Geiselnahme in Paris

Lebensretter im Supermarkt: Frankreich feiert einen Helden

Lassana Bathily wird in Frankreich als Held aus dem Kühlraum gefeiert. Dem Sender BFMTV erzählte der 24-Jährige, wie er während der Geiselnahme im Supermarkt mehrere Menschen vor dem Terroristen versteckte.
© Youtube/BFMTV

Lassana Bathily betet gerade im Keller des jüdischen Supermarkts, als der Terrorist in den Laden stürmt. Der 24-Jährige versteckt mehrere Menschen in der Kühlkammer und rettet ihnen so vermutlich das Leben.

Paris – Seit vier Jahren arbeitet Lassana Bathily in einem jüdischen Supermarkt in Paris. Er stammt ursprünglich aus Mali, spricht perfekt Französisch und ist praktizierender Moslem. Vergangenen Freitag verrichtet der 24-Jährige gerade im Keller sein Mittagsgebet, als Amedy Coulibaly in das Geschäft stürmt und um sich schießt. Mehrere Menschen – die Anzahl variiert in Medienberichten zwischen 15 und mindestens fünf – flüchten ins Untergeschoss. „Ich habe die Türe zum Kühlraum geöffnet und sie hineingeschickt. Ich habe das Licht und die Kühlung ausgeschaltet. Ich habe die Tür geschlossen. Dann habe ich ihnen gesagt, sie sollen ruhig bleiben und leise sein“, sagt Lassana Bathily im Interview mit dem französischen TV-Sender BFMTV.

Plötzlich kommt eine Kollegin in den Keller. Der Geiselnehmer hat sie geschickt. Vier der Versteckten gehen mit ihr zurück in den Geschäftsraum. Sie verraten aber nicht, dass unten noch mehr Menschen versteckt sind, wie verschiedene Medien berichten. Lassana Bathily schlägt den Kunden vor, über den Lastenaufzug zu fliehen. Doch sie haben Angst. Der Lagerist macht sich alleine auf den Weg nach draußen. Er wird von der Polizei überwältigt, in Handschellen gelegt. „Sie haben mich eineinhalb Stunden befragt“, sagt er in dem Fernsehinterview. Dann glauben sie ihm.

Berichte anderer Medien

Erstes BFMTV-Interview in französischer Sprache: http://goo.gl/sNUiip

Weiters interview mit BFMTV in französischer Sprache: http://goo.gl/kWz4Od

Bericht der „Süddeutschen Zeitung“: http://goo.gl/9V6bH0

Bericht auf „Spiegel Online“: http://goo.gl/VJLHDW

Bericht „The Guardian“ in englischer Sprache: http://goo.gl/LQvr6i

Bericht der „New York Times“: http://goo.gl/dwVJJa

Facebookseite im Namen von Lassana Bathily: http://goo.gl/ACKTCP

Der 24-Jährige kann noch mehr helfen: Er zeichnet den Polizisten einen Plan der Räumlichkeiten. Der Schlüssel für einen metallenen Sicherheitsrolladen wird übergeben. So können die Spezialeinheiten in den Laden gelangen, ohne die Geiseln zu gefährden.

Unterdessen harren mindestens fünf Menschen, darunter ein Kunde mit seinem drei Jahre alten Sohn, über Stunden in der Kühlkammer aus. Spezialeinheiten stürmen schließlich das Geschäft. Bei der anschließenden Schießerei stirbt der Attentäter. Vier Geiseln sind bereits zuvor von Coulibaly getötet worden. Die Versteckten sind jedoch unversehrt. „Als sie herauskamen, haben sie sich bedankt. Ich habe gesagt: Nichts zu danken, das ist das Leben“, berichtet Bathily gegenüber BFMTV.

In Frankreich wird der Lagerist als Held gefeiert, seit seine Geschichte am Wochenende bekannt wurde. Eine Facebookseite in seinem Namen hat bereits fast 16.000 Likes (Stand Montagmittag). Auf Twitter fordern viele seine Aufnahme in die Ehrenlegion, die höchste Auszeichnung des Landes. Auch, dass ihm die französische Staatsbürgerschaft verliehen wird, wünschen sich die Menschen im Internet. Beantragt habe er sie schon seit einiger Zeit, sagt der 24-Jährige.

Die Zeitung Le Figaro berichtet, dass sich Präsident Francois Hollande bereits telefonisch bei Lassana Bathily bedankt hat. In einer Pariser Synagoge sagte Israles Premier Benjamin Netanyahu am Sonntagabend: „Ich möchte dem Mann aus Mali meine Anerkennung ausdrücken, der geholfen hat, sieben Juden zu retten.“ Lassana Bathily sieht sich selbst nicht als Held, wie er BFMTV sagt: „Ja, ich bin Moslem. Ja, ich habe Juden geholfen. Wir sind alle Brüder im selben Boot.“ (smo, tt.com)