ERC-Förderung: Forscher-Märchen mit Zufallsfaktor
Wien (APA) - Eine Förderung des Europäischen Forschungsrats (ERC) zu erhalten, war für die Archäologin Barbara Horejs von der Akademie der W...
Wien (APA) - Eine Förderung des Europäischen Forschungsrats (ERC) zu erhalten, war für die Archäologin Barbara Horejs von der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ein „Märchen“. Damit sich mehr Forscher diesen „Traum“ erfüllen können, sei Unterstützung notwendig, hieß es am Freitag bei einer Diskussion in Wien, wo man angesichts niedriger Bewilligungsraten aber auch vor dem Zufallsfaktor bei der Auswahl warnte.
Mit dem European Research Council (ERC) fördert die EU seit 2007 Grundlagenforschung in Europa. Vergeben werden u.a. „Starting- und Consolidator-Grants“ für Nachwuchswissenschafter und „Advanced Grants“ für etablierte Forscher. Bisher haben rund 130 in Österreich tätige Wissenschafter diese bis zu 2,5 Mio. Euro dotierten, für fünf Jahre vergebenen Förderpreise erhalten. Damit liegt Österreich an elfter Stelle der teilnehmenden Staaten und für Helga Nowotny, ehemalige ERC-Präsidentin und nun Vorsitzende des Beratungsgremiums ERA Forum Council Austria, „gut im Mittelfeld“, wie sie bei der von ÖAW und ORF veranstalteten Diskussion sagte.
Für Horejs hat der ihr 2010 zugesprochene „Starting Grant“ „vieles ermöglicht, was vorher nicht möglich war“, es sei nicht nur für ihre persönliche Karriere, sondern auch für ihre Forschung „ein absoluter Booster“ gewesen. Zudem habe die Förderung einen „Schneeballeffekt“ ausgelöst, etwa mit vielen Doktoranden, die an ihrem Projekt andocken wollen.
Für Nowotny, die den ERC von Anfang an mit aufgebaut hat, ist dies durchaus ein gewünschter Effekt: Nicht nur die persönliche Karriereperspektive ändere sich dramatisch, „die bisher rund 4.000 ERC-Fördernehmer mit Teams von durchschnittlich sechs Personen verändern auch die Forschungslandschaft in Europa stark“. Auch Österreich sei durch die ERC-Mechanismen endlich „im internationalen Wettbewerb angekommen - das tut uns gut“, so der Innsbrucker Physiker Peter Zoller.
Dieser Wettbewerb würde aber viele abschrecken, man benötige Sportsgeist und müsse auch verlieren können, sagte Sonja Puntscher Riekmann von der Uni Salzburg, die selbst in ERC-Gremien über Förderungen entscheidet. Angesichts der „eindeutigen Siegerkultur“ im angelsächsischen Raum, aber auch in den Niederlanden oder Skandinavien müssten Wissenschafter - speziell in den Geistes- und Sozialwissenschaften - bei der Antragstellung unterstützt werden. Und „es bedarf Wertschätzung der Universitäten, dass ihre Forscher das tun“. Oft würden sie dies aber als Belastung empfinden, weil Fördernehmer Raum und Infrastruktur benötigen.
ÖAW-Präsident Anton Zeilinger sieht den Wettbewerb positiv, der durch den ERC zwischen den Unis und Forschungseinrichtungen entstanden ist. In den Niederlanden etwa würden Antragstellern Trainings für die Präsentation vor den Gutachtern angeboten. Dies sei zwar „bedauerlich, weil unwissenschaftlich“, aber die Akademie werde das auch anbieten, „man muss hier mit den Wölfen heulen“. Zudem werde die ÖAW bei Nachwuchsforschern allein schon die Antragstellung beim ERC belohnen, geplant seien zudem Anreize wie längerfristige Karriereperspektiven, um auswärtige Forscher anzuziehen.
Angesichts niedriger Bewilligungsraten warnte Zeilinger davor, dass dann ein „hohes Zufallselement“ bei der Auswahl dabei ist - „und das ist schlecht“. Nowotny betonte, dass man alles versuche, die seit Anfang bestehende rund Zehn-Prozent-Erfolgsrate „nicht wesentlich zu unterschreiten“. So werden etwa mit der schlechtesten Bewertung beurteilte Antragsteller für einige Zeit gesperrt.
Wissenschaftsforscherin Ulrike Felt von der Uni Wien, die ebenfalls ERC-Anträge begutachtet, verwies darauf, dass nicht nur die hohe Dotierung der ERC-Förderung entscheidend ist, sondern auch die Förderung über fünf Jahre - im Gegensatz zu den sonst üblichen zwei bis dreijährigen Förderperioden. Dies sollte allgemein zum Nachdenken über das Timing im Forschungsbereich bringen, wie man zu Exzellenz komme. „Die wird nicht durch eine Stakkato von Klein- und Keinstförderungen gefördert“, so Felt.
(SERVICE - Internet: http://erc.europa.eu/)
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