„Charlie Hebdo“ - Deutsche Muslime: Müssen Karikaturen aushalten

Berlin (APA/Reuters) - Der Zentralrat der Muslime in Deutschland verteidigt die neuen Karikaturen der Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ und for...

Berlin (APA/Reuters) - Der Zentralrat der Muslime in Deutschland verteidigt die neuen Karikaturen der Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ und fordert eine Debatte über die Grenzen zwischen Meinungs- und Religionsfreiheit. Die Muslime hätten ihre Haltung sehr klar gemacht: Auch wenn sie mit den Karikaturen nicht einverstanden sind, müssen diese toleriert werden“, sagte Nurhan Soykan am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

„Niemand hat erwartet, dass es nun keine islamkritischen Karikaturen mehr geben wird. Ganz im Gegenteil: Dafür sind wir ja auf die Straße gegangen, um zu zeigen, dass dies auch weiter möglich sein muss - auch wenn wir dadurch schwer gekränkt sind und unsere religiösen Gefühle verletzt,“ so die Generalsekretärin des Zentralrats, Soykan. Die Muslime hätten ein klares Bekenntnis zur Demokratie abgegeben - dies gelte auch weiterhin.

Soykan reagierte auf die neue Ausgabe von „Charlie Hebdo“, deren erste Ausgabe nach dem Anschlag vergangene Woche erneut eine Mohammed-Karikatur auf dem Titelblatt zeigt. „Wir müssen eine gesellschaftliche Debatte anstoßen, wo die Grenze zwischen Meinungs- und Religionsfreiheit verlaufen sollte“, sagte Soykan. In anderen Ländern würden religiöse Gefühle stärker geschützt als dies in Europa der Fall sei.

„Ich wäre dafür, wenn man den Blasphemieparagrafen in Deutschland verschärft“, sagte sie. „Gerichte haben in Deutschland bisher nicht sehr muslimfreundlich entschieden, sich eher auf die Seite der Meinungsfreiheit gestellt.“ So habe der Zentralrat der Muslime etwa Strafanzeige erstattet, als die rechten Gruppierungen Pro-NRW und Pro-Köln Mohammed-Karikaturen vor Moscheen gezeigt hatten. „Entschieden wurde aber, dass der rechtliche Rahmen dies zulässt.“

Sie würde sich freuen, wenn die gesellschaftlichen Anstrengungen „in Richtung Frieden und Zusammenarbeit“ gingen, sagte die Generalsekretärin. „Genauso richtig ist doch, Hassprediger und ihre ‚Meinungsfreiheit‘ einzuschränken, um die Sicherheit und das friedliche Zusammenleben in Deutschland zu stärken. Das sollte man auch in die andere Richtung überlegen.“ Man müsse miteinander klären, wo die Grenzen in der deutschen Gesellschaft verlaufen sollten.

Ihr sei aber wichtig, dass sie und der Zentralrat nun nicht zuerst gerichtliche oder gesetzliche Schritte forderten, sagte Soykan. „Wir sollten eine gesellschaftliche Auseinandersetzung darüber führen, wo die Grenzen sind. Das ist der richtige Weg.“