Handball: Österreicher Palme sorgt für Sport-Sicherheit in Katar

Doha (APA) - Ein Österreicher sorgt in Katar für Sicherheit bei Sportereignissen. Der ehemalige ÖFB-, FIFA- und UEFA-Mann Heinz Palme fungie...

Doha (APA) - Ein Österreicher sorgt in Katar für Sicherheit bei Sportereignissen. Der ehemalige ÖFB-, FIFA- und UEFA-Mann Heinz Palme fungiert in Doha als Generaldirektor-Stellvertreter des International Centre for Sport Security (ICSS), das bei der Entwicklung Katars zur Veranstalter-Großmacht eine wichtige Rolle spielt. Kritik am superreichen und „sportverrückten“ Emirat kann Palme verstehen.

Palmes ICSS, das formal eine private Organisation ist, aber massiv vom Staat Katar unterstützt wird, wirkte auch an der Sicherheitsstrategie für die am 15. Jänner mit österreichischer Beteiligung startende Handball-WM mit, die an drei Spielorten über die Bühne geht. „Wir waren zuständig für die Vorbereitung der Hallen in Losail und Al Sadd“, erzählte Palme, der während der WM aber nicht vor Ort anwesend sein wird.

„Das ICSS ist international, arbeitet mit internationalen Verbänden und hat Kooperationen mit einigen der größten Stadien Europas“, sagte Palme. „Wir sind beratend tätig, erstellen Konzepte in der gesamten Region, vor allem aber in Katar.“ Angesichts von Großereignissen, die in Katar erst seit rund 20 Jahren stattfinden, sei das notwendig. „Die Kataris kennen etwa keine private Sicherheitsorganisation“, erläuterte Palme. Und es sei besonders „schön zu sehen, dass diese Menschen lernen wollen“.

Bei der Wahl seines neuen Lebensmittelpunkts vor drei Jahren sei nicht zuletzt die Faszination für die überlebensgroß dimensionierten Ambitionen der Kataris ausschlaggebend gewesen. Eine Erwartung, die nicht enttäuscht wurde. „Man will Doha zu einer Metropole und zu einer Brücke zwischen Europa und Asien machen. Es ist unheimlich spannend und interessant zu sehen, welchen Stellenwert man dem Sport beimisst. Die Königsfamilie ist sportverrückt“, sagte Palme.

„In diesem Land läuft alles auf höchster Ebene ab. Man möchte sich keine Blöße geben“, meinte Palme und bestätigte damit die Aussage von Saoud Bin Abdulrahman Al-Thani, Generalsekretär des Nationalen Olympischen Komitees. „Katar will die Messlatte für alles höher legen, was wir organisieren“, lautet dessen Devise. Für Palme in Kombination mit den schier unerschöpflichen monetären Möglichkeiten ein unschätzbarer Vorteil bei seinen Aufgaben: „Hier wird nicht geredet, hier wird umgesetzt.“

Menschenrechtler, Politiker und Gewerkschafter klagen freilich regelmäßig darüber, dass diese Macher-Mentalität nicht nur Gewinner kennt. Palme kann die Kritik an der Behandlung der vielen Tausend Gastarbeiter auf den großen Baustellen in Katar durchaus verstehen. „Die Kritik an Katar ist völlig berechtigt. Die Arbeitsbedingungen, die Einreise- und Ausreisebestimmungen gehören geändert“, betonte der gebürtige Steirer, forderte aber auch, genauer hinzuschauen. „Die Leute, die extrem negativ berichten, sollten nach Katar kommen und länger bleiben. Man darf nicht vergessen, dass dieses Land vor 40 Jahren nicht existiert hat und muss die Chance nützen.“

Die Korruptionsvorwürfe, die anlässlich des Zuschlags zur Fußball-WM 2022 aufgekommen waren, sind natürlich auch Palme bestens bekannt. „Wer kauft sich nicht solche Veranstaltungen?“, fragte der 56-Jährige. „Es wäre naiv zu behaupten, dass die ganzen Großveranstaltungen nicht von der Finanzkraft der ausrichtenden Länder abhängen. Und hätte man diese Beweise, wäre man längst aus Katar weg“, stellte Palme fest und betonte zugleich seine Unabhängigkeit. „Ich bin kein Anwalt von Katar, brauche Katar nicht, um zu leben.“

Wie lange er noch dem ICSS dient, könne er nicht genau sagen. Eines hingegen weiß er genau: „Die Fußball-WM ist nicht das Ende der Fahnenstange, man wird sich wieder für die Olympischen Spiele bewerben.“