Kleinschulen: Gemeindebund gegen Mindestgrößen

Wien (APA) - Gemeindebundchef Helmut Mödlhammer (ÖVP) hält „überhaupt nichts“ von einer österreichweiten Festlegung von Mindestschülerzahlen...

Wien (APA) - Gemeindebundchef Helmut Mödlhammer (ÖVP) hält „überhaupt nichts“ von einer österreichweiten Festlegung von Mindestschülerzahlen für Schulen. „Es kann nicht im fernen Wien entschieden werden, was im Kleinen Walsertal oder in Osttirol passiert“, so Mödlhammer im Online-“Standard“. Auch Länder-Vertreterinnen warnten vor „Zentralbürokratie“ und „wiennaher Bildungspolitik“.

„Die Schulerhalter sind die Gemeinden, deshalb hat die Ministerin damit eigentlich überhaupt nichts zu tun. Sie sollte sich mehr um die Bundesschulen kümmern“, meinte Mödlhammer. Kleinschulen seien nicht die Kostentreiber. „Sie wirtschaften sehr kostengünstig und gut.“ In der Reduktion der Schulverwaltung sei viel mehr Geld drinnen als bei „den paar Lehrern, die man so einsparen könnte und die sehr gute Arbeit in Kleinschulen leisten“.

Auch die Tiroler Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) sprach sich gegenüber der APA vehement gegen die Pläne der Bildungsministerin aus. „Pflichtschulen sind Landessache. Tirol wird sich nicht die Zahl der Schüler vorschreiben lassen“, erklärte die Landesrätin. Man könne Wiener Verhältnisse nicht auf die topografische Situation des Bundeslandes übertragen. Dies gelte auch für die angedachte Mindestanzahl von rund 300 Schülern pro Schule in der Sekundarstufe. Diese würden derzeit nur drei NMS in Tirol erfüllen.

Ähnlich ihr oberösterreichisches Pendant: „Es ist erschreckend, wie weit sich die Wiener Zentralbürokratie bereits von den Menschen entfernt hat“, so Doris Hummer (ÖVP) in einer Aussendung. Eine Mindestgröße von 300 Schülern würde bedeuten, dass im Bundesland „sage und schreibe 90 Prozent aller Haupt- und Neuen Mittelschulen betroffen wären“. Hummer sprach sich erneut dafür aus, dass Wien alle Bildungsinhalte und -standards festlege und die Länder Fragen der Organisation, des Personals und des Schulbaues regeln sollten. Der Vorschlag der Ministerin hingegen würde zu einer „Massenschließung“ und einer Errichtung von Großkomplexen führen, kritisierte sie.

„Die Aussagen der Bildungsministerin beweisen einmal mehr, dass die Schulverwaltung in den Händen der Länder besser aufgehoben wäre“, meinte auch die niederösterreichische Bildungslandesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) in einer Aussendung. Schulzusammenlegungen würden auch für die Kommunen in ihrer Funktion als Schulerhalter finanzielle Belastungen mit sich bringen: „Diese wiennahe Bildungspolitik entspringt dem Zentralismus am Reißbrett, ohne Rücksicht auf die regionalen Gegebenheiten in Österreich und vergisst die Wichtigkeit von Kindern und SchülerInnen in kleinen Gemeinden.“