„Charlie Hebdo“ erntet Mega-Erfolg und Mega-Ablehnung
Amsterdam/London/Karachi (APA/dpa/AFP/Reuters) - Während die erste Ausgabe von „Charlie Hebdo“ nach dem Blutbad islamistischer Terroristen i...
Amsterdam/London/Karachi (APA/dpa/AFP/Reuters) - Während die erste Ausgabe von „Charlie Hebdo“ nach dem Blutbad islamistischer Terroristen in der Redaktion der französischen Satirezeitschrift weit über Frankreich hinaus zum Mega-Verkaufserfolg wurde, nimmt die Empörung über die neuerliche Mohammed-Karikatur auf dem Cover ebenfalls riesige Dimensionen an.
In den Niederlanden war die Zeitschrift am Freitag nur wenige Minuten nach Öffnung der Geschäfte ausverkauft. Auch in Großbritannien war das Heft heiß begehrt, in London standen in der Nacht auf Freitag bereits ab Mitternacht Kunden an Verkaufsstellen an, wie britische Medien berichteten.
Statt in rund 60.000 Exemplaren wie früher wurde „Charlie Hebdo“ nach dem Anschlag auf die Redaktion vergangene Woche in Millionenauflage gedruckt. In Deutschland ist das Magazin voraussichtlich ab Samstag erhältlich. Wann die Zeitschrift in Österreich erhältlich sein wird, ist dagegen noch nicht bekannt, wie Morawa am Donnerstag auf Anfrage der APA mitteilte.
Gleichzeitig wächst in immer mehr muslimischen Ländern der Protest gegen die Mohammed-Karikatur der neuen „Charlie Hebdo“-Ausgabe. Bereits in den vergangenen Tagen hatte es vielerorts Proteste gegeben, am Freitag kam es in der südpakistanischen Stadt Karachi zu den ersten massiven Zusammenstößen: Hunderte Anhänger einer islamistischen Partei versuchten nach dem Freitagsgebet, das französische Generalkonsulat zu stürmen, die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Mindestens zwei Menschen wurden verletzt, ein AFP-Fotograf erlitt nach Medizinerangaben einen Lungendurchschuss.
In Katar kritisierte der dort ansässige Weltverband der muslimischen Religionsgelehrten im Zusammenhang mit den neuerlichen Mohammed-Karikaturen „das schändliche und nicht zu entschuldigende Schweigen der Welt“ zu der „Beleidigung von Religionen“ und rief zu „friedlichen Protesten“ auf.
Auch die Regierung von Katar verurteile, dass die französische Satire-Zeitung und andere europäische Medien wieder „beleidigende“ Bilder des Propheten Mohammed abgedruckt hätten, erklärte das Außenministerium am Freitag. Dies werde nur zu neuem „Hass und Ärger“ führen. Meinungsfreiheit bedeute nicht, andere zu beleidigen, ihre Gefühle zu verletzen oder sich über ihren Glauben lustig zu machen.
Die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen zeigt nach Auffassung eines ranghohen iranischen Ayatollahs Angst in Europa vor dem Islam. „Den Propheten (Mohammed) zu beleidigen ist nicht Pressefreiheit, sondern eine Unverschämtheit und erfolgt aus Angst vor der Ausweitung des Islams in Europa“, sagte Movahedi Kermani beim Freitagsgebet in Teheran.
In Wien kritisierte Kardinal Christoph Schönborn in der Gratiszeitung „Heute“, „Charlie Hebdo“ habe sich nicht gescheut, „neben humorvollen und satirischen Karikaturen politischer Art seit Jahren vor allem das Christentum und den Islam in verächtlich machenden und vulgären Karikaturen darzustellen“. Der Wiener Erzbischof verwies auf „hasserfüllte antisemitische Karikaturen“ im Österreich des späten 19. Jahrhunderts, deren „giftige Saat“ zum späteren Massenmord an Juden beigetragen hätten. Es gebe Grenzen für die Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit, nämlich dort, „wo es um die Achtung vor dem geht, was dem anderen heilig ist“. Trotz seines Urteils über die Karikaturen sei die Gewalt gegen „Charlie Hebdo“ aber durch nichts zu rechtfertigen, bekräftigte der Kardinal.
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