Brückenbauer und Erneuerer: Ex-Burgtheaterchef Achim Benning wird 80
Wien (APA) - Die Öffnung des Hauses für zeitgenössische Autoren und Regisseure und eine besondere Brückenfunktion für Künstler aus Osteuropa...
Wien (APA) - Die Öffnung des Hauses für zeitgenössische Autoren und Regisseure und eine besondere Brückenfunktion für Künstler aus Osteuropa - das waren die Leistungen von Achim Benning als Burgtheaterdirektor (1976 bis 1986). Am Dienstag (20. Jänner) feiert der Schauspieler, Regisseur, Theaterleiter und emeritierte Professor am Max Reinhardt Seminar seinen 80. Geburtstag.
1935 als Sohn eines Ingenieurs in Magdeburg geboren, verbrachte Benning seine Jugend in Braunschweig. Von 1955 bis 1960 studierte er in München und Wien Germanistik, Geschichte und Philosophie und absolvierte gleichzeitig das Max Reinhardt Seminar. 1959 wurde er von Ernst Haeusserman als Schauspielschüler ans Burgtheater geholt, wo er bald zum Ensemblemitglied avancierte. Zu seinen erfolgreichsten Rollen an der Burg gehörten unter anderem der Malcolm in Shakespeares „Macbeth“, der Bürgermeister in Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ sowie die Titelrolle in Molieres „Der Geizige“. Außerdem vertrat er als Ensemblevertreter die Interessen der Schauspieler.
Sein Regiedebüt gab Benning 1972 - unter der Direktion von Gerhard Klingenberg - ebenfalls an der Burg mit der Uraufführung von Wolfgang Hildesheimers „Mary Stuart“. Es folgten Inszenierungen wie Hauptmanns „Der rote Hahn“ ( 1974), Strindbergs „Totentanz“ (1977), Gorkis „Sommergäste“ (1979), Feydeaus „Einer muss der Dumme sein“ (1980), Büchners „Dantons Tod“ (1982), Tschechows „Der Kirschgarten“ (1983), Ibsens „John Gabriel Borkman“ und Nestroys „Heimliches Geld, heimliche Liebe“ (beide 1985).
Nach dem Abgang Klingenbergs übernahm Benning ab der Saison 1976/77 die Direktion des Burgtheaters. „Wir hatten damals im Ensemble ein ziemlich dickes Papier erarbeitet, in dem wir für sämtliche Bereiche Vorstellungen definiert haben, was sich ändern muss“, erinnerte sich Benning einmal in der „Presse“. „Daran war eine Reihe von Leuten beteiligt, ich war halt ein bisschen mehr tätig als die anderen, was die Formulierungen und was die Komposition dieses Konzepts betraf.“ Er habe erst spät erfahren, „dass Thomas Bernhard ganz versessen darauf war, Burgtheaterdirektor zu werden. (...) Als Unterrichtsminister Sinowatz dann aber mich bestellte, galt ich den meisten als Notlösung.“ Ein langes Entschuldigungstelegramm von Sinowatz an Bernhard, in dem er die gewählte „Hauslösung“ verteidigte, ist überliefert.
Benning öffnete das Burgtheater nach allen Richtungen, brachte u.a. Stücke der tschechischen Dissidenten Vaclav Havel und Pavel Kohout auf die Bühne und engagierte Schauspieler aus dem „Osten“. „Wir waren da ziemlich aktiv, tatsächlich politisch, nicht nur in Pressekonferenzen und durch inszenierte Skandälchen“, so Benning. Nach seinem Abschied als Direktor blieb er während der Ära seines Nachfolgers Claus Peymann dem Burgtheater als Regisseur treu. So realisierte er etwa Nestroys „Umsonst“ (1987) sowie Gorkis „Kinder der Sonne“ (1988). In der DVD-Edition Burgtheater ist seine Feydeau-Inszenierung „Einer muss der Dumme sein“ dokumentiert.
1989 folgte Benning einer Berufung als Direktor ans Schauspielhaus Zürich. Dort brachte er u.a. 1990 „Der letzte Gast“ und 1991 „Der Gesandte“ von Thomas Hürlimann zur Uraufführung. Nach einem Disput mit den Züricher Stadtvätern über die finanzielle Ausstattung des Theaters warf Benning 1992, zwei Jahre vor Ende seines Vertrags, das Handtuch. Danach war der Spezialist für Nestroy, Feydeau, Tschechow und Schnitzler als freier Regisseur tätig. An Burg und Akademietheater waren etwa Tschechows „Platonov“ (1995), Nestroys „Talisman“ (1993), Schnitzlers „Professor Bernhardi“ (1998) und „Das weite Land“ (1999) sowie Ionescos „Die Stühle“ (1999) zu sehen.
Benning wurde 1976 zum Kammerschauspieler ernannt und unter anderem 1981 mit der Kainz-Medaille der Stadt Wien ausgezeichnet. 2012 veröffentlichte er mit“ In den Spiegel greifen. Texte zum Theater“ eine Essay-Sammlung. Heute arbeite er nicht mehr für das Theater und lese auch lieber, als ins Theater zu gehen, sagte er zu seinem 75. Geburtstag der „Presse“: „Man muss wissen, wann die eigene Zeit vorbei ist. (....) Wenn man alt ist, ist man alt. Aus.“
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