Ski alpin: Zagreb als Start in WM-Quali, die für ÖSV-Herren keine ist
Zagreb (APA) - Für die Slalom-Herren beginnt mit dem Flutlichtbewerb am Dienstag in Zagreb die entscheidende Weltcup-Phase. Fünf der zehn Sa...
Zagreb (APA) - Für die Slalom-Herren beginnt mit dem Flutlichtbewerb am Dienstag in Zagreb die entscheidende Weltcup-Phase. Fünf der zehn Saisonslaloms stehen innerhalb von 22 Jänner-Tagen auf dem Programm, nicht nur im Kampf um die kleine Kugel fällt also die Vorentscheidung. Unaufgeregt ist hingegen der „Kampf“ im ÖSV-Team um die WM-Tickets. Alle fünf Fahrer auf Weltcupniveau haben ihre Startplätze sicher.
Das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Zuletzt musste 2013 mit Reinfried Herbst ein Spitzenfahrer für die WM in Schladming noch passen. Diesmal kann sich auch der 36-jährige Salzburger einer Nominierung sicher sein, sofern er gesund bleibt.
Der Grund ist bekannt. Hinter dem 25-jährigen Weltmeister Marcel Hirscher sowie den Routiniers Herbst (36), Benjamin Raich (35), Mario Matt (34) und Wolfgang Hörl (31) klafft im Slalom ein Riesenloch. Das noch größer geworden ist, seit der ehemalige Junioren-Weltmeister Manuel Feller (23) mit Rückenproblemen für die Saison w.o. geben musste.
Auch Slalom-Chef Marko Pfeifer ist deshalb klar, dass er sein WM-Quintett in Wahrheit bereits gefunden hat. „Das ist so, da braucht man nicht herumreden. Wir haben aber angesichts der Situation beschlossen zu schauen, dass die Burschen auf Weltcup-Niveau in Form sind. Es ist sinnlos, wenn junge Fahrer vier Sekunden bekommen“, erklärte der Coach, warum der Nachwuchs weiterhin hauptsächlich im Europacup startet.
Auch Pfeifer geht nicht davon aus, dass sich in den kommenden Wochen trotz der gleich fünf Slaloms in Zagreb, Adelboden, Wengen, Kitzbühel und Schladming an der Aufstellung noch etwas gravierend ändert. „Es wird kein anderer in dieser Zeit auferstehen. Außer ein Marco Schwarz explodiert im Jänner noch.“
Verlangen könne man dies vom 19-jährigen Kärntner, der am Dreikönigstag (15.00/18.10 Uhr/live ORF 1) seinen erst zweiten Weltcup-Einsatz bestreitet, aber nicht. Mit den Plätzen sechs und sieben bei den Nacht-Europacup-Slaloms in Chamonix zeigte Schwarz zuletzt aber durchaus auf.
„Jetzt kommt die Zeit der Klassiker ist, da wird sich ein Junger besonders schwertun“, ist Pfeifer aber bewusst. Für Zagreb bekommt neben dem Weltcup-Quintett sowie Schwarz und Michael Matt auch der kaderlose Marc Digruber (27) nochmals eine Chance.
Die Situation ist aktuell aber gleich doppelt unerfreulich. Denn außer Hirscher hat auch keiner der Weltcup-Routiniers auch nur einen Top-15-Platz geschafft. Selbst Olympiasieger Mario Matt hat Ausfälle in allen drei bisherigen Slaloms zu verzeichnen. „Bei ihm ist es wirklich ein bissl verhext“, gestand Pfeifer, gab sich nach dem Spezialtraining am Lienzer Hochstein („Dort hat man alles für uns getan“) insgesamt aber zuversichtlich für Zagreb.
„Weil die Burschen im Training konstant schnell sind. Wär‘s umgekehrt, würde ich mir Sorgen machen“, sagte der Coach, der 2013 aus Schweden zurück nach Österreich gekommen war. Dass man „definitiv eine Nachwuchskrise“ habe, wie es auch Hirscher kürzlich in einem Sky-Interview formulierte, streitet Pfeifer nicht ab.
„Aber so ist es eben nun mal. Wir haben ohnehin junge Fahrer ins Team dazugenommen und tun alles, dass sich etwas ändert. Aber das wird zwei bis drei Jahre dauern, das weiß ich auch noch aus meiner Schweden-Zeit“, bat Pfeifer um Geduld.
Die auch deshalb auf die Probe gestellt werden wird, weil Herbst, Raich und Mario Matt nicht mehr allzu lange fahren dürften. „Es wird definitiv einen Neustart geben, aber das wird dauern“, so Pfeifer. „Gerade im Slalom ist die Dichte enorm. Wir müssen deshalb die Hebel richtig ansetzen.“
Hirscher trainierte vor Zagreb zusammen mit Coach Michael Pircher auf der Reiteralm und versuchte dabei in erster Linie, die Lehren aus Platz sieben von Madonna zu ziehen sowie „mit Tüfteln und Schrauben“ das richtige Setup für Zagreb zu finden. Vor allem, um mit Felix Neureuther mithalten zu können. „Die Frage ist immer, wie kann ich schneller werden“, so Hirscher auf seiner Homepage. Er geht auf den dritten Zagreb-Sieg in Folge los.