Fendrich wird 60: „Alle Entscheidungen aus dem Bauch getroffen“ 1

Wien (APA) - Rainhard Fendrich hat den Austropop entscheidend mitgeprägt, mit „I Am From Austria“ einen der ganz großen heimischen Hits abge...

Wien (APA) - Rainhard Fendrich hat den Austropop entscheidend mitgeprägt, mit „I Am From Austria“ einen der ganz großen heimischen Hits abgeliefert und auch als Schauspieler und TV-Moderator („Herzblatt“) Erfolge gefeiert. Am 27. Februar wird der Wiener 60 Jahre alt. Über seinen Werdegang sagte der Entertainer im Interview mit der APA: „Ich hab meine Entscheidungen immer aus dem Bauch getroffen.“

Das gelte auch für die Zusammenstellung des neue Albums „Auf den zweiten Blick“ (Sony Music). Plattenfirmen bringen zu Jubiläen ihrer Künstler gerne diverse Werkschauen heraus. Dem wollte Fendrich zuvorkommen, darum hat er zurückgeblickt und Lieder aus seinem Schaffen ausgesucht, „die im Schatten von Hits gestanden sind“, und mit seiner derzeitigen Band neu eingespielt. „Das sind Lieder, die mich berührt und teilweise auch verwundert haben, was ein 28-jähriger Fendrich im Kopf hatte. Es war eine interessante Zeitreise“, meinte der Sänger.

Dass er seinen Sechziger nicht ignorieren kann, sei ihm klar gewesen: „Du kommst nicht herum, dich dazu zu äußern. Ich habe kein Problem damit, aber Geburtstagsfeste nie gemocht. Geschenke schon, aber die Küsse der Verwandtschaft nicht.“ Vom Verdrängen halte er allerdings gar nichts, sagte Fendrich: „Man muss irgendwann erkennen, dass man die Hälfte seines Lebens überschritten hat. 120 möchte ich gar nicht werden! Altern ist ein Prozess, den jeder individuell erleben muss. Wir werden alle irgendwann einmal alt. Es ist nur die Frage, ob man altert im Kopf oder reift.“

Fendrich hat seine Schulzeit in einem katholischen Internat verbracht. „Ich bin in der Zeit mit der schönsten Musik der Welt groß geworden“, betonte er. „Wir hatten im Internat einen kleinen Plattenspieler, jedes Album der Beatles wurde erwartet. Wir sind mit einem unglaublichen Naheverhältnis zur Musik aufgewachsen. Die Hollies, Sweet, T-Rex - das war unglaublich! Und mit all diesen Einflüssen habe ich mein ersten Schritte gemacht.“

Als weitere große Einflüsse zählte Fendrich „Gerhard Bronner, Peter Wehle und das, was aus dem Radio meiner Großmutter gekommen ist“ auf. Und Helmut Qualtinger bzw. Georg Kreisler: „‘Bitte erschieß deinen Gatten‘ oder ‚Tauben vergiften im Park‘ sind eigentlich böse Lieder, die aber heiter wirken. Die lustigen Lieder, die ich geschrieben habe, haben auch einen ernsten Hintergrund. Ich konnte die Dinge immer besser vermitteln, wenn man darüber lacht.“

Bevor Fendrich mit „Zweierbeziehung“ und vor allem „Strada del Sole“ 1981 in Österreich sowie mit „Macho Macho“ (1988) in Deutschland den großen Durchbruch als Musiker schaffte, spielte er Anfang der Achtziger Theater und Musical in Wien. „Ich hatte keinen Lebensplan. Ich war ein armer Hund und froh, endlich Geld zu verdienen. Zuvor arbeitete ich als Statist für eine Filmfirma, ich stand für 50 Schilling am Tag und eine warme Suppe stundenlang als Soldat kostümiert im Schnee. Über die Chance am Theater war ich froh. Eigentlich ging es mir da gar nicht um die Kunst, sondern dass ich mir plötzlich eine Wohnung und ein Auto leisten konnte.“

Irgendwann habe er dann bemerkt, dass seine eigenen Lieder ankamen. Doch nach den ersten Hits stellte sich „relativ rasch eine absolute Krise“ ein: „Ich hatte vorher nichts. Dann wohnte ich plötzlich in einem Haus und besaß einen Mercedes. Ich hab zwar immer ausgeschaut, wie wenn der Bua mit dem Auto vom Papa fährt, aber ich hatte mir einen gewissen Wohlstand erarbeitet. Und dann kam die Angst, dass mir nichts mehr einfällt, dass das alles wieder weg ist.“

Mittlerweile hat sich Fendrich mit Höhen und Tiefen abgefunden. „Natürlich geht eine Karriere rauf und runter“, betonte er. „Man könnte auch sagen, meine Karriere ist jetzt vorbei, weil ich mit meiner Musik nicht mehr in Formate hineinpasse. Das ärgert zuerst, aber ich werde sicher nicht auf die Straße gehen und demonstrieren, dass man mich im Radio spielt. Dazu bin ich zu stolz. Ich habe mir zum Glück ein Publikum erarbeitet, das mir treu bleibt. Und eigentlich habe ich nie in Formate gepasst. Für Schlager waren die Texte zu wenig belanglos, für Rockmusik war ich zu soft. Wenn ich Franzose wäre, wäre ich Chansonnier, aber das gibt es halt hier nicht.“