Wiener Rentenmarkt im Späthandel

Wien (APA) - Der Wiener Rentenmarkt hat sich am Donnerstagnachmittag ohne Fokus und mit nur marginalen Veränderungen präsentiert. Während di...

Wien (APA) - Der Wiener Rentenmarkt hat sich am Donnerstagnachmittag ohne Fokus und mit nur marginalen Veränderungen präsentiert. Während die Bundesanleihen mit einer Fünfjahres- und Dreißigjahr-Laufzeit Gewinne lukrierten, stiegen hingegen die Renditen für die zehn- und zweijährigen Staatsanleihen.

Bei genauerer Betrachtung haben ein Viertel aller staatlichen Schuldpapiere im Euroraum mittlerweile eine negative Gesamtrendite, sagte die Chefin der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA), Martha Oberndorfer. Die Schuldenaufnahme ist für Länder mit guter Bonität wie Österreich und Deutschland so günstig wie nie.

Konjunkturseitig lag der Fokus zunächst auf Europa. Deutschlands Bruttoinlandsprodukt stieg im vergangenem Jahr um 1,5 Prozent, so stark wie seit 2011 nicht mehr. Jedoch kam es zu stärkeren Bewegungen am Markt als die Schweizer Nationalbank (SNB) unerwartet den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufhob und zugleich den Zins für Guthaben auf den Girokonten um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent senkte. Der Kurs des Euro zum Franken sowie die Leitbörsen in Europa reagierten zwischenzeitlich mit deutlichen Kursabschlägen.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erklärte in einer Aussendung, dass sie seit vielen Jahren vor den Risiken von Fremdwährungskrediten gewarnt habe. So sei es auch richtig gewesen, in Zusammenarbeit mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) die Neuvergabe von Fremdwährungskrediten von Banken im In- und Ausland einzudämmen.

Hingegen gab man sich im Wiener Rathaus gelassen. Tatsächliche Verluste seien nicht zu erwarten, versicherte Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ). Aufgelöst werden die Kredite nicht - Wien habe die Möglichkeit, die Darlehen stets zu erneuern. Allerdings steige die Zinslast. Wien habe bisher rund 700 Mio. Euro Zinsgewinne durch Frankengeschäfte lukriert. Rein rechnerisch würden die Schulden derzeit um rund 300 Mio. Euro steigen. Tatsächlich bewertet werde die Finanzierung aber immer nur für den Rechnungsabschluss.

Am Markt hieß es, dass die SNB vermutlich von weiteren geldpolitischen Lockerungen der EZB ausgehe. Die EZB hält in der kommenden Woche ihre Ratssitzung ab. Damit fallen die QE-Spekulationen zunehmend auf nährreichen Boden. Laut der Stellungnahme des Generalanwaltes ist das sogenannte Ouright Monetary Transactions-Programm (OMT) zulässig. Die Auflagen seien das Einhalten der Begründungspflicht und des Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Außerdem dürfe nur am Sekundärmarkt gekauft werden, sodass zwischen Emission und Ankauf durch die Zentralbank genügend Zeit für eine Marktpreisbildung bleibt. Das Gutachten ist zwar nicht bindend für den EuGH, es wird von den Richtern aber in drei von vier Fällen übernommen. Ein Urteil ist für den Herbst zu erwarten.

Am Nachmittag kamen indessen neue Daten aus den USA. Veröffentlicht wurden die wöchentlichen Arbeitslosenzahlen sowie die US-Erzeugerpreise und der Empire-State-Index. Während die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche überraschend angestiegen waren, sind die Erzeugerpreise im Dezember weniger stark gefallen als erwartet. Der Empire-State Index hellte sich zudem überraschend deutlich auf.

Um 16.20 Uhr notierte die Leitemission am europäischen Rentenmarkt, der deutsche Euro-Bund Future mit März-Termin, mit 157,52 um 26 Basispunkte über dem Schluss-Stand vom Vortag (157,26). Heute Früh notierte der Rentenfuture mit 157,58. Das Tageshoch lag bisher bei 157,69, das Tagestief bei 157,00, die Tagesbandbreite umfasst damit bisher 69 Basispunkte. In Frankfurt wurden bisher etwa 758.360 März-Kontrakte gehandelt.

Die Rendite der 30-jährigen heimischen Bundesanleihe lag am Nachmittag bei 1,21 (zuletzt: 1,21) Prozent, die der zehnjährigen Benchmark-Anleihe bei 0,39 (0,39)Prozent, jene der fünfjährigen bei -0,05 (-0,04) Prozent und die Rendite der zweijährigen Emission betrug -0,15 (-0,17) Prozent.

Der Rendite-Spread zur vergleichbaren deutschen Benchmark-Anleihe betrug für die 30-jährige Bundesanleihe am Nachmittag acht (zuletzt: neun) Basispunkte. Die zehnjährige Referenz-Bundesanleihe lag 19 (17) Basispunkte über der deutschen Zinskurve. Für die fünfjährige errechnet sich ein Rendite-Abstand von neun (sieben) Basispunkten und für die zweijährige ein Aufschlag von fünf (zwei) Punkten gegenüber der vergleichbaren deutschen Anleihe.

Börsenkurse und Interbankhandel-Taxen von ausgewählten Benchmark-Anleihen:

~ Emission LZ Kupon Handel --- Rendite Kurs Börse --- -- --- Geld Brief heute zuletzt Bund 44/06 30 3,15 147,49 147,76 1,21 n.v. 105,8 Bund 23/10 10 1,75 111,64 111,67 0,39 n.v. 98,95 Bund 18/10 5 1,15 104,48 104,52 -0,05 n.v. 100,15 Bund 15/07 2 3,50 101,74 101,78 -0,15 n.v. 101,75 ~