Afrika-Cup

Afrika-Cup als Werbetrommel für einen Despoten

2012 sicherte sich Sambia den Sieg beim Afrika-Cup. Die Kontinentalmeisterschaft kehrt heuer nach Äquatorialguinea zurück.
© EPA

Der Afrika-Cup 2015 geht ab Samstag in Äquatorialguinea über die Bühne. In einem der korruptesten Länder der Welt, in dem über die Hälfte der Bevölkerung weder über sauberes Wasser noch über Sanitär-Anlagen verfügt.

Malabo – In der Liste der korruptesten Länder Afrikas nimmt Äquatorialguinea einen der führenden Plätze ein. Doch den afrikanischen Fußball-Kontinentalverband CAF scheinen die undemokratischen Zustände und Menschenrechtsverletzungen in dem winzigen Staat an der westafrikanischen Küste nicht zu stören, gab er dem Ölland doch bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren den Zuschlag für den Afrika-Cup.

Ursprünglich sollte Marokko als Gastgeber fungieren. Das Land pochte jedoch wegen der Ebola-Epidemie, die Teile Westafrikas erschüttert, auf eine Verlegung des Turniers um ein Jahr. Die Regierung befürchtete, dass Fans das Virus ins Land einschleppen könnten.

Marokko für drei Turniere gesperrt

Von einer Absage des Afrika-Cups wollte die CAF aber nichts wissen. Prompt verbot sie Marokko die Teilnahme und sperrte das Land auch für die kommenden beiden Turniere. „Wenn wir dieses Event verschieben, wäre das tödlich für Afrikas Fußball“, begründete CAF-Präsident Issa Hayatou die Entscheidung. „57 Jahre lang haben wir dieses Haus gebaut, das heute der Stolz aller Afrikaner ist.“

Tatsächlich sind die meisten Menschen auf dem Kontinent völlig fußballverrückt. Selbst die, die kaum genug zu essen und zum Leben haben, verfolgen wichtige Spiele vor den knatternden Fernsehern der Bars.

Dennoch fand sich zunächst kein Land, das die Gastgeberrolle übernehmen wollte. Die CAF teilte zwar mit, „ein paar“ Staaten hätten Interesse an der Ausrichtung bekundet, aber Namen nannte der Verband nicht. Da kam die Zusage aus Äquatorialguinea wie gerufen, stellt es doch alle beteiligten Seiten zufrieden. Denn eigentlich war das Land im Juli von der Meisterschaft ausgeschlossen worden, weil die Nationalmannschaft bei der Qualifikation einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt hatte. Nun darf das Team doch mitkicken. Stadien gibt es auch, weil Äquatorialguinea das Turnier bereits 2012 zusammen mit Gabun ausgerichtet hatte.

Bleibt die Frage nach den ethischen Grundsätzen: Präsident Teodoro Obiang Nguema hatte sich 1979 an die Macht geputscht und ist somit sogar länger Staatschef als Simbabwes Langzeitherrscher Robert Mugabe. Menschenrechtsorganisationen werfen dem 72-jährigen Obiang und seinen Vertrauten unter anderem massive Korruption und Unterdrückung vor.

Kritik von Human Rights Watch

Lisa Misol, Expertin von „Human Rights Watch“, kommentierte nach der CAF-Entscheidung: „Die Situation im Land ist genauso schlecht - und in mancher Hinsicht sogar schlechter - als beim Turnier 2012. Wer hinter die glänzenden neuen Konstruktionen in der Nähe der Stadien blickt, wird bemerken, dass fast die Hälfte der Bevölkerung nicht über sauberes Wasser und einfache sanitäre Anlagen verfügt.“

Auch das Schulsystem und die Gesundheitsversorgung sind schlecht. Schätzungen zufolge sterben 20 Prozent der Kinder, bevor sie fünf Jahre alt werden. Politische Gegner werden verhaftet und gefoltert, die Presse und die Meinungsfreiheit weitgehend unterdrückt.

Obiang, seine Familie und die Regierung schwelgen unterdessen in purem Luxus, den sie sich durch Veruntreuung und massive Öleinnahmen gesichert haben sollen. Schließlich ist Äquatorialguinea nach Nigeria und Angola der drittgrößte Ölproduzent des Kontinents.

Das staatliche Pressebüro bezeichnete die internationale Kritik als „absurde Anschuldigung“. Obiang brauche keine Werbung, seine Leistungen sprächen für sich, hieß es. Zudem würden alle nötigen Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass Besucher Ebola ins Land bringen. (APA)

Afrika-Cup 2015 - Zahlen, Daten, Fakten

Gruppen-Einteilung (Top 2 im Viertelfinale):

Gruppe A: Äquatorialguinea, Burkina Faso, Gabun, Kongo

Gruppe B: Sambia, Tunesien, Kap Verde, DR Kongo

Gruppe C: Ghana, Algerien, Südafrika, Senegal

Gruppe D: Elfenbeinküste, Mali, Kamerun, Guinea

Spielorte:

Bata (u.a. Eröffnungsspiel, Finale), Malabo, Mongomo, Ebebiyin

Spielplan:

Gruppenspiele vom 17. bis 28. Jänner

Viertelfinali am 31. und 1. Februar

Halbfinali am 4. und 5. Februar

Spiel um Platz drei am 7. Februar

Endspiel am 8. Februar

Rekordsieger:

7x Ägypten (1957,1959,1986,1998,2006,2008,2010)

4x Ghana (1963,1965,1978,1982), Kamerun (1984,1988,2000,2002)

3x Nigeria (1980,1994,2013)