Kämpfe und Christenentführungen in Libyen
Tripolis (APA/Reuters/AFP) - In Libyen haben sich Truppen der beiden rivalisierenden Regierungen am Wochenende heftige Gefechte um die Hafen...
Tripolis (APA/Reuters/AFP) - In Libyen haben sich Truppen der beiden rivalisierenden Regierungen am Wochenende heftige Gefechte um die Hafenstadt Misrata geliefert sowie um Al-Sider, den größten Ölhafen des Landes. Erneut hätten seine Kampfjets den Handelshafen von Misrata angegriffen, teilte ein Luftwaffenkommandant der international anerkannten Regierung unter Ministerpräsident Abdullah al-Thinni mit.
Fast vier Jahre nach dem Beginn der Revolution gegen den langjährigen Machthaber Muammar Gaddafi herrscht in Libyen Chaos. Das Land steht vor der Spaltung. In Sirte, Gaddafis Geburtsstadt, wurden 13 Ägypter verschleppt. Es seien koptische Christen, berichtete die staatliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena. Bereits in den Tagen zuvor waren sieben Christen in Libyen entführt worden. Auch töteten Anhänger der radikalislamischen IS-Miliz im Süden Libyens nach Angaben der Al-Thinni-Führung 14 Soldaten.
In Misrata, das im Westen des Landes liegt, wurde nach Angaben der loyal zu Al-Thinni stehenden Luftwaffe die Militärakademie getroffen. Auch eine Nachrichtenagentur der Gegenregierung berichtete über die Luftangriffe. Raketen seien in ein Hafengebäude eingeschlagen, mehrere Menschen seien verletzt worden.
Misrata liegt rund 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis und hat einen großen Hafen sowie eine Freihandelszone. Die Stadt ist mit der Miliz Libysche Morgenröte verbunden, die die Regierung Al-Thinni und das gewählte Parlament aus Tripolis vertrieben hat. Die Al-Thinni-Führung ist nach Tobruk im Nordosten geflohen.
Einheiten, die loyal zu Al-Thinni stehen, haben zudem rivalisierende Truppen angegriffen, die vor drei Wochen versucht hatten, den Ölhafen Al-Sider im Osten Libyens zu übernehmen. Ein Sprecher der Al-Thinni-Truppen sagte, die Soldaten seien gegen Kämpfer vorgegangen, die Stellungen in Ben Javad, rund 40 Kilometer westlich des Hafens, hielten. Al-Sider und der benachbarte Ölhafen Ras Lanuf sind seit Beginn der Kämpfe geschlossen.
Ziel von Gewalt waren wiederholt auch ägyptische Kopten in Libyen. Bereits seit vergangener Woche werden sieben Kopten vermisst. Die nun entführten 13 Kopten wurden nach Angaben christlicher Aktivisten von bewaffneten Männern aus einer Wohnanlage für Ausländer in Sirte verschleppt.
Dass sich im Internet Anhänger der Miliz „Islamischer Staat“ (IS) zur Tötung von Soldaten in Libyen bekannten, nährte die Sorge, die Extremisten, die weite Teile des Irak und Syriens unter ihrer Kontrolle haben, nun das Machtvakuum in Libyen ausnutzen könnten. Die Al-Thinni-Regierung forderte, die Staatengemeinschaft müsse nun das Waffenembargo lockern, damit sich Libyen besser gegen Extremisten wehren könne.
(Wochenendzusammenfassung)