TT-Ombudsmann

Vollbremsung von Bus endete für Schülerin mit Kieferbruch

Mit einem zweiteiligen Buszug dieser Art trug sich der Vorfall in Wattens zu. Im Anhänger wurden zwei Schülerinnen, die stehend befördert wurden, erheblich verletzt.
© ÖBB-Postbus, iStock

Zu den Spitzenzeiten sind Tirols Linienbusse überfüllt. Schüler und andere Fahrgäste müssen stehen. Das kann fatale Folgen haben, wie sich bei einem Zwischenfall in Wattens gezeigt hat.

Von Markus Schramek

Innsbruck –Im Krankenhaus – und das direkt vor Weihnachten: So endete die Heimfahrt einer Schülerin mit dem Postbus am 22. Dezember.

Die Gymnasiastin befand sich im Anhänger eines Buszuges. Ein solcher besteht aus dem eigentlichen Bus und einem Personenanhänger. In Wattens musste der Busfahrer eine Vollbremsung hinlegen, weil vor ihm ein Pkw abrupt abgebremst hatte.

Für die Erstklasslerin am Busende war das fatal. Sie war gestanden und wurde durch die Kraft der heftigen Bremsung quer durch den Anhänger geschleudert. Das Mädchen erlitt einen Kieferbruch und einen weiteren Knochenbruch. Auch eine zweite Schülerin wurde verletzt: Gehirnerschütterung, gelockerte Zähne.

Die beiden Verletzten sind Schülerinnen des Schwazer Gymnasiums Paulinum. Dessen Direktor Kurt Leitl ist sich bewusst, „dass ein Unfall immer passieren kann“. Empört ist der Schulleiter über den Busfahrer. Dieser habe sich nicht um die Verunfallten gekümmert, sondern sei einfach weitergefahren.

Ein schwerer Vorwurf, mit dem die TT die ÖBB-Postbus GmbH konfrontiert hat. Unternehmenssprecher René Zumtobel nimmt den Lenker in Schutz. Dieser habe gar nicht mitbekommen, dass im Anhänger Schülerinnen zu Sturz gekommen seien. Der Fahrer habe erst davon erfahren, als ihn die Polizei deswegen sprechen wollte.

„Der Lenker bedauert den Vorfall außerordentlich“, betont Zumtobel. Und: „Er wäre keinesfalls weitergefahren, wenn er bemerkt hätte, dass sich jemand verletzt hat.“

Der Zwischenfall im Postbus untermauert eine bekannte Problematik: Die Sitzplätze in den Bussen sind für die vielen beförderten Schüler zu Spitzenzeiten bei Weitem nicht ausreichend.

Direktor Leitl ist selbst in einem solchen Bus mitgefahren. Sein Befund: „Es werden zwar Busse zur Verstärkung eingesetzt, doch die Fahrzeuge sind randvoll. Viele Schüler müssen stehen.“

Im Kraftfahrgesetz findet das Deckung. Dieses ist so formuliert, dass möglichst viele Personen in einem Linienbus transportiert werden dürfen. Bei der Festlegung der erlaubten Passagierzahlen sind nämlich „drei Kinder unter 14 Jahren als zwei Personen zu zählen“ (§ 106).

Auch eine Gurtenpflicht gibt es im Linienverkehr nicht. Dies, obwohl Busse außerhalb des Ortsgebietes 80 km/h fahren dürfen, Buszüge mit Personenanhänger immerhin noch 70 km/h. Dass heftiges Bremsen bei solchen Geschwindigkeiten für die – oft stehenden – Passagiere Folgen haben kann, scheint nicht verwunderlich.

Zumtobel begründet die fehlende Gurtenpflicht mit der Unmöglichkeit, eine solche auch zu kontrollieren. „Es steigt ständig jemand ein oder aus, der Busfahrer könnte das nicht überprüfen.“ Überdies seien die zurückgelegten Distanzen je Passagier meist kurz und die Fahrgeschwindigkeit wegen der vielen Stopps gering.

380 Busse sind in Tirol an einem Schultag im Einsatz. Mehr Gerät einzusetzen, würde mehr kosten. Und hier ist die Politik am Zug.

LHStv. Ingrid Felipe, zuständig für Tirols öffentlichen Verkehr, bedauert den Vorfall im Busanhänger. Sie verweist aber darauf, dass das Angebot auf überlasteten Strecken, auch zwischen Wattens und Schwaz, zu Schulbeginn erweitert worden sei. Eine Sitzplatzgarantie für alle Fahrgäste sei aber nicht umsetzbar. Eltern und Schüler sollten den Verkehrsverbund Tirol (VVT) und in Innsbruck die IVB über Bus-Engpässe informieren, sagt Felipe.

Zumtobel blickt nach Salzburg. Dort wird überlegt, den Schulbeginn zeitlich zu staffeln. So würden nicht mehr derart viele Schüler gleichzeitig zu den Bussen strömen.