Zürcher Börse nach SNB-Schritten mit stärkstem Minus seit 25 Jahren
Zürich (APA/dpa-AFX) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Aktienmarkt in Zürich am Donnerstag einen historischen Tag und dabei la...
Zürich (APA/dpa-AFX) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Aktienmarkt in Zürich am Donnerstag einen historischen Tag und dabei laut Finanzinformationsdienst Bloomberg den stärksten Kurssturz seit 25 Jahren beschert. Nach Bekanntgabe des Entscheids der SNB zur Aufhebung des Mindestkurses ging es nicht nur an den Devisen- sondern auch an den Aktienmärkten drunter und drüber.
Am Schweizer Aktienmarkt fiel der SMI in den ersten Minuten nach Bekanntgabe des Entscheids um gut 600 Punkte, und nach einem kleinen Stabilisierungsversuch um weitere 800 Punkte ins Bodenlose. Die Differenz zwischen dem Tageshoch und dem Tagestief bei gut 7.900 Punkten lag bei knapp 15 Prozent. In der Folge ging es wieder um etwas 500 Punkten nach oben, ehe sich das Geschehen am Nachmittag etwas beruhigte.
Der Swiss Market Index (SMI) beendete die turbulenteste Sitzung seit langem mit einem Minus von 8,67 Prozent bei 8.400,61 Punkten; das Tageshoch lag bei 9.277 und das Tagestief bei 7.932 Punkten. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) gab 9,37 Prozent auf 12.20,13 Punkte nach und der breite Swiss Performance Index (SPI) 8,58 Prozent auf 8.284,45 Punkte. Von den 30 wichtigsten Aktien schlossen außer Swisscom alle im Minus.
Die Finanzmärkte hat die SNB nicht nur überrascht sondern regelrecht auf dem falschen Fuß erwischt. Sie hat den Mindestkurs aufgehoben und auch die Leitzinsen weiter gesenkt. Der Chefökonom der UBS beispielsweise zeigte sich in einer ersten Reaktion wie andere Marktteilnehmer schockiert. Der Chief Investment Officer derselben Bank sieht große negative Effekte für die Schweizer Wirtschaft. Er schätzt die direkten Auswirkungen auf die Exporteure auf rund 5 Milliarden Franken oder 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. Entsprechend negative Reaktionen sind von den meisten Branchenverbänden gekommen, unter anderem vom Hotelier- und Tourismusverband.
SNB-Chef Thomas Jordan verteidigte die Maßnahme mit dem Hinweis auf die internationalen Entwicklungen und dass es keinen Sinn mache, an einer nicht nachhaltigen Politik festzuhalten. Der Entscheid sei mit dem Wissen gefällt worden, dass kurzfristig Turbulenzen die Folge sein können. Aber ein Ausstieg aus einer Politik müsse überraschend erfolgen.
Nachrichten zu einzelnen Aktien traten in den Hintergrund. Dennoch seien unter den Einzeltiteln Richemont erwähnt, welche im Anschluss an die Publikation der Verkaufszahlen im dritten Quartal, dem wichtigen Weihnachtsquartal, in der ersten Phase des Handels gegen den vorerst noch freundlichen Trend nachgaben. In der Region Asien ohne Japan sei seit Oktober offenbar „noch keine Verbesserung gelungen“, hieß es dazu in Marktkreisen. Belasten würden immer noch die zu hohen Uhrenlager und vorsichtige Einzelhändler. Die Aktie ging letztlich mit einem Minus von gut 15 Prozent aus dem Handel.
Noch etwas brutaler brachen Lonza (-18 Prozent) und Swatch (-16 Prozent) ein. Swatch-Chef Nick Hayek hatte in einer Reaktion auf die SNB verlauten lassen, dass dies einem über die Schweiz hereinbrechenden Tsunami gleichkomme.
Um je rund 14 Prozent fielen Sonova und ACTELION zurück, die Verluste der Banken UBS, CS und Julius Bär lagen im Bereich von 11 bis 12 Prozent.
Holcim (-11 Prozent) erging es nicht besser. Das Unternehmen hat in einer Stellungnahmen wissen lassen, dass Währungsschwankungen lediglich einen begrenzten Einfluss auf das Betriebsergebnis von Holcim hätten und dass an den Plänen zum Merger mit Lafarge festgehalten werde. Holcim verzeichneten am Donnerstag im Tief eine Minus von rund 20 Prozent.
Im Bereich von 10 Prozent tiefer gingen Aryzta, Givaudan und Geberit aus der denkwürdigen Sitzung, bei jeweils rund 9 Prozent lagen die Einbußen von Novartis, Roche, Kühne+Nagel, Clariant, Syngenta und ABB. Der Industriekonzern ABB sieht durch den starken Anstieg des Franken gegenüber dem Euro nur einen beschränkten Einfluss auf die eigenen Bücher, teilt das Unternehmen im Anschluss an den Entscheid der SNB mit.
Als einziger Gewinner zogen Swisscom als ganz auf die Schweiz ausgerichtetes Unternehmen um 1 Prozent an. Mit einem Minus von je gut 5 Prozent zogen sich Galenica, Bâloise und Swiss Re noch relativ gut aus der Affäre, Nestlé sanken um 6 Prozent.
~ ISIN CH0009980894 ~ APA603 2015-01-15/18:16
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