Mit Klasse und Charakter punkten
Österreichs Handball-Nationalteam startet morgen (17 Uhr/ORF Sport plus) gegen Gruppenfavorit Kroatien in die WM in Katar. In der Truppe um Teamchef Patrekur Johannesson steckt viel Potenzial.
Von Alex Gruber
Innsbruck –Großereignisse sind für die ÖHB-Auswahl nach der EM 2014 in Dänemark oder der WM 2011 in Schweden in den vergangenen Jahren fast schon zur Routine geworden. Das Zauberwort am anvisierten Weg ins Achtelfinale lautet zunächst in Gruppe B Konstanz. Im 18-Mann-Kader machen sich viele erfolgversprechende Bausteine aus.
F wie Flügelzange: Österreich, so Patrekur Johannesson, wolle in Katar auch über schnelle Gegenstöße punkten. Und da wird in erster Linie gleich der Blick auf die geniale rotweißrote Flügelzange fällig: Der 29-jährige Robert Weber führt gegenwärtig im Dress des SC Magdeburg mit 159 Treffern (Schnitt pro Partie 7,6) die Schützenliste in der deutschen Handball-Liga an. Kollege und „Gummi-Mensch“ Raul Santos, der über den linken Flügel kommt, folgt beim VfL Gummersbach mit stolzen 150 Toren.
I wie Isländer: Mit denen sind die Österreicher am Teamchefposten in den letzten Jahren stets gut gefahren. Patrekur Johannesson macht sich nach Dagur Sigurdsson als genauso besessener wie akribischer Arbeiter aus, der stets nach Höherem strebt. Ein positiv Verrückter, der auch in den Auftakt gegen Kroatien (Ex-Weltmeister und zweifacher Olympiasieger) geht, um zu gewinnen. Wer sich als letzten Testspielgegner den amtierenden Europameister (Frankreich) aussucht, signalisiert Furchtlosigkeit.
Rwie Routine: Vor Torhüter Nikola Marinovic, der mit dem Team auch mit 38 Jahren eine Partie gewinnen kann, stehen im Aufbau mit Kapitän Viktor Szilagyi (36) und Vytautas Ziura (35) zwei erfahrene Veteranen. Welche Nation kann von sich behaupten, (einen) Spieler zu stellen, der wie Szilagyi schon jeden Europacup-Bewerb gewonnen hat. Und auf das „Kampfschwein“ Ziura wird sich wohl auch kaum ein Gegner freuen. Roland Schlinger kann auch aus dem Rückraum bomben.
M wie Mischung: „Man kann jenes Team, das 2011 bei der WM gespielt hat, nicht mit dem jetzigen vergleichen“, sagt Szilagyi. In der Zeit nach Patrick Fölser oder Konrad Wilczynski tut sich aber vor allem in der Spielfeldmitte einiges an Nachwuchs hervor: Die Hermann-Brüder (Ex-HIT-Akteur Max und Alex) sind herangereift, mit Nikola Bilyk („MVP“ der Jugend-EM 2014) kündigt sich einer an, der ein Großer werden könnte. Der Kader scheint mit Klasse und Charakter in der Breite zu glänzen, was in einer ausgeglichenen Gruppe – Bosnien hat z. B. in der EM-Quali eine Handball-Großmacht wie Island eliminiert – nicht schaden kann.
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