Kapitalanforderungen der EZB halten Banken auf Trab

Frankfurt (APA/Reuters) - Die Forderung der Europäischen Zentralbank (EZB) nach dickeren Kapitalpolstern treibt die Geldhäuser in der Eurozo...

Frankfurt (APA/Reuters) - Die Forderung der Europäischen Zentralbank (EZB) nach dickeren Kapitalpolstern treibt die Geldhäuser in der Eurozone um. Insidern zufolge fordert die EZB besonders von Instituten aus Italien und Spanien Sicherheitspuffer, die zum Teil deutlich über dem gesetzlichen Minimum liegen.

Im Fokus steht dabei besonders das kriselnde Institut Monte dei Paschi, das seine Quote auf 14,3 Prozent erhöhen soll. Spitzenmanager der ältesten Bank der Welt versuchten Insidern zufolge am Donnerstag in Frankfurt, die EZB zu einem geringeren Wert zu bewegen.

In Deutschland ist dagegen bisher kein Institut bekannt, das mit den Forderungen der EZB Probleme hat - die Kapitalquoten der meisten Geldhäuser liegen deutlich über den Vorgaben der Notenbank. Bei einigen Landesbanken habe die EZB lediglich eine Mindestkapitalquote von sieben Prozent gefordert, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Vielen deutschen Banken hat die EZB ihre Wünsche bereits vor Weihnachten übermittelt. Bis Freitag müssen sie erklären, ob sie damit einverstanden sind. Bereits im Februar könnte der EZB-Rat die Quote dann offiziell beschließen.

Die EZB ist seit November für die Kontrolle der 120 wichtigsten Banken in der Eurozone zuständig. Abhängig von ihren Risiken und ihrem Geschäftsmodell will die Zentralbank den Geldhäusern individuelle Mindestkapitalquoten vorgeben. In Deutschland gab es diese Möglichkeit bisher auch schon, in der Realität wurde davon aber kaum Gebrauch gemacht. Die EZB hat bei der Festlegung der Mindestkapitalquoten auf die Einschätzungen der nationalen Aufsichtsbehörden zurückgegriffen, wie eine EZB-Sprecherin erklärte. Zudem seien Erkenntnisse aus dem jüngsten Gesundheitscheck eingeflossen. Die EZB erwarte von den Banken nicht, die geforderte Kapitalquote zu veröffentlichen.

Die deutschen Geldhäuser machen um die Mindestkapitalquote bisher ein großes Geheimnis. „Das ist keine Zahl, mit der man hausieren geht“, sagte ein Bankvorstand zu Reuters. Dass es von deutschen Instituten großen Widerstand gegen die EZB-Forderungen gibt, erwarten Finanzmanager jedoch nicht. „Bei uns liegt die geforderte Zahl deutlich unter der aktuellen Kapitalquote und auch unter dem, was der Markt von uns erwartet“, heißt es bei einem mittelgroßen Geldhaus.

Im Rest Europas sieht das zum Teil anders aus. Bei Monte dei Paschi betrug die harte Kernkapitalquote Ende September 12,8 Prozent - 1,5 Punkte weniger als von der EZB nun verlangt. Vom österreichischen Volksbankenverbund, der sein Spitzeninstitut ÖVAG gerade abwickelt, hat die EZB sogar eine harte Kernkapitalquote von 14,6 Prozent gefordert.

Von den spanischen Banken Santander und BBVA verlangt die EZB Insidern zufolge eine harte Kernkapitalquote von rund neun Prozent, da sie stark von ihrem schwächelnden Heimatmarkt abhängen. Die italienischen Bank-Austria-Mutter UniCredit soll Finanzkreisen zufolge mindestens 9,5 Prozent vorweisen. Da das Institut Ende September bereits auf eine Kernkapitalquote von 10,8 Prozent kam, blieb UniCredit-Chef Federico Ghizzoni jedoch gelassen. „Die EZB hat signalisiert, dass wir über ausreichend Kapital verfügen.“

~ WEB http://www.ecb.int ~ APA593 2015-01-15/18:02