Kulm muss umgebaut werden: „Luftstand ist eine Katastrophe“

Der zweite Skiflug-Bewerb am Kulm wurde gestern wetterbedingt abgesagt. Manchem war das nicht unrecht: Die bei Flügen erreichten Höhen bis zu acht Metern empfinden Trainer wie Heinz Kuttin als zu gefährlich.

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Der Kulm muss erneut umgebaut werden. Der Lufstand über dem Vorbau ist zu groß.
© Gepa

Aus Bad Mitterndorf: Susann Frank

Bad Mitterndorf – Obwohl das Team um Organisationschef Hubert Neuper alles unternommen hatte, musste der zweite Skiflug-Bewerb am Kulm gestern vorzeitig abgesagt werden. Die Behörden kamen mit den Verantwortlichen des Österreichischen Ski-Verbands (ÖSV) überein, das Gelände aufgrund der gefährlichen Sturmböen räumen zu lassen. Vor allem Zelte und Stände drohten umzufallen.

Die Skiflugschanze wäre durch angekarrten Schnee durchaus bereit gewesen, es wäre allerdings auch der letzte auf dem eben erst für 4,2 Millionen Euro umgebauten Monsterbakken gewesen. Für die Skiflug-WM kommendes Jahr muss wieder Geld für einen Umbau in die Hand genommen werden. „Die Flugbahn ist zu hoch, deshalb werden wir den Vorbau zwei bis drei Meter anheben“, erklärte Neuper. Damit meint der ehemals exzellente Skiflieger die Höhe des Sportlers in der ersten Phase nach dem Absprung.

Österreichs Cheftrainer Heinz Kuttin drückte es drastischer aus: „Der Luftstand über dem Vorbau ist eine Katastrophe. Mir kommt das Grausen, wenn ich das sehe.“ Warum es dem ÖSV-Cheftrainer schaudert? Weil Skispringen an sich bereits eine riskante Sportart ist. Und eine sensible dazu. Stürzt ein Athlet an eben dieser Stelle, dann prallt er aus sieben bis acht Metern mit über 100 km/h auf den Hang. Die Flugschanzen in Planica (SLO) und Harrachov (CZE) hatten früher dieselbe Problematik und sorgten regelmäßig für bittere Verletzungen. Andreas Goldberger brach sich am Teufelsberg in Tschechien sein Schlüsselbein.

„Normalerweise sollte der Luftstand vier bis fünf Meter an dieser Stelle betragen“, erklärte Walter Hofer. Der Renndirektor des Internationalen Ski-Verbandes FIS erklärte anhand einer Zeichnung, wo genau die Problematik liegt (siehe dazu Skizze unten).

FIS-Renndirektor Walter Hofer zeichnete für die TT das Schanzenprofil am Kulm mit der in die Kritik geratenen Flugkurve auf.
© Zeichnung: Walter Hofer

Wie kann es jedoch dazu kommen, nachdem bereits so viel Geld in den Umbau geflossen ist? „Es ist schwierig, eine Schanze so zu bauen, dass sie auf Anhieb passt“, sagte ÖSV-Nordisch-Direktor Ernst Vettori.

Doch der Kulm ist kein Einzelfall. Auch die zuletzt für 15,2 Millionen teuren Schanzenanlagen in Tschagguns (Vbg.), wo demnächst die Europäischen Olympischen Jugendspiele eröffnet werden, erscheinen problematisch. Das Team von Kuttin will dort nicht trainieren, weil der Luftstand dort vor der Landung so hoch sei, dass beim Aufsetzen ein starker Landedruck auf die Athleten wirkt. Knieschäden und -verletzungen können daraus resultieren.

Auf der neuen Anlage in Planica ist es dasselbe, denn die FIS schreibt dieses so genannte moderne Profil vor. Kuttin: „Der Radiusdruck ist zu hoch, weil die Flugparabel nicht stimmt. Ich sage es schon lange, da sollten sich die Verantwortlichen des Internationalen Skiverbands einmal etwas überlegen.“

Im Herbst hat die FIS die Flugkurve der Normalschanzen erstmals getestet. „Bisher haben wir die Untersuchungen nur auf Großschanzen unternommen und das einfach auf das Profil der Klein- und Skiflugschanzen übertragen. Jetzt wissen wir, dass wir den Landebereich bei den Normalschanzen steiler oder die Tischneigung flacher gestalten müssen“, betonte Hofer.

Für Tschagguns und Planica kommt diese Erkenntnis zu spät. Kinder trainieren auf den neuen, gesundheitsgefährdenden Anlagen, bis die Fehler ausgeglichen werden, auf dem Kulm indes nicht: Bis zur Skiflug-WM im kommenden Jahr ist die Gefahrenzone vorerst nicht mehr zugänglich.


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