Melzer in Australien in der Quali: „Im Endeffekt muss ich gewinnen“
Erstmals nach fast 13 Jahren startet Österreichs Ex-Top-Ten-Spieler Jürgen Melzer (33) ab morgen in die Qualifikation für einen Grand Slam. Ein Gespräch über die Australian Open und den Glauben an sich selbst.
Sie starten zum ersten Mal seit Wimbledon 2002 bei den Australian Open in der Qualifikation.
Jürgen Melzer: Da muss ich durch – auch wenn es nicht einfach wird.
Wie blicken Sie auf das Jahr 2014 zurück und wo würden Sie es in Ihrer bisherigen Karriere einordnen? Vielleicht doch als das schwierigste?
Melzer: Das letzte Jahr war sicher eines meiner schwierigsten. Bedingt durch die Schulterverletzung einerseits, andererseits wegen dem späten Einsteigen mitten in der Saison (Mai, Anm.). Danach war ich zwischen Wimbledon und dem Turnier in Kitzbühel noch einen Monat außer Gefecht. Von dem her war das sicherlich sehr hart. Aber ich habe es mir erspielt, dass ich derzeit um die 110 der Weltrangliste stehe. Das ist dann auch okay. Schade ist sicher, dass ich mich nicht für die Australian Open qualifizieren konnte.
Die Schulterverletzung aus dem Vorjahr gibt Ihnen zumindest jetzt einen Vorteil: Bis Mitte April haben Sie keine Punkte mehr zu verteidigen. Wie legen Sie den Turnierplan an?
Melzer: Ich werde weiterhin auf der ATP-Tour spielen. Wenn ich dort Qualifikation spielen muss, dann spiele ich eben Qualifikation. Vielleicht streue ich hier und da mal ein Challenger-Turnier ein. Aber dadurch, dass ich bis April nichts zu verteidigen habe, ist das keine schlechte Ausgangsposition. Protected Ranking gibt es keines mehr. Im Endeffekt muss ich gewinnen – da ist es egal, wo ich stehe.
Sie haben sich in der Südstadt mit den Österreichern und danach in Doha vorbereitet. Was nehmen Sie aus der Vorbereitung mit?
Melzer: Sehr viel Positives, weil ich gute Partner hatte. Ich habe hauptsächlich mit Andreas Haider-Maurer, meinem Bruder Gerald und Dusan Lajovic (SRB) trainiert. Dabei ging es weniger um Spielpraxis, wir haben kaum Trainingspartien gespielt. Es ging mehr darum, viele Schläge zu spielen.
Lajovic ist der Schützling Ihres neuen, alten Trainers Jan Velthuis. Wie lange ist die Trainingsgemeinschaft mit ihm geplant?
Melzer: Das hat kein Ende. Jan und ich verstehen uns so gut, da brauchen wir keine Verträge. Lajovic und ich werden uns den Trainer teilen müssen, je nach dem, welche Turniere wir fahren.
Im Davis Cup steht das Team ohne Kapitän da, im März wartet mit Schweden ein unangenehmer Gegner in der Europa-Afrika-Zone. Wie schätzen Sie die Situation im Verband ein, nachdem Ronnie Leitgeb und Clemens Trimmel weg sind?
Melzer: Klar sieht es beim ÖTV nicht gut aus. Wir haben keinen Davis-Cup-Kapitän und einen scheidenden Präsidenten. Natürlich muss man bald schauen, wer der nächste Kapitän wird. Ich bin immer noch der Meinung, dass man für das Land spielt und nicht für den Kapitän. Mein Commitment zum Davis Cup steht – was andere Spieler machen, dazu werde ich mich nicht mehr äußern.
Ihr nächstes Ziel ist es, die Top 50 zu erreichen?
Melzer: Bis zu den French Open will ich in die Top 50. Das ist das Ziel. Was am Ende des Jahres rausschauen soll, werde ich in der zweiten Saisonhälfte definieren.
Was motiviert Sie dabei, auch in ihrem 16. Profijahr jeden Morgen zum Training aufzustehen?
Melzer: Was mich antreibt, ist die Freude am Spiel. Und der Glaube an mich selbst, dass ich noch vorne mitspielen kann. Wenn man die Möglichkeit hat, einen solch schönen Sport auszuüben, dann muss man das auch machen.
Das Gespräch führte Roman Stelzl
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