Alpbach: Kleines Dorf, mutiger Beginn
Wie das beschauliche Alpbach zum international bekannten „Dorf der Denker“ wurde, hat Journalist Hannes Kar recherchiert.
Von Cornelia Ritzer
Wien –Als Hannes Kar im Jahr 1951 das erste Mal als Journalist in das beschauliche Bergdorf Alpbach fuhr, um von dort von den – wie es zu Beginn hieß – „Internationalen Hochschul-Wochen“ zu berichten, war sein Interesse geweckt. „Ich war immer ein neugieriger Journalist, der es wissen musste“, erzählt Kar, der kürzlich mit dem Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Also begann er „zu bohren, forschen, recherchieren“. Und fand viel darüber heraus, wie aus dem Dorf in den Kitzbüheler Alpen das „Dorf der Denker“ wurde. Und das bereits im August 1945 – also nur wenige Wochen nach dem Kriegsende im Mai. In einer Zeit also, in der der Wiederaufbau erst begonnen hat.
Dass ausgerechnet Alpbach als Kongressort ausgewählt wurde, war einer Reihe von Zufällen geschuldet, erzählt der frühere ORF-Journalist, der immer noch als Autor und Vortragender tätig ist. Denn auch das Stubaital oder Seefeld seien im Gespräch gewesen, als Otto Molden und Simon Moser mit einer Gruppe von Idealisten nach einem Ort suchten, in dem sich europäische Intellektuelle treffen können.
Es war ein „mutiges Beginnen in einem kleinen Dorf“, erzählt Kar weiter. Die erste Tagung hat man in einem Monat vorbereitet, etwa 80 Teilnehmer aus u. a. Österreich, Frankreich und der Schweiz nahmen die beschwerliche Anreise in das Alpbachtal auf sich. Man genoss die Einsamkeit und Ruhe, die im krassen Gegensatz zum früheren Kriegsgeschehen stand, und diskutierte über Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Kunst. Oder, wie es der frühere Bundespräsident Rudolf Kirchschläger in einem Interview mit Hannes Kar ausdrückte, man dachte gemeinsam „über den Sinn des Lebens nach dem Krieg“ nach.
Das Forum Alpbach hat sich in den folgenden Jahren stetig weiterentwickelt und ist gewachsen. Anfangs saßen Studierende und Lehrende noch im Wirtshaus zusammen, erinnert sich Kar etwa an den Besuch des Philosophen Sir Karl Popper: „Der direkte Kontakt zu den Professoren, das war die Stärke von Alpbach.“ Diese Dimensionen haben sich verändert: 2014 waren 4000 Besucher aus 64 Nationen, darunter 750 Stipendiaten, zu Gast im Tiroler Bergdorf. Und mit 756 Referenten und Referentinnen konnte sich der aktuelle Präsident Franz Fischler über das umfangreichste Forum Alpbach bisher freuen.
Zahlreiche Radio- und TV-Beiträge hat der heute 92-jährige Hannes Kar über das Forum gestaltet, dazu vier TV-Dokumentationen. Auch heuer wird der gebürtige Innsbrucker wieder ins Unterland fahren, wenn man sich vom 19. August bis 4. September 2015 trifft, um sich unter dem Generalthema „InEquality“ mit Gleichheit und Ungleichheit auseinanderzusetzen. Denn schließlich ging es Kar bei seinen Nachforschungen vor allem um eines: „Bewusst zu machen, dass das Forum in Alpbach etwas Besonderes ist.“