Nigerianische Kirche fordert Anti-Terror-Demo wie in Paris

Vatikanstadt (APA) - Der Vorsitzende der Nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ignatius Kaigama, hat in Nigeria ein Aufstehen gegen T...

Vatikanstadt (APA) - Der Vorsitzende der Nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ignatius Kaigama, hat in Nigeria ein Aufstehen gegen Terror wie in Paris gefordert. Er wünsche sich eine Kundgebung nationaler Einheit über politische, ethnische und religiöse Grenzen hinweg, sagte der Erzbischof von Jos laut dem vatikanischen Pressedienst Fides (Montag).

Als „abnormal und unvorstellbar“ bezeichnete Kaigama die neue Strategie von Boko Haram, Kinder als Selbstmordattentäter einzusetzen. Am Wochenende waren in Nordnigeria durch zwei Anschläge mit jungen Mädchen, die Sprengstoff am Leib trugen, mindestens 27 Menschen getötet worden. Kaigama sagte, diese Mädchen wie auch Kindersoldaten in anderen afrikanischen Ländern würden „mit Methoden der Gehirnwäsche indoktriniert, um Tötungsmaschinen zu werden“.

Erst am Mittwoch der Vorwoche hatten Boko-Haram-Kämpfer die 10.000-Einwohner-Stadt Baga am Tschad-See nahezu völlig niedergebrannt, berichtete der britische Sender BBC am Donnerstag unter Berufung auf einen Regierungsbeamten. Die Straßen seien von Leichen übersät, die Stadt sei „praktisch ausgelöscht“. Gegenüber ersten Schätzungen von 2.000 Todesopfern sprach der Bürgermeister der Stadt gegenüber dem Nachrichtenportal „allAfrica.com“ später von „mehreren Hundert Toten“, darunter vor allem ältere Menschen, Kinder und Frauen.

Gegenüber „Radio Vatikan“ erklärte Erzbischof Kaigama am Sonntag, die bisherigen Berichte würden auf eine „Katastrophe monumentalen Ausmaßes“ deuten und die Aggression gegenüber Unschuldigen aufzeigen, zu welcher die Terrorgruppe Boko-Haram fähig sei - vorausgesetzt allerdings, die Angaben stimmten. Bisher habe Boko Haram die Kontrolle über einige lokale Regierungen und Ortschaften gewonnen. Die Terrorgruppe behaupte, ein islamisches Kalifat ausgerufen zu haben und breite sich derzeit auch auf Nachbarländer wie Kamerun, Niger, Tschad aus. Eine Expansion scheine tatsächlich stattzufinden, zumal es der nigerianischen Regierung trotz der Hilfe aus den Nachbarländern nicht gelungen sei, diese Bewegung zu stoppen.

Boko Haram selbst sei eine „sektenhafte Bewegung“ und habe nichts zu tun mit der „großen Mehrheit nigerianischer Muslime, die tüchtige Menschen sind“, sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende. Bei den Opfern der Terrorgruppe und den Vertriebenen im Norden Nigerias gebe es keinen Unterschied zwischen Christen und Muslimen. „Wer die Ideologie von Boko Haram nicht teilt - und darunter sind viele Muslime - muss fliehen“, sagte Kaigama.