Justiz und Kriminalität

Plansee-Spion war rechtskräftig kein Spion

Von Reinhard Fellner...

Von Reinhard Fellner

Innsbruck –Als „Plansee-Spion“ geisterte ein bis vorgestern fortgesetzt verfolgter 56-jähriger Ex-Mitarbeiter und Chemieprofessor durch Tirol. Zu Unrecht.

Trotz spektakulärer Verhaftung am Innsbrucker Flughafen im Jahr 2006 und Verurteilung wegen Auskundschaftung eines Betriebsgeheimnisses für das Ausland im Jahr 2007 konnte der Fall von Betriebsspionage nämlich nie erwiesen werden. Nach neun Richtern erhob das Landesgericht diesen August abschließend die Umstände um weitergegebene Machbarkeitsstudien rund um die Themen Schmieden, Pressen und Legierungen.

Der Plansee-Anwalt dazu: „Dies war eine von langer Hand geplante Betriebsspionage!“ Richterin Martina Kahn urteilte jedoch gegenteilig, dass der Angeklagte wohl die meisten Tabellen und Listen gar nicht für Betriebsgeheimnisse gehalten hatte, und zeigte sich von dessen „überschießender Ehrlichkeit“ überrascht.

Am Mittwoch trat der heute in Russland lebende „Spion“ seinen letzten Gang zur Innsbrucker Justiz an und wurde vom Oberlandesgericht endgültig freigesprochen. Die letztmalige Berufung der Plansee-Werke scheiterte, da bis zuletzt kein Schaden nachweisbar war und auch nach fast acht Jahren noch immer nicht geklärt war, ob die Plansee-Unterlagen überhaupt Betriebsgeheimnisse darstellten. Verteidiger Markus Orgler: „Bei der Verhaftung war noch von 20 Millionen Euro Schaden die Rede, jetzt sind es null Euro – so verdampfen Millionen!“