Kufstein

Fall Lucile: Suche nach Täter auch in „Aktenzeichen XY“

Die Stelle, an der Lucile K. in der Nacht zum 12. Jänner 2014 ermordet wurde.
© ZOOM-Tirol

Ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod einer französischen Studentin in Kufstein wird das Kriminalistenteam aufgestockt. Der Grund: Ermittlungsergebnisse aus Frankreich.

Von Thomas Hörmann

Kufstein – Endlich Post aus Frankreich. Knapp ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod der französischen Studentin Lucile K. in Kufstein haben die Ermittlungsbehörden in Lyon die Fragen der Tiroler Kriminalisten kurz vor Weihnachten beantwortet. Den Inhalt des Antwortschreibens will Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes, nicht preisgeben. Die Auswirkungen schon: „Jetzt sind umfangreiche Erhebungen durchzuführen.“ So umfangreich, dass das Ermittlerteam verstärkt werden muss. Ab Montag unterstützen vier Beamte aus den Bezirken die vier Mordermittler des Landeskriminalamtes.

Abseits der intensivierten Nachforschungen setzen Pupp und sein Team jetzt wieder verstärkt auf Öffentlichkeitsarbeit. Genau genommen ist’s die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY, in der der Mordfall demnächst den deutschen TV-Zusehern präsentiert werden soll. Die XY-Verantwortlichen haben bereits zugesagt.

Auch wenn Aktenzeichen im österreichischen TV nicht ausgestrahlt wird, hoffen die Tiroler Ermittler auf neue Impulse: „Der Tatort Kufstein ist ja nicht weit von der deutschen Grenze entfernt, durchaus möglich, dass Hinweise aus Bayern kommen“, sagt Pupp. Außerdem „stellen wir immer wieder fest, dass manche Leute trotz umfangreicher Berichterstattung von einem Ereignis nichts mitbekommen. Daher ist es ganz gut, wenn der Mordfall Lucile noch einmal öffentlich präsentiert wird. Vielleicht kommt dann noch der eine oder andere Hinweis.“

Wenn das erweiterte Ermittlerteam am Montag die Arbeit aufnimmt, jährt sich der Todestag der französischen Studentin zum ersten Mal. Lucile K. wurde in der Nacht zum 12. Jänner 2014 auf der Kufsteiner Innpromenade mit einem zunächst unbekannten Gegenstand getötet. Die 20-Jährige aus Lyon, die seit September an der Kufsteiner Fachhochschule studiert hatte, lebte mit einer Studienkollegin aus ihrer Heimat in einer Wohngemeinschaft in Kufstein. Am Samstag, den 11. Jänner 2014, verließ die 20-Jährige kurz nach 23 Uhr noch einmal die Wohnung. Trotz der späten Stunde wollte die Studentin eine Freundin besuchen. Während Lucile K. zu Fuß die Kufsteiner Innbrücke überquerte und auf die Innpromenade einbog, kommunizierte sie mehrmals übers Handy mit der Freundin. Ihr letztes Lebenszeichen – kurz vor Mitternacht riss der SMS-Kontakt plötzlich ab, mehrere Textnachrichten der Freundin blieben fortan unbeantwortet, Lucile kam nie in der Wohnung der Studienkollegin an.

Als die Französin auch noch am Sonntagmorgen unauffindbar war, erstattete die Freundin die Vermisstenanzeige. Zwei Stunden später entdeckten Polizeibeamte die Leiche der Französin am Kufsteiner Innufer. Wie die Obduktion ergab, war die junge Frau durch mehrere heftige Schläge auf den Kopf getötet worden. Das iPhone und die Handtasche des Opfers sind seither verschwunden. Ein zwei Kilo schweres Stahlrohr, das Polizeitaucher Tage später aus dem Inn bargen, erwies sich als Tatwaffe.

Bis heute ist nicht nur der Mörder, sondern auch das Motiv unbekannt. Auf einen Täter im privaten Umfeld des Opfers fanden die Ermittler keine Hinweise. Eine Beziehungstat schied daher aus. Ein Sexualdelikt gilt ebenfalls als unwahrscheinlich. Zumindest fanden die Gerichtsmediziner bei der Obduktion der Leiche keine Hinweise auf sexuell motivierte Handlungen. Also bleibt nur noch ein Raubmord. Eine Theorie, die ebenfalls nicht restlos überzeugt – wer tötet schon wegen eines Handys und einer Handtasche?

Aber auch die Lebensumstände der 20-Jährigen machen es den Ermittlern nicht einfacher. Auch wenn die Studentin in ihren letzten vier Lebensmonaten vorwiegend in Tirol lebte, könnte die Lösung des Mordrätsels doch in ihrer französischen Heimat zu finden sein. Zumal Lucile K. die Weihnachtsferien bei ihrer Familie in Lyon verbrachte – erst zwei Tage vor ihrem Tod war die Studentin aus Frankreich zurückgekehrt.

In Kufstein findet am Montag ab 18 Uhr auf der Innpromenade bei der Wendlingerbrücke eine Gedenkfeier mit Stadtpfarrer Thomas Bergner für Lucile K. statt. Teilnehmen kann jeder.