„Paradiso“-Prozess: Richterin auf Spur von Hypo-Geldern in Thailand

Klagenfurt/Wien (APA) - Im „Paradiso“-Prozess am Landesgericht Klagenfurt hat sich Richterin Ute Lambauer am Donnerstag auf die Suche nach 7...

Klagenfurt/Wien (APA) - Im „Paradiso“-Prozess am Landesgericht Klagenfurt hat sich Richterin Ute Lambauer am Donnerstag auf die Suche nach 7,5 Millionen Euro gemacht. So hoch war die Summe eines Kredits, den die Hypo Alpe Adria Bank einem Sohn und einem Stiefsohn des Künstlers Ernst Fuchs für ein Kunstpark-Projekt in Wien gewährt hatte. Zurückgezahlt wurde das Geld nicht. Ein Teil floss offenbar nach Thailand.

Sieben Angeklagten - den früheren Hypo-Vorständen Wolfgang Kulterer, Günter Striedinger und Gert Xander, einem weiteren Hypo-Manager, Ex-Werber und Ex-FPÖ-Funktionär Gernot Rumpold sowie den beiden Brüdern - wird Untreue vorgeworfen. Den zwei Projektwerbern wird außerdem grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen vorgeworfen. Zu diesem Vorwurf sind die Brüder geständig. Zur Untreue bekennt sich keiner der Angeklagten.

Laut Anklage hatte Rumpold beim verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider für einen Hypo-Kredit interveniert. Der Werber kassierte dafür eine Vermittlungsprovision, außerdem eine Anzahlung auf einen Werbevertrag für den Kunstpark. Das Projekt wurde nie realisiert. Der Bank soll ein Schaden von 7,2 Mio. Euro entstanden sein.

Der ganze zweite Prozesstag war der Einvernahme des angeklagten Fuchs-Sohns gewidmet. Dieser erzählte, die Idee für den Kunstpark sei von seinem Vater gekommen. Er hätte das Projekt gemeinsam mit seinem Halbbruder entwickeln und managen sollen. „Unser Vater wollte seine Kunst zeigen und eine Heimstätte für die Wiener Schule des fantastischen Realismus schaffen“, erklärte er. Bezüglich der Finanzierung sei man mit mehreren Banken in Kontakt gewesen, geklappt habe es schließlich mit Rumpold und der Hypo, nachdem der Wiener Gemeinderat einen Baurechtsvertrag beschlossen hatte.

Mit den 7,5 Mio. Euro aus dem Kredit sollten der Rohbau und die Kunst am Bau finanziert werden. Auch der Künstler Fuchs habe für seine Mitarbeit, die Planung, die Kooperation sowie das Zur-Verfügung-Stellen von Rechten Geld erhalten, gab der Sohn zu Protokoll. Es seien rund 1,3 Mio. Euro auf das Konto des Ateliers Fuchs geflossen. Dazu kamen zwei weitere Tranchen von je 325.000 Euro. Die Gelder seien größtenteils nach Thailand überwiesen worden, wo in Werkstätten die Objekte für die Kunst am Bau gefertigt worden seien.

Eine ordentliche Buchhaltung gab es nicht. Die Bank habe das Projekt selbst als Eigenmittel akzeptiert und darüber hinaus keine Sicherheiten verlangt, sagte der Fuchs-Sohn. 20 Mio. Euro Eigenmittel, von denen immer wieder die Rede war, habe es zu Beginn des Projekts nicht gegeben. Sie hätten durch die Fertigstellung erst entstehen sollen. Der fertige Paradiso Kunstpark hätte einen Wert von rund 28 Mio. Euro gehabt. Ziehe man die Fremdfinanzierung von 7,5 Mio. Euro ab, ergäben sich die rund 20 Mio. Euro Eigenmittel, rechnete der Angeklagte vor. Die Sicherheiten wären mit dem Fortschritt der Entstehung der Kunstwerke „gewachsen“.

Gescheitert sei das Projekt letztlich an familiären Zwistigkeiten. Die Bank habe den Kredit eingefroren, nachdem Ernst Fuchs sich distanziert hatte. Ab April 2006 sei er aus dem Projekt komplett draußen gewesen und habe auch keine Informationen mehr erhalten, erklärte der Angeklagte.

Die Hauptverhandlung wird am 20. Jänner mit der Einvernahme des zweiten Projektwerbers, des Stiefsohns von Ernst Fuchs, fortgesetzt.

(Bilder vom Prozessauftakt wurden am 13. Jänner 2015 gesendet und sind via AOM abrufbar.)

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