Franken-Freigabe - Schweizer Tourismusbranche besorgt
Chur (APA/sda) - Die Schweizer Tourismusbranche ist besorgt: „Wenn der Euro-Franken-Kurs bei eins zu eins bleibt, wird es schlimm“, sagte Ma...
Chur (APA/sda) - Die Schweizer Tourismusbranche ist besorgt: „Wenn der Euro-Franken-Kurs bei eins zu eins bleibt, wird es schlimm“, sagte Marcel Friberg, Präsident der kantonalen Marketingorganisation Graubünden Ferien, am Freitag der Nachrichtenagentur sda.
Die Bündner Tourismusbranche habe schon bei einem Eurokurs von 1,20 Franken größte Mühe gehabt, im Euromarkt zu bestehen. Man könne nun die Preise nicht einfach senken, sagte Friberg stellvertretend für Schweizer Touristiker weiter. Dafür fehlten schlichtweg die Margen. Um über konkrete Auswirkungen zu reden, sei es aber noch zu früh. Dafür müssten noch ein paar Tage abgewartet werden.
Er sei im Kontakt mit den verschiedenen Feriendestinationen und habe bisher von keinen neuen Aktionen gehört, sagte Friberg. Er könne sich spontan denn auch wenig vorstellen, was man machen könnte. „Wir tun ja schon alles, um die Gäste zu überzeugen, zu uns nach Graubünden zu kommen“, erklärte der Präsident von Graubünden Ferien.
Eine Häufung von Stornierungen habe es bei den verschiedenen Ferienorten bisher nicht gegeben. Er hoffe, dass es so bleibe, sagte Friberg. Für diesen Winter sei er darum durchaus noch optimistisch. Die Buchungen für den entscheidenden Februar seien in der Regel bereits gemacht.
Bereits am Mittwochabend in einer Mitteilung zu Wort gemeldet hatten sich mehrere Tourismusdirektoren von großen Schweizer Destinationen: Mit der neuen Situation sei die Tourismusbranche nun gefordert, noch mehr auf Qualität, Angebot und Leistung zu setzen. Zudem heiße es nun für die Tourismusakteure, noch mehr zusammenzurücken, noch stärker zu kooperieren und neue, vom Euro nicht abhängige Märkte ins Auge zu fassen.
Ähnlich äußerte sich der Präsident von Hotelleriesuisse Graubünden, Ernst Wyrsch. Kooperationen würden zwingend nötig. „Wir müssen von unserer jetzigen Kostenstruktur wegkommen, um auf dem Markt existieren zu können“, sagte Wyrsch. Vielleicht werde eine staatliche Unterstützung der Branche nötig.
Der 15. Jänner habe das Potenzial, den Tourismus in der Schweiz nachhaltig zu verändern. Nun müsse man aber zuerst sehen, wo sich der Eurokurs einpendle. Und dann sei ein konzentriertes Vorgehen der Feriendestinationen zusammen mit Graubünden Ferien und Schweiz Tourismus nötig.
Schnellaktionen seien in dieser „ganz delikaten Situation“ heikel, sagte der Hotellerie-Präsident. Man müsse aufpassen, dass man kein Porzellan zerschlage mit zu schnellen Preisnachlässen und zu schnellen allgemeinverbindlichen Aussagen.
Stornierungen habe es bisher kaum gegeben, sagte auch Wyrsch. Allerdings sei das Informationsbedürfnis der Gäste sehr groß. Die Telefone würden bei den Hotels heiß laufen. Die Touristen wollten wissen, was sie in ihren Ferien zu erwarten hätten.
Bereits reagiert hat die Unterengadiner Tourismusorganisation Scuol Samnaun Val Müstair, wenn vorerst auch nur schriftlich. Sie hat für die Tourismusunternehmen der Region eine Analyse des Handlungsspielraumes und eine Liste mit möglichen Maßnahmen erstellt.
Als zentral wird die permanente Arbeit an der Qualität der Dienstleistungen genannt. „Wir dürfen teurer sein, wenn wir besser sind“, heißt es im Positionspapier. Viel Potenzial liege zudem in der Steigerung der Effizienz. Es gelte Potenziale aufzudecken und Prozesskosten zu sparen.
Kurzfristig Sinn mache allenfalls die Festlegung eines fixen Euro-Franken-Wechselkurses zugunsten des Gastes durch die verschiedenen Tourismusunternehmen. Preisreduktionen hingegen seien mit Vorsicht einzusetzen und sollten zeitlich immer limitiert sein.
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