Mahnwache für „weltoffenes und tolerantes Deutschland“ in Berlin

Berlin (APA/AFP/dpa/Reuters) - Als Reaktion auf die Anschläge von Paris sind in Berlin Vertreter aus Politik und Religion sowie zahlreiche B...

Berlin (APA/AFP/dpa/Reuters) - Als Reaktion auf die Anschläge von Paris sind in Berlin Vertreter aus Politik und Religion sowie zahlreiche Bürger zu einer Mahnwache zusammengekommen, um gegen islamistische Gewalt und eine Spaltung der Gesellschaft zu demonstrieren.

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck rief zur Einigkeit im Kampf gegen Extremismus und Fremdenfeindlichkeit auf. „Die Terroristen wollen uns spalten“, sagte das Staatsoberhaupt bei der Mahnwache muslimischer Verbände vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Muslime und andere religiöse Minderheiten sowie Zuwanderer seien aber Teil Deutschlands. „Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren“, sagte er laut Redemanuskript. An der Kundgebung nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, weitere Vertreter der Bundesregierung sowie der Bundestagsparteien teil.

Der Zentralrat der Muslime und die Türkische Gemeinde Berlin (TGB) hatten zu der Kundgebung aufgerufen und die Morde in Paris verurteilt. Vergangene Woche waren Extremisten in die Redaktionsräume der Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ gestürmt und hatten zehn Redakteure und Zeichner erschossen sowie zwei Polizisten. Die Zeitung ist unter anderem wegen ihrer Mohammed-Karikaturen bekannt.

„Die Terroristen haben nicht gesiegt. Und die Terroristen werden auch in Zukunft nicht siegen“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, bei der Mahnwache. Das Motto der Veranstaltung lautete „Für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland und für Meinungs- und Religionsfreiheit“.

Zwei muslimische Geistliche lasen auf arabisch und deutsch Koranverse vor. „Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne dass es einen Mord begangen oder auf der Erde Unheil gestiftet hat, so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte. Und wer es am Leben erhält, so ist es, als ob er alle Menschen am Leben erhält“, heißt es in der 5. Sure.

Mazyek verurteilte die islamistischen Attentate in Paris mit 17 Todesopfern scharf. „Die Terroristen wollten den Propheten retten, nein, sie haben mit ihrer Tat die größte Gotteslästerung begangen“, sagte er. „Die Täter haben den Islam mit ihrem fürchterlichen Akt verraten und in den Schmutz gezogen.“

Mazyek erklärte sich mit den getöteten Mitgliedern der Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“, den in einem Supermarkt getöteten Juden sowie den ums Leben gekommenen Polizisten solidarisch. „Wir werden es nicht zulassen, dass unser Glaube missbraucht wird“, sagte Mazyek auf dem Pariser Platz, auf dem sich mehrere tausend Menschen versammelt hatten.