Verkehr

Lebensretterin Leitplanke und ihre Kehrseite

Anpralldämpfer wie hier bei der Ausfahrt Telfs-West sind eine Möglichkeit, die Anfangsstücke von Leitplanken sicherer zu machen.
© Mair

Leitplanken sollen Fahrzeuge auf der Fahrbahn halten. Ansteigende Anfangsstücke können jedoch auch zur Abschussrampe werden.

Innsbruck –Unfälle, bei denen Autos auf ansteigende Leitplanken fahren und dann regelrecht durch die Luft katapultiert werden, enden oft tragisch. Zuletzt geriet in Tirol Anfang Jänner bei der Autobahnauffahrt Matrei am Brenner ein 34-jähriger Lenker auf die Leitplanke, hob mit dem Auto ab und wurde gegen einen Betonsockel geschleudert, die TT berichtete. Der Autofahrer überlebte den Unfall nicht.

Die Frage der Sicherheitsstandards nach derartigen Ereignissen beschäftigt nicht nur die Öffentlichkeit – wie ein Leserbrief zeigte –, sondern auch die Behörden, die Exekutive und den Straßenerhalter (Asfinag).

„Wir sind bemüht, bauliche Fallen zu entschärfen“, erklärt Bernhard Knapp, Leiter der Verkehrsabteilung des Landes. „Im konkreten Fall haben wir bereits mit der Asfinag Kontakt aufgenommen, um das zu thematisieren“, sagt Knapp.“ Es gehe darum, zu schauen, ob man aus technischer Sicht bessere Lösungen finden kann, meint Knapp.

Man sei laufend auf der Suche nach Verbesserungen und handle auch dort, wo der Bedarf erkannt wird, erklärt Asfinag-Pressesprecher Alexander Holzedl. „Seit 2011 flossen in die Verbesserung und Optimierung der Leitschienen und Anpralldämpfer alleine auf Tirols Autobahnen und Schnellstraßen über 3,2 Millionen Euro – zusätzlich zu den Investitionen in Maßnahmen wie etwa Sanierungen oder in die Erhöhung der Tunnelsicherheit“, rechnet Holzedl vor. Der Rückgang von Unfallzahlen und getöteten Personen zeige, dass diese Maßnahmen ihr Ziel erreichen, sagt der Asfinag-Pressesprecher. 2014 kamen auf Tirols Autobahnen und Schnellstraßen zwei Personen ums Leben, 2012 waren es laut Holzedl fünf Tote, 2013 drei tödliche Unfälle. „Klar ist aber auch, dass jeder Unfall einer zu viel und ein tragisches Unglück ist.“

Was konkret die ansteigenden Leitplanken betrifft, so habe man in den vergangenen Jahren zahlreiche potenzielle Gefahrenstellen entschärft, erklärt Martin Kirchmair, Leiter der Abteilung für Erhaltung und Bestandsmanagement bei der Asfinag. Einerseits versuche man, ansteigende Leitplanken so in Böschungen zu verziehen, dass ein direktes Auffahren gar nicht mehr möglich sei. Wo das Gelände diese Möglichkeit nicht zulässt, kommen entweder so genannte Terminals oder Anpralldämpfer zum Einsatz. Beide Elemente sollen im Falle eines Aufpralls die Energie absorbieren und dadurch die Fahrzeuginsassen entlasten.

Weiters arbeite man daran, die Leitplanken auf der Autobahn durchgängig zu führen, also vorhandene Lücken zu schließen und damit Anfangs- und Endstücke zu reduzieren.

Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit bestätigt auf Nachfrage der TT die hohen Sicherheitsstandards auf den heimischen Autobahnen und attestiert dem Straßenerhalter, vorbildlich zu handeln. „Gerade auf Autobahnen und Schnellstraßen ist im Bereich Sicherheit und Leitplanken sehr viel unternommen worden“, sagt Robatsch. (np, kaz)