„La Straniera“ mal zwei: Theater an der Wien als Mehrgenerationenhaus

Wien (APA) - Das Theater an der Wien als Mehrgenerationenhaus: Am Freitagabend fand das spannende Projekt seine Fortsetzung, mit den Starsop...

Wien (APA) - Das Theater an der Wien als Mehrgenerationenhaus: Am Freitagabend fand das spannende Projekt seine Fortsetzung, mit den Starsopranistinnen Edita Gruberova und Marlis Petersen in Bellinis „La Straniera“ die gleiche Inszenierung mit zwei Sängerinnen zur Premiere zu bringen. So hatten Opernfreunde die seltene Gelegenheit, die Wirkung unterschiedlicher Bühnenpersönlichkeiten unmittelbar mitzuerleben.

Der Nachteil: Man musste sich zweimal Christoph Loys in mehrfacher Hinsicht hölzerne Inszenierung ansehen. Dennoch bleibt der Unterschied der beiden Abende mit den großen Koloraturmeisterinnen frappant. Zwar wird auch in der Version mit der Sängerschauspielerin Petersen viel an der Rampe deklamiert und bleibt das Geschehen im gediegenen Holzambiente eines abstrakten Guckkastens eher statisch, dennoch bewirkt das schauspielerische Können der Deutschen eine überraschende atmosphärische Veränderung der Inszenierung.

War Edita Gruberovas „Straniera“ weitgehend eine One-Woman-Show, in der das Bühnenleben vor der großen Legende zu erstarren schien, gelingt Petersen mit beinahe naturalistischem Verve ein menschlicheres Zusammenspiel der Charaktere. Die unglückliche Liebesgeschichte zwischen ihrer Alaide und dem am Freitag vom amerikanischen Tenor Norman Reinhardt gesungenen Arturo wird hier zumindest glaubhafter, auch wenn die beiden von der Regie zu Doubles von Evita Peron und Andre Rieu gestylt werden. Die romantisch-überschwänglichen Gefühlsexzesse Bellinis verlieren hier den Odem des Wahnsinns. Theresa Kronthaler als von Arturo am Altar stehen gelassene Isoletta ist mit einem Male dunkelhaarig und wirkt dadurch weniger wie eine ätherisch Untote als eine Verzweifelte. Erneut eine solide Stütze des Belcantofeuerwerks war der italienische Bariton Franco Vasallo als Alaide-Bruder Valdeburgo.

Als Bilanz bleibt von den beiden „Fremden“ Gruberova und Petersen, die sich im wahren Leben übrigens alles andere als fremd sind, die fesselnde Gelegenheit, im gleichen Setting zwei Operngenerationen zu erleben. Als Edita Gruberova 1970 ihr Debüt an der Wiener Staatsoper feierte, war Marlis Petersen gerade zwei Jahre alt. Und nun offenbart ihr gemeinsames Projekt die Entwicklung der Kunstform Oper in den vergangenen Jahrzehnten: Auf der einen Seite das Hochamt der Stimmkunst, bei der Schauspiel und Inszenierung schlichtes Beiwerk zum vokalen Feuerwerk sind, und auf der anderen Seite die wörtliche Umsetzung des Begriffs Musik-Theater, bei der Stimme und Musik Mittel zum Zweck sind, Seelenzustände der Figuren an die Oberfläche zu bringen. Applaus gab es für beide Diven.

(S E R V I C E - Vincenzo Bellinis „La Straniera“ im Theater an der Wien, Linke Wienzeile 6, 1060 Wien mit Marlis Petersen (Alaide) und Norman Reinhardt (Arturo) sowie Franco Vasallo (Valdeburgo), Theresa Kronthaler (Isoletta), Stefan Cerny (Priore degli Spedalieri), Vladimir Dmitruk (Osburgo) und Martin Snell (Signore di Montolino) am 24. und 28. Jänner sowie in der Besetzung mit Edita Gruberova (Alaide) und Dario Schmunck (Arturo) am 18., 22. und 26. Jänner. Regie: Christoph Loy, Bühne: Annette Kurz, Kostüme: Ursula Renzenbrink. Es spielt das RSO unter Paolo Arrivabeni und es singt der Arnold Schoenberg Chor. Ö1 überträgt live am 24. Jänner ab 19 Uhr. http://go.apa.at/IfJVD13j)