Polens Regierungschefin Kopacz verhandelt mit Bergleuten

Warschau (APA) - Nachdem die Bergbaugewerkschaften am Sonntag Verhandlungen mit der Regierung über ein Sanierungsprogramm für den Steinkohle...

Warschau (APA) - Nachdem die Bergbaugewerkschaften am Sonntag Verhandlungen mit der Regierung über ein Sanierungsprogramm für den Steinkohle-Konzern Kompania Weglowa abgebrochen haben, schaltet sich Regierungschefin Ewa Kopacz nun persönlich ein. Sie trifft heute, Montag, Nachmittag in Katowice mit Gewerkschaftsvertretern zusammen.

Nach dem Abbruch der Verhandlungen haben die Bergbaugewerkschaften eine Protestaktion in ganz Oberschlesien angekündigt. Die Beteiligung von Ministerpräsidentin Kopacz war eine der wesentlichen Bedingungen der Gewerkschaft für die Rückkehr an den Verhandlungstisch. Gleichzeitig kommen in Bergwerken beschäftigte Frauen und Ehefrauen von Bergleuten nach Warschau, um sich mit Präsident Bronislaw Komorowski zu treffen. Sie wollen, dass sich das Staatsoberhaupt im Konflikt zwischen der Regierung und den Bergleuten engagiert.

Die Gewerkschafter haben auch eine Verschärfung ihrer Proteste angekündigt. Den fast 2.000 streikenden Bergleuten, die bereits unter Tage gegen die Schließung von Bergwerken protestieren, sollen sich weitere Mitarbeiter der Kompania Weglowa anschließen. Geplant sind auch Blockaden von Straßen und Bahngleisen.

Die Proteste sollen den neuesten Regierungsplan vereiteln, der die Schließung oder Sanierung unrentabler Bergwerke sowie „freiwillige“ Kündigungen vorsieht. Die Regierung versichert, dass die Umsetzung des Rettungsplans für die Branche höchstens 3.000 Arbeitsplätze kosten werde. Für die betroffenen Arbeitnehmer sei ein Sozialpaket im Ausmaß von 2,3 Mrd. Zloty (538,65 Mio. Euro) vorgesehen. Sollte der Sanierungsplan nicht umgesetzt werden, drohe dem Konzern der Konkurs, warnt das Wirtschaftsministerium - fast 50.000 Leute würden dann ihre Arbeit verlieren.

Die polnische Bergbauindustrie ist in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, seit der Kohlepreis an den internationalen Märkten unter 80 US-Dollar (62,28 Euro) pro Tonne gefallen ist - derzeit liegt er bei knapp 47 Dollar. Das hat zu einem drastischen Absatzrückgang bei der relativ teuren polnischen Kohle geführt. Nach Gewerkschaftsangaben wurden 2013 fast 11 Millionen Tonnen Kohle nach Polen importiert, davon kam der größte Teil aus Russland, wo Kohle zu Dumpingpreisen angeboten werde, so die Kritik der polnischen Gewerkschaften.