Hohe Arbeitslosigkeit im Tourismus
Die Arbeitslosigkeit im Tourismus stieg massiv. Hoteliers kritisieren Rot-Weiß-Rot-Card, beklagen Lehrlingsmangel und Ruhepausen. Ministerium kontert: Betriebe bilden 30 % weniger aus, Arbeitszeit wird nicht ausgeschöpft.
Von Max Strozzi
Kitzbühel –Um 10,4 % ist im vergangenen Jahr die Arbeitslosigkeit im österreichischen Tourismus gestiegen und damit deutlich stärker als am Bau (+4,8 %) oder in der Produktion (+8,2 %). Die Arbeitslosenquote im Tourismus lag im Jahresschnitt bereits bei 17,3 %. Rund 200.000 Beschäftigten und 50.000 Selbstständigen im Fremdenverkehr standen knapp 40.000 Arbeitslose gegenüber, rechnete der Kabinettschef von Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Joachim Preiss, gestern den anwesenden Touristikern anlässlich des Österreichischen Hotelleriekongresses vor. Dem Tourismus waren demnach rund 6 % der Arbeitsplätze und 13 % der Arbeitslosen zuzuordnen. Vor allem viele junge Beschäftigte verlassen die Branche oft wieder rasch.
Dennoch sieht sich die Hotellerie als Jobmotor, wie die Spitze der Österreichischen Hoteliervereinigung gestern bekräftigte. „Wir haben noch nie so viele Menschen im Tourismus beschäftigt wie jetzt“, betonten die beiden ÖHV-Präsidenten Michaela Reitterer und Gregor Hoch. Gleichzeitig aber tue sich die Branche zum Teil schwer, Personal zu finden.
Kritisiert wird beispielsweise eine falsche Arbeitsmarktzuwanderung aus Drittstaaten über die Rot-Weiß-Rot-Card (RWR-Card). Eine jährlich überarbeitete Liste an so genannten Mangelberufen definiert, wer aus dem EU-Ausland für eine Rot-Weiß-Rot-Card infrage kommt und wer nicht. Während beispielsweise der Beruf der Landmaschinenbauer als ein Mangelberuf definiert wird und somit RWR-Card-tauglich ist, würden diverse Tourismusjobs wie Kellner oder Koch nicht als Mangelberuf eingestuft, obwohl alleine in diesen beiden Berufen laut Zahlen des ÖHV österreichweit mehr als 22.000 Mitarbeiter gesucht würden. „Die Verordnung der Mangelberufe ist industrielastig und geht an der Realität vorbei, die RWR-Card entspricht nicht den Anforderungen des Arbeitsmarktes“, kritisiert ÖHV-Chef Hoch. Der Arbeitsmarkt werde „künstlich verknappt“.
Eine Kritik, die Hundstorfers Kabinettschef Preiss „recht kühn“ findet. Schließlich wurden in den vergangenen Jahren im Tourismus auch deutlich weniger Lehrlinge ausgebildet. Wurden 2008 laut Preiss von den Tourismusbetrieben noch fast 15.000 Lehrlinge ausgebildet, waren es 2013 nur noch etwas mehr als 10.000 Lehrlinge. Das entspricht einem Rückgang um knapp 30 % und damit deutlich mehr als im Querschnitt aller Branchen, wo die Lehrlingsausbildung im selben Zeitraum um 10 % zurückging. „Hier bräuchte es im Tourismus mehr Engagement und Initiative“, richtete Preiss den anwesenden Touristikern aus.
Hoteliers beklagen hingegen ein allgemein gesunkenes Interesse an der Lehre. „Und der Tourismus wird als Problembranche dargestellt“, meint Reitterer. Mit ein Grund für den Lehrlingsschwund dürfte allerdings auch sein, dass Betriebe die Ausbildung zunehmend an Tourismusschulen abgegeben haben. „Es sind in den vergangenen Jahren viele Tourismusschulen entstanden, deshalb wurden auch weniger Lehrlinge ausgebildet“, räumte etwa Tourismusberaterin Susanne Kraus-Winkler ein. In Österreich gibt es 28 Tourismusschulen mit rund 11.000 Schülern. Abhilfe könnte den Branchenvertretern zufolge die Lehre mit Matura schaffen. Der umgekehrte Weg – Maturanten eine Lehre schmackhaft zu machen – gelingt erst in Ansätzen.
Auch der Kritik der Kitzbüheler Tourismus-Obfrau Signe Reisch, dass das Arbeitsrecht den Mitarbeiter-Einsatz im Tourismus einschränke, widerspricht Preiss. Die gesetzlich festgesetzten Ruhezeiten von 11 Stunden könnten auf bis zu 8 Stunden verkürzt werden – allerdings wurde diese Möglichkeit offenbar nicht im entsprechenden Kollektivvertrag berücksichtigt. „Darüber müsst ihr aber selbst verhandeln“, kontert Preiss.
Die ÖHV hat nun jedenfalls eine Ausbildungsoffensive angekündigt. So soll beispielsweise Maturanten eine Tourismus-Ausbildung schmackhaft gemacht werden. Ab September 2015 wird das Trainee-Tourismuskolleg auf Westösterreich ausgeweitet und auch in Innsbruck angeboten. Zudem wird am Management Center Innsbruck (MCI) eine Ausbildung zum Destinationsmanager eingerichtet.
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