens von Millionen von Flüchtlingen. Ab den frühen 2000er Jahren würde ich es als Aufbauphase bezeichnen, sozusagen die erste Entwicklungsphase weg von Krieg, Hunger und Zerstörung hin zum Wiederaufbau mit neuen politischen Strukturen. Seit rund fünf Jahren hat langsam die Phase eines sehr stabilen soziowirtschaftlichen Umfeldes mit Perspektive des Fortschrittes in den nächsten 10 bis 15 Jahren begonnen: Weg von einem der ärmsten Länder der Welt hin zu einem Middle-Income-Country. Allerdings nach wie vor mit sehr großen Herausforderungen und Aufgaben die es zu lösen gibt.

Frage: Gab es dabei auch Veränderungen in der Art der Entwicklungszusammenarbeit?

Kohl: Ja, ganz sicher. Der größte Unterschied ist wahrscheinlich, dass wir heute als gleichberechtigte Partner gegenüberstehen - auf Augenhöhe sozusagen -, im Dialog Projekte vereinbaren und auch durchführen. Im Gegensatz dazu stand in der Vergangenheit sehr oft der Hilfeaspekt im Vordergrund als heute dieses Miteinander.

Frage: Zwei Schwerpunkte der OEZA sind Landwirtschaft und Dezentralisierung, was haben die miteinander zu tun?

Kohl: Das Programm der OEZA setzt an unter der Ägide der Dezentralisierung. Und im Rahmen dieser Dezentralisierungsbemühungen gibt es zwei Schwerpunkte: Landwirtschaft sowie Wasser- und Siedlungshygiene. Immer mit der Idee, was ist die Strategie der Regierung, wie kann man dazu beitragen, dass diese Politik auch auf der lokalen Ebene ankommt.

Frage: Kann das in die Richtung gehen, dass verstärkt Wirtschaftskooperationen von der OEZA unterstützt werden?

Kohl: Wirtschaftskooperation wird in Mosambik in den kommenden Jahren bestimmt noch stärker Thema werden. Es beginnt bereits. Auch österreichische Firmen sind verstärkt interessiert, in Mosambik tätig zu werden. Allerdings wird es auch in den nächsten Jahren ein Duett brauchen: Entwicklung und Wirtschaft, es kann nicht nur eines von beiden sein. Einfach deshalb weil die Herausforderungen in Bezug auf Infrastrukturentwicklung, Bildung so enorm sind, dass es wohl noch zehn bis 15 Jahren dauern wird, bis Mosambik als eigenständige Wirtschaft gesehen werden kann.

Frage: Eine Hürde für Unternehmen könnte auch sein, dass sie nicht an die politische Stabilität eines Landes glauben, wie schaut es da in Mosambik aus?

Kohl: Also grundsätzlich ist die politische Stabilität da, auch wenn es in den letzten Jahren einen regional begrenzten bewaffneten Konflikt gegeben hat. Aber die Erfahrungen haben gezeigt, dass sich das kaum auf die ausländischen Investitionen ausgewirkt hat, sondern eher auf die Region. Mosambik ist international ein sehr stabiles Land, das zeigen auch die Zahlen von Weltbank und IWF (Internationalem Währungsfonds, Anm.). Es hat eine niedrige Inflation, Wirtschaftswachstum und ein funktionierendes Parlament. Aus meiner Sicht ist die politische Situation nicht wirklich eine Gefahr, zumindest zum aktuellen Zeitpunkt.

Frage: Seit vielen Jahren wird das Budget der EZA in Österreich gekürzt. Wie wirkt sich das auf Mosambik aus?

Kohl: Auf Mosambik hat es sich bis jetzt nur minimal ausgewirkt. Für die Schwerpunktländer gibt es bilaterale Budgetlinien und daneben hat die ADA verschiedene andere Budgetlinien wie im Bereich der Bildung oder der Wirtschaft. Das Programm in Mosambik hat eine sehr geringe Kürzung erlebt, diese konnte aber wettgemacht werden, indem andere Quellen vermehrt angezapft wurden wie eben im Bereich der Bildung und der Wirtschaft. Außerdem gibt es noch andere österreichische Akteure wie das Finanzministerium oder andere Ministerien, die springen dann ein.

Es gibt von der mosambikanischen Seite ein großes Bekenntnis, dass es diese Menschen noch nicht alleine schaffen, vor allem jene, die noch nicht in eine Wertschöpfungskette eingebunden sind oder eben an einem normalen Wirtschaftsleben noch nicht teilnehmen. Es gibt Förderungen im Bereich der Landwirtschaft, die mit der österreichischen Landwirtschaftskammer vergleichbar sind, bei denen Leute hinausgehen und technische Assistenz geben.

Das wird in Mosambik noch von Staat übernommen, weil eben der Privatsektor in diesem Bereich noch nicht so stark genug entwickelt ist. Ich gehe davon aus, dass sie noch eine Zeit lang Unterstützung brauchen im Sinne von mehr Inputs im Bereich von Forschung und Innovation.

Frage: Wie viele Menschen erreicht die OEZA?

Kohl: In Zahlen zu sprechen zu ist natürlich schwierig, über die Budgethilfe wird das ganze Land erreicht. Das Budget erhält einen geringen Anteil aus Österreich. Damit werden unter anderem landesweit Sektoren wie Bildung, Gesundheit und Infrastruktur mitfinanziert. In Bezug auf die landwirtschaftlichen Projekte in Sofala gehen wir derzeit davon aus, dass allein über die konkreten Projekte ca. 100.000 Bauernfamilien direkt erreicht werden.

Frage: Ist Mosambik ein „Löwenstaat“? Ein Vorbild für andere afrikanische Staaten? Wo sehen Sie Mosambik in zehn Jahren?

Kohl: Mosambik wird sicher in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren eine wichtige Rolle vor allem im südlichen Afrika spielen - einfach aufgrund seiner enormen Ressourcenvorkommen, aber auch aufgrund seiner geopolitischen Lage am Indischen Ozean als Tor zur SADC (Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft, Anm.). Mosambik hat sich in den vergangenen Jahren durchaus in der starken Rolle des Vermittlers gegeben, beispielsweise im Madagaskar-Konflikt. Die wirtschaftliche Stärke des Landes wird natürlich davon abhängen, wie stark die Infrastrukturentwicklung voranschreitet. Zentral ist auch, wie Rohstoffe genutzt werden und wieweit es gelingt, einen eigenständigen wissenschaftlichen Sektor herauszubilden.

Frage: Wenn wir jetzt an die an die nahe Zukunft der OEZA in Mosambik denken, wird sich da was ändern?

Kohl: Aus meiner Sicht wird sich da einiges ändern. Vielleicht nicht ganz schnell: Mosambik hat noch einige Herausforderungen zu erklimmen, etwa im Bildungs- und Gesundheitsbereich. Aber es findet derzeit eine wirtschaftliche Entwicklung statt, die beachtenswert ist: Mosambik ist ein Land, das in den letzten zehn Jahren durchschnittlich sieben bis acht Prozent Wirtschaftswachstum gehabt hat - natürlich immer ausgehend von einer sehr geringen Basis.

Vor diesem Hintergrund wird es künftig nötig sein, eine starke Wirtschaftsentwicklung mit einem Bekenntnis zur Armutsreduzierung zu verbinden. Zentral ist die Entwicklung eines starken Mittelstandes und von Kleinunternehmen, die sozusagen die Basis dieser Wirtschaft bilden.

(Das Gespräch führte Elisabeth Hilgarth/APA)