Deutsche Muslime für Freiheit der Kunst, Charlie-Ausgabe vergriffen
Eine Woche nach dem Terroranschlag auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ wurde heute die neue Ausgabe veröffentlicht, deren erste Auflage in Frankreich binnen weniger Stunden vergriffen war. Indes soll der deutsche Verfassungsschutz Medienberichten zufolge eine IS-Drohung gegen Österreich im Internet entdeckt haben. Alle aktuellen Entwicklungen und Hintergründe lesen Sie in unserem News-Blog.
Paris – Eine Woche nach dem Terrorangriff auf die „Charlie Hebdo“-Redaktion ist das französische Satiremagazin am Mittwoch erstmals wieder erschienen. Der Titel zeigt den Propheten Mohammed mit einem Schild in Händen, auf dem steht: „Je suis Charlie.“ Die noch lebenden Macher wollen das Blatt international in einer Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren vertreiben.
An etlichen Pariser Zeitungsständen war die erste Ausgabe des Blattes seit dem Attentat innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Viele Stammkunden hätten sich schon im Vorfeld Exemplare reserviert, berichteten Verkäufer. Ägyptische Islamgelehrte warnten wegen der Mohammed-Karikatur vor einer neuen Welle des Hasses.
Zwei Attentäter hatten vergangenen Mittwoch die Redaktion des Magazins gestürmt und zwölf Menschen erschossen. Der Anschlag war der Auftakt einer fast dreitägigen Terrorwelle im Großraum Paris, bei der fünf weitere Menschen starben.
Alle aktuellen Entwicklungen und Hintergründe nach den Anschlägen von Paris lesen Sie in unserem News-Blog. (Enthält Bild- und Textmaterial von APA/epa/Reuters/dpa/AFP/Imago)
Nach Terrorwelle in Paris: Entwicklungen und Hintergründe
Terror von Paris beschäftigt Deutschen Bundestag
21:46 Uhr
Der Deutsche Bundestag befasst sich am Donnerstag (9.00 Uhr) mit den Konsequenzen aus den Terroranschlägen in Frankreich, bei denen insgesamt 17 Menschen ums Leben gekommen sind. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gibt dazu eine Regierungserklärung ab. In der Debatte werden die Fraktionsvorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien sprechen.
Angesichts islam- und fremdenfeindlicher Demonstrationen in Deutschland hatte sich Merkel mit Nachdruck gegen eine Ausgrenzung muslimischer Mitbürger gewandt. Nach den Terroranschlägen von Paris gelte es, mit allen Mitteln gegen Intoleranz und Gewalt vorzugehen.
Strittig sind unter anderem die sicherheitspolitischen Schritte, die ähnliche Anschläge in Deutschland verhindern helfen sollen. Die Union fordert eine Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, bei der systematisch Telefon- und Internetdaten erfasst werden. Justizminister Heiko Maas (SPD) lehnt dies ab.
200 Vorfälle an Schulen nach Anschlagsserie
17:36 Uhr
Seit der islamistischen Anschlagsserie in Frankreich haben sich in den Schulen des Landes 200 Vorfälle ereignet, bei denen unter anderem die Schweigeminute für die 17 Todesopfer gestört wurde. 40 dieser Vorfälle seien der Polizei oder Justiz gemeldet worden, sagte Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem am Mittwoch im Parlament in Paris.
Sie sprach von "vielen, schweren" Vorfällen während der Schweigeminute am vergangenen Donnerstag. Auch in den Tagen danach kam es zu insgesamt etwa hundert Vorfällen. Manche seien sogar eine "Verherrlichung des Terrorismus" gewesen.
Gemeldet wurden nach Angaben des Bildungsministeriums nur die Vorfälle, die nicht in der Klasse selbst geregelt werden konnten. Die Zahlen gäben daher kein umfassendes Bild "all der Schwierigkeiten", mit denen Lehrer und Schulleiter im Zusammenhang mit den Anschlägen zu kämpfen hatten.
Die Regierung will die Schulen stärker in die Pflicht nehmen, um Grundwerte des französischen Staates wie die Meinungsfreiheit und die Trennung von Staat und Kirche zu vermitteln. Bei der Anschlagsserie von drei Islamisten waren in der vergangenen Woche in und um Paris vor allem Journalisten, Polizisten und Juden getötet worden.
Drohbriefe gegen Brüsseler Kioskbesitzer
17:31 Uhr
Vier Kioskbesitzer in Brüssel sind mit Drohbriefen vor dem Verkauf der neuen Ausgabe des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" gewarnt worden. Wie die belgische Nachrichtenagentur Belga am Mittwoch berichtete, wurden die Schreiben im Stadtteil Jette gefunden. Der Autor der Briefe drohe mit Vergeltungsmaßnahmen.
Die Staatsanwaltschaft nehme die Drohung sehr ernst. Um an Spuren zu gelangen, würden alle technischen Mittel genutzt und Bilder von Überwachungskameras ausgewertet.
Die neue Ausgabe des Satiremagazins "Charlie Hebdo" ist in Belgien von Donnerstag an erhältlich.
Islamische Gelehrte in Kairo loben Merkel-Rede
16:27 Uhr
Islamische Gelehrte der anerkannten Azhar-Universität in Kairo danken Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihre Einschätzung, der Islam gehöre zu Deutschland. Der Satz sei ein Zeichen für friedliche Koexistenz, kommentierten die Gelehrten in einer heute veröffentlichten Erklärung.
Terror dürfe nicht missbraucht werden, "um die verschiedenen Religionen auszugrenzen", hieß es mit Blick auf die Ereignisse in Paris vergangene Woche.
Internet-Sperre für "Charlie Hebdo" in Türkei
15:54 Uhr
Ein Gericht in der Türkei hat die Sperrung von Internetseiten angeordnet, die das Titelbild der neuen Ausgabe von "Charlie Hebdo" zeigen. "Es wurde entschieden, den Zugang zu relevanten Sektionen von Internetseiten, die heute die Titelseite von 'Charlie Hebdo' zeigen, zu blockieren", erklärte das Gericht laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu.
Französischer Komiker Dieudonne festgenommen
15:52 Uhr