Belgien vom Terror bedroht - Zwei Tote bei Polizeieinsatz
Brüssel (APA/dpa) - Mit einem großangelegten Anti-Terror-Einsatz hat die belgische Polizei Anschlagspläne mutmaßlicher Jihadisten vereitelt....
Brüssel (APA/dpa) - Mit einem großangelegten Anti-Terror-Einsatz hat die belgische Polizei Anschlagspläne mutmaßlicher Jihadisten vereitelt. Ermittlern zufolge stand ein größerer Angriff in dem Land unmittelbar bevor. Im ostbelgischen Verviers wurden bei dem Einsatz zwei Terrorverdächtige bei einem Schusswechsel getötet, ein dritter überlebte. Einen Zusammenhang mit den Attacken in Paris soll es nicht geben.
Der dritte mutmaßliche Jihadist wurde bei dem Zugriff in Verviers am Donnerstag festgenommen und soll am Freitag einem Richter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft will sich am späten Freitagvormittag (11.00 Uhr) in Brüssel zu weiteren Einzelheiten äußern.
Der Zugriff in Verviers, 20 Kilometer von der deutschen entfernt, erfolgte gegen 18.00 Uhr. Als die Spezialkräfte eintrafen, hätten die mutmaßlichen Jihadisten „sofort“ das Feuer eröffnet, dabei hätten sie Sturmgewehre und andere schwere Waffen eingesetzt, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Eric Van der Sypt auf einer Pressekonferenz am Abend. Kein Polizist oder Anrainer wurde verletzt.
Durchsuchungen gab es an zehn verschiedenen Stellen im Land, auch in Brüssel und Umgebung. Die belgische Nachrichten Belga hatte nach dem ersten Einsatz in Verviers einen zweiten gemeldet. Medienberichten zufolge sei dieser aber ohne Ergebnisse beendet worden.
„Insbesondere Polizeikräfte waren das Ziel in Belgien“, berichtete van der Sypt weiter. Die Ermittler sprachen von einer Terrorzelle; einige ihrer Mitglieder seien aus Syrien heimgekehrt. Die Terror-Warnstufe in dem Land wurde auf die zweithöchste Stufe angehoben. Aus Sicherheitsgründen soll laut Belga die wichtigste jüdische Schule in der Hauptstadt Brüssel am Freitag geschlossen bleiben.
Einen Zusammenhang mit den islamistischen Attentaten, die Frankreich vergangene Woche erschüttert hatten, sieht die Staatsanwaltschaft nicht. „Es gibt keine Verbindung zu dem, was in Paris passierte“, sagte van der Sypt. Ein hochrangiger belgischer Geheimdienstmitarbeiter sagte dem US-Sender CNN, man nehme an, dass die mutmaßliche Zelle Anweisungen von der in Syrien und im Irak aktiven Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) erhalten habe.
Nach Angaben der belgischen Regierung begann die Vorbereitung des Einsatzes bereits vor Monaten. Ministerpräsident Charles Michel, Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens seien über dessen Verlauf am Abend stets informiert gewesen, teilte Michels Sprecher Frederic Cauderlier laut Belga mit.
Der Einsatz erfolgte nur wenige Tage nach der Terrorwelle in Frankreich. Am Freitag trifft US-Außenminister John Kerry in der französischen Hauptstadt Paris seinen Amtskollegen Laurent Fabius. Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ wolle er die Zuneigung des amerikanischen Volkes für Frankreich zum Ausdruck bringen und „Paris fest umarmen“, kündigte Kerry an.
In Pontoise bei Paris soll am Freitag zudem der Herausgeber und Zeichner von „Charlie Hebdo“, Stephane Charbonnier alias Charb, beigesetzt werden. Geplant ist eine Trauerfeier unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bereits am Donnerstag waren zwei der beim Terroranschlag auf das Satireblatt getöteten Zeichner auf Pariser Friedhöfen beigesetzt worden. Die zentrale Trauerfeier für alle 17 Opfer der Terroranschläge wird für die kommende Woche vorbereitet.
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