Ukraine-Krise - Botschafter Kiews: Putin treibt Ukraine in die NATO

Wien (APA) - Die Ukraine wird nach Einschätzung ihres Botschafters in Wien, Oleksander Scherba, vom russischen Präsidenten Wladimir Putin in...

Wien (APA) - Die Ukraine wird nach Einschätzung ihres Botschafters in Wien, Oleksander Scherba, vom russischen Präsidenten Wladimir Putin in die NATO getrieben. „Vor einem Jahr waren 15 Prozent (der Ukrainer) für die NATO, jetzt sind wir bei 55 Prozent“, sagte Scherba der APA am Freitag im steirischen Schielleiten in Anspielung auf den blutigen Konflikt in seiner Heimat. „Wer hat sich da ins Knie geschossen?“

Scherba zeigte sich äußerst dankbar für die österreichische Initiative, 200 Kinder aus den Konfliktgebieten Donezk und Luhansk zum Winterurlaub ins Bundessportzentrum Schielleiten einzuladen. Weniger Freude hat er dagegen mit dem Werben Wiens für einen neutralen Status Kiews.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) hatte bei seinem Besuch in Schielleiten die diesbezügliche Position Österreichs bekräftigt. Es sei „kein guter Rat“, der Ukraine die NATO-Mitgliedschaft zu empfehlen, sagte er. „Das österreichische Modell der Neutralität ist der richtige Rat.“ Österreich werde gerade deshalb international so als Vermittler geachtet, weil es eben keinem Militärbündnis angehöre.

Für Scherba ist es dagegen „naiv“, wenn man von Kiew gerade jetzt erwartet, neutral zu werden. Österreich wünsche zwar „nur Gutes für die Ukraine“, doch sei das österreichische Neutralitätskonzept schwer zu übertragen auf die Ukraine, sagte der Diplomat. „Ich wünsche mir mehr Verständnis für die ukrainische Sichtweise.“ Die Ukrainer seien angesichts der russischen Aggression „verbittert“. „Wir sind ein Land im Krieg, ein angegriffenes Land. Da ist es schwer, von Neutralität zu sprechen.“

Österreich habe den „großen Wunsch, dass dieses Problem weg ist“ und wünsche sich eine Rückkehr zum Status Quo vor dem Krieg. Allerdings müsse man auch die ganze Wahrheit sehen. Dazu gehöre, welchen Schaden dieser Krieg für Europa als Ganzes angerichtet habe. Jenes Europa, wo Staaten ihre Nachbarstaaten nicht angriffen und Staatsgrenzen respektiert würden, „existiert nicht mehr“.

Scherba warnte in diesem Zusammenhang vor einer vorschnellen Aufhebung der westlichen Sanktionen gegen Russland. In diesem Fall drohe nämlich eine neue „Aggression“ gegen die Ukraine. Einzig der militärische Widerstand und die Sanktionen hätten Russland nämlich daran gehindert, seinen Vormarsch im Nachbarland fortzusetzen. Daher seien die Sanktionen „enorm wichtig“ gewesen. „Wenn die Sanktionen nicht mehr da sind, steigt die Verführung für den Aggressor, weiterzumachen.“

Zurückhaltend äußerte sich Scherba, was die Aussicht auf eine baldige Beilegung des Konflikts mit den prorussischen Separatisten in der Ostukraine betrifft. „Kriege sind einfach auszulösen, aber sehr schwer zu beenden“, sagte er. Es werde „Jahre“ dauern, das Verhältnis zwischen Russland und der Ukraine wiederherzustellen. „Einen dauerhaften Waffenstillstand kann man in einigen Monaten erreichen, ein dauerhafter Frieden wird etwas länger dauern“, sagte er. Es gebe nämlich viel zu viele Menschen, die zu tief in den Krieg verstrickt sind, meinte er in Richtung Separatisten.

(Das Gespräch führte Stefan Vospernik/APA)

~ WEB http://www.nato.int/ ~ APA026 2015-01-12/05:00