Schweizer Baumchemie-Konzern Sika vor Übernahme mit Rekordumsatz

Baar (APA/sda) - Der Schweizer Bauchemie- und Klebestoffhersteller Sika ist im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Vor der umstrittenen Übe...

Baar (APA/sda) - Der Schweizer Bauchemie- und Klebestoffhersteller Sika ist im vergangenen Jahr deutlich gewachsen. Vor der umstrittenen Übernahme durch den französischen Konkurrenten Saint-Gobain kann das Management mit einem Rekordumsatz punkten.

Sika steigerte den Umsatz 2014 um 13 Prozent auf 5,57 Mrd. Franken (4,6 Mrd. Euro). Ohne die negativen Währungseffekte von -4,7 Prozent wäre das Resultat noch besser. Das Wachstum sei in allen Bereichen höher ausgefallen als erwartet, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Sämtliche Regionen erzielten Umsatzrekorde. Das Wachstum lag in Lateinamerika (+15,9 Prozent) erneut am höchsten, gefolgt von Europa/Naher Osten/Afrika (+13,3 Prozent), der Region Asien/Pazifik (+12,8 Prozent) und Nordamerika (+7,9 Prozent).

Das Umsatzplus in den Schwellenländern betrug 15,2 Prozent. Der Auf- und Ausbau der Wachstumsmärkte wurde auch 2014 vorangetrieben. So nahm Sika etwa in Brasilien, Mexiko, Indonesien, Singapur, Indien und Serbien neue Fabriken in Betrieb.

Auch in den USA wurden zwei zusätzliche Werke eröffnet. Weiter gründete Sika sechs neuen Ländergesellschaften in Sri Lanka, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Mosambik, Elfenbeinküste und Nigeria.

Sika rechnet für das Gesamtjahr mit einem Betriebsgewinn (EBIT) von über 600 Mio. Franken. 2013 war der EBIT bei 344 Mio. gelegen. Die Bilanz für 2014 wird am 27. Februar präsentiert.

Die Aussicht auf einen deutlich höher als erwarteten Gewinn hat die Anleger nach den Aktien von Sika greifen lassen. Der Titel des Bauchemiekonzerns legte am Dienstag bis zum Mittag in einem leichteren Markt um 3,6 Prozent auf 3106 Franken zu.

Auch im vierten Quartal 2014 erhöhte sich der Umsatz im Vergleich zur Vorjahresperiode um 5,1 Prozent, trotz der Querelen rund um die Übernahme durch den französischen Konkurrenten Saint-Gobain.

Im Dezember 2014 war es zum Eklat gekommen, nachdem bekannt geworden war, dass die Erben der Sika-Gründerfamilie Burkard ihr Aktienpaket, das mit einer Stimmenmehrheit verbunden ist, für 2,75 Mrd. Franken an die französische Saint-Gobain verkaufen wollen.

Die Konzernleitung und der Verwaltungsrat um Präsident Paul Hälg lehnen den Kontrollwechsel in der vorgeschlagenen Form ab. Hälg sprach sich im Dezember in einem Interview mit der Westschweizer Zeitung „L‘Agefi“ stattdessen für ein öffentliches Übernahmeangebot durch den französischen Konzern Saint-Gobain aus. Ein Angebot an alle Aktionäre wäre die beste Lösung, sagte Hälg.

Die Erben der Sika-Gründer drücken aufs Tempo, um den Verkauf des Unternehmens an die französische Saint-Gobain voranzutreiben. Weil der Verwaltungsrat bisher noch keine außerordentliche Generalversammlung einberufen hat, soll das Gericht ihn nun dazu zwingen.

Die Schenker-Winkler-Holding (SWH), über welche die Erben-Familie Burkard ihre Anteile hält, hat beim Kantonsgericht Zug ein Gesuch eingereicht, um die Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung der Sika anzuordnen.

Die von der SWH vorgeschlagenen Punkte sehen insbesondere die Abwahl der drei bisherigen Verwaltungsräte Paul Hälg, Monika Ribar und Daniel Sauter vor. Die drei unabhängigen Verwaltungsräte hatten sich gegen den Verkauf der Kontrollmehrheit (52,4 Prozent) an den französischen Saint-Gobain-Konzern ausgesprochen.

In einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AWP am Dienstag forderte Sika-Konzernchef Jan Jenisch die Saint-Gobain-Führung erneut zum Dialog auf.

Zudem solle das französische Unternehmen „das bislang aggressive Vorgehen“ unterlassen. Es könne doch nicht sein, dass gestandene Industriepersönlichkeiten wie Paul Hälg, Monika Ribar und Daniel Sauter wie ungezogene Kinder einfach vor die Tür gestellt und noch juristisch beschuldigt würden, irgendetwas zu verschleppen, wird Jenisch weiter zitiert.

Jenisch bekräftigte zudem seinen Willen zurückzutreten, falls die die Saint-Gobain-Führung an ihrem Businessplan für Sika festhalten wolle.