Jüngster EU-Abgeordneter: Zunahme von Jungpolitikern „kein Zufall“
Straßburg/Wien (APA) - Statt der Opas werden heute die Enkel nach Europa geschickt. Im EU-Parlament haben Jungpolitiker Hochkonjunktur, und ...
Straßburg/Wien (APA) - Statt der Opas werden heute die Enkel nach Europa geschickt. Im EU-Parlament haben Jungpolitiker Hochkonjunktur, und der Bulgare Andrej Nowakow hat den Altersdurchschnitt noch einmal gedrückt. Seit Dezember der jüngste EU-Abgeordnete, verspricht der 26-Jährige im APA-Gespräch eine „moderne“ und „mutige“ Politik. Es sei „kein Zufall“, dass europaweit der Trend zu jüngeren Politikern gehe.
Der Politiker der konservativen „Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens“ (GERB) ist im Dezember im Zuge der bulgarischen Regierungsbildung ins Europaparlament nachgerückt. Mit seinem „Vorgänger“ als jüngstem Abgeordneten repräsentiert er die ganze Bandbreite der Europapolitik. Während nämlich der dänische Rechtspopulist Anders Primdahl Vistisen (27) für einen Stopp der EU-Integration eintritt, sieht Nowakow die EU erst „auf dem Weg zu einem echten Binnenmarkt, flankiert durch eine Bankenunion und einem gemeinsamen Energiemarkt“.
Nowakow war gerade einmal ein Jahr alt, als Ende 1989 das kommunistische Regime in seiner Heimat zusammenbrach. „Ich erinnere mich noch gut an die Gesichter der Menschen, die sich Anfang der 1990er-Jahre um Brot und andere Alltagsgüter anstellten.“ Die EU sieht er als „Problemlöser“ für seine Heimat, nicht nur wegen der milliardenschweren Fördermittel, sondern insbesondere wegen der Reformimpulse. „Die EU hat mir und meinen Altersgenossen die Chancen und die Freiheit gegeben, die wir heute genießen können.“
„Es ist falsch zu denken, dass die jungen Menschen apolitisch sind“, betont Nowakow, der im Wahlkampf stark auf den Einsatz sozialer Medien wie Facebook setzte. Viele junge Menschen seien an Fragen wie Umwelt, Arbeit oder der Lösung von internationalen Konflikten interessiert, doch sie würden andere Kanäle zur politischen Beteiligung nützen.
Nowakow weist darauf hin, dass viele seiner Kollegen im Europaparlament jünger als 40 Jahre seien. „Es ist kein Zufall, dass immer mehr junge Menschen auf verantwortungsvolle Posten gewählt werden, sowohl in Bulgarien als auch in der EU.“ Diese Generation habe andere Ansichten als jene, die während des Kalten Krieges aufgewachsen sei. „Einer der großen Vorteile der späteren Generationen ist, dass wir alt genug sind, um über diese Ereignisse Bescheid zu wissen, aber jung genug, um nicht von ihnen belastet zu sein. Es ist Zeit für einen modernen, mutigen und jugendorientierten Zugang zur Politik.“
„Europa sollte pragmatischer sein und aus den Erfahrungen in anderen Teilen der Welt lernen“, betont der bulgarische Jungpolitiker. Die Wirtschaftskrise sei „eine gute Lektion“ für Europa gewesen, indem sie die Notwendigkeit einer Bankenunion und von Reformen innerhalb der einzelnen Mitgliedsstaaten gezeigt habe.
Nichts anfangen kann Nowakow mit der aktuellen Diskussion über die Einschränkung der EU-Personenfreizügigkeit wegen der Sozialmigration aus den ärmeren EU-Staaten wie Bulgarien. Die EU-Grundfreiheiten seien keineswegs für soziale Probleme verantwortlich, sondern hätten im Gegenteil „zu wesentlichem wirtschaftlichen Nutzen in vielen Mitgliedsstaaten geführt“. „Traurig“ ist für ihn, dass euroskeptische und populistische Parteien mit Anti-EU-Parolen auf Stimmenfang gehen. „Europa steht derzeit vor einigen seiner größten Herausforderungen und weitere Spaltungen sind dabei überhaupt nicht hilfreich.“
Insbesondere den britischen Politikern attestiert Nowakow, „mit den Ängsten der Menschen zu spielen, um sich kurzfristig politische Vorteile zu verschaffen“. Die (vom britischen Premier David Cameron) geforderte Einschränkung der Personenfreizügigkeit sei nämlich nicht nur „im Widerspruch zu den grundlegenden Prinzipien, auf denen die EU beruht“, auch sei die Furcht vor Einwanderungswellen aus Bulgarien oder Rumänien gänzlich unbegründet.
(Das Gespräch führte Stefan Vospernik/APA)
~ WEB http://www.europarl.europa.eu/portal/de ~ APA051 2015-01-14/08:00
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