„Unbroken“

Der japanische Sadist und der amerikanische Held

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In ihrer zweiten Regiearbeit „Unbroken“ erzählt Angelina Jolie von der Erniedrigung der US-Soldaten als Kriegsgefangene in Japan.

Von Peter Angerer

Innsbruck –Nach den kommerziell desaströsen Erfahrungen mit Clint Eastwoods Kriegsfilm „Flags of our Fathers“ (2006), der unter Republikanern einen patriotischen Proteststurm auslöste, war das Kapitel Zweiter Weltkrieg für Hollywood abgeschlossen, doch die Nation benötigt wieder Helden, weshalb Eastwoods Dekonstruktion des amerikanischen Traums und der damit verbundenen Mythen wieder rückgängig gemacht wird. Das Glamour-Paar Brangelina steigt dafür in die Schützengräben der Geschichte. Während Brad Pitt in David Ayers „Herz aus Stahl“ als Panzerkommandant vor Berlin unter Mitnahme von 300 Nazis den Heldentod stirbt, inszeniert Angelina Jolie in ihrer zweiten Regiearbeit einen Langstreckenläufer, der in einem Kriegsgefangenenlager der japanischen Folter trotzt. In beiden Filmen wird nicht wirklich sichtbar, was sie eigentlich erzählen wollen, sieht man einmal davon ab, dass Gott und Moral auf der Seite der amerikanischen Streitkräfte stehen, was bei den folgenden Kriegen in Korea, Vietnam, Afghanistan und Irak nur noch eine zynische Behauptung war.

Zu Engelschören von Ale­xandre Desplat schält sich ein Bombengeschwader auf dem Weg zur Luftschlacht über dem Pazifik aus den Wolken. Louis Zamperini (Jack O’Connell) ist für die Bomben verantwortlich, aber hauptsächlich damit beschäftigt, getroffene Flugzeugteile gerade zu biegen. In solchen Momenten hilft ihm die Erinnerung an die schwierige Jugend in einer italienischen Einwandererfamilie. Auf der Flucht vor der Polizei retten ihn seine flinken Beine. Es ist der ältere Bruder, der aus dem schwachen Charakter mit hartem Training („dem Schmerz folgt der Ruhm“) und Lebensweisheiten („Halte durch, dann kommst du durch“) einen Sieger formt.

Zamperinis Spezialität ist der Endspurt, den er auch 1936 bei der Nazi-Olympiade in Berlin vorführt. Eine Notlandung auf dem Wasser überleben neben dem Sportler nur der gottesfürchtige Pilot Phil (Domhnall Gleeson) und der Bordschütze Mac (Finn Wittrock), der sich im Schlauchboot sofort der Schokolade bemächtigt. Der bislang agnostische Zamperini begibt sich in die Hände Gottes, doch nach 47 Tagen auf dem Meer ist es ein japanisches Kriegsschiff, das sie rettet. Damit beginnt für Zamperini ein Marsch durch die Hölle der Folter, die Jolie als Privatvergnügen des sadistischen Lagerkommandanten Watanabe (Takamasa Ishihara) zeigt. Mit dem Blick des Begehrens erkennt der Offizier in Zamperini neben dem Feind auch den stolzen Sportler und Krieger, der gebrochen werden muss. Die Tortur eröffnet eine raffiniert gebundene Bambuspeitsche. Um seinen Freund Phil zu retten, muss sich der Geschundene von jedem Gefangenen in das Gesicht schlagen lassen, bis es wie das von Jesus in Mel Gibsons „The Passion of Christ“ aussieht. Zuletzt muss Zamperini eine Eisenbahnschwelle über den Kopf halten, ein Augenblick der Schwäche würde seinen Tod bedeuten. Da kennt man längst durch mehrfache Wiederholung das Motto „Halte durch, dann kommst du durch“ und braucht um diesen amerikanischen Helden nicht zu fürchten. Dieses das Kreuzigungsmotiv zitierende Bild wirbt auch auf den Plakaten für Jolies Film und hinterlässt als patriotisches Symbol den bittersten Nachgeschmack.

Den Rest der wahren Geschichte erzählt der Film im Abspann. Zamperini widmete sein Leben nach dem Krieg dem Glauben, verzieh seinen Peinigern und warb für Völkerverständigung, nur gibt es dazu keine Bilder. Unter den fünf Drehbuchautoren werden auch Joel und Ethan Coen genannt. Es wäre interessant, deren Version zu kennen.