„Super-Mario“ entscheidet über Wohl und Wehe der Börse

Frankfurt/New York (APA/Reuters) - Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag über weitere Geldspritzen entscheidet, müssen sich A...

Frankfurt/New York (APA/Reuters) - Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag über weitere Geldspritzen entscheidet, müssen sich Anleger warm anziehen. „Sollten die Notenbanker die extrem hohen Erwartungen der Märkte nicht erfüllen, droht dem DAX ein empfindlicher Absturz,“ sagt Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM.

Selbst ein Wertpapier-Aufkaufprogramm von einer Billion Euro wäre wohl nicht genug, um die Investoren zufriedenzustellen. Ihre US-Kollegen verfolgen zudem mit großer Aufmerksamkeit die sich entfaltende Berichtsaison und die Entwicklung des Ölpreises.

Da die Anleger inzwischen fest mit weiteren Konjunkturstützen der EZB rechnen, ist der deutsche Leitindex in dieser Woche um 5,4 Prozent gestiegen - das größte Plus seit drei Jahren. Zeitweilig erreichte der DAX am Freitag ein Rekordhoch von knapp 10.208 Punkten. Der Euro fiel dagegen mit 1,1567 Dollar auf den tiefsten Stand seit elf Jahren. In den USA sorgte dagegen der Ölpreis für eine schwache Woche: Der Dow-Jones-Index gab um 1,3 Prozent nach, der breiter gefasste S&P-500 1,2 Prozent und die Technologie-Börse Nasdaq 1,5 Prozent.

Investoren erwarten, dass EZB-Chef „Super“-Mario Draghi am Donnerstag den Aufkauf von Staatsanleihen - im Fachjargon „Quantitative Easing“ (QE) - ankündigen wird. Dieser soll die niedrige Teuerung im Euro-Raum künstlich anheizen und eine ruinöse Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, nachlassendem Konsum und zurückgehenden Investitionen verhindern, was Volkswirte als Deflation bezeichnen.

„Dass die EZB liefern wird, scheint mittlerweile gesetzt. Die Frage ist jetzt, wie die Details und das Volumen aussehen werden“, sagt Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. EZB-Notenbanker Benoit Coeure erklärte, ein Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen müsse groß genug sein, um seine Wirkung zu entfalten. Zu einem möglichen Volumen von 500 Milliarden Euro, über das nach früheren Informationen von Insidern gesprochen wurde, wollte er sich nicht äußern.

Neben der EZB dürfte auch die Wahl in Griechenland am 25. Jänner für Unruhe sorgen. Anleger fürchten, dass ein Wahlsieg der reformkritischen Syriza-Partei die Euro-Krise wieder aufflammen lassen könnte. Auf der Konjunkturseite stehen die Stimmungsindikatoren im Euro-Raum im Fokus, darunter der ZEW-Index und die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungsbereich . Anleger hoffen darauf, dass der jüngste Preisverfall beim Öl und der schwächere Euro die Wirtschaft in der Währungsunion etwas anschieben werden.

Gerade der Ölpreis sorgt an den US-Märkten für Unruhe. Auf der einen Seite hilft sein Rückgang der konsumabhängigen amerikanischen Wirtschaft, da er für niedrigere Benzinpreise sorgt und den Bürgern mehr Geld in den Taschen lässt - Geld, das sie dann für andere Dinge ausgeben können. Auf der anderen Seite kann der niedrige Kurs ein Zeichen für eine Schwäche der Weltwirtschaft sein, womit US-Unternehmen weniger im Ausland absetzen dürften. Der Ölpreis hält sich nahe seinem Sechs-Jahres-Tief.

In den USA kommt die an Fahrt gewinnende Berichtssaison hinzu. In den vergangenen Tagen enttäuschten Großbanken wie JP Morgan, Bank of America oder Citigroup allerdings mit ihren Bilanzen. Der Dow-Jones-Index gab bis Donnerstag auf Wochensicht rund zwei Prozent nach. In den kommenden Tagen lassen sich unter anderem Morgan Stanley, IBM, eBay und General Electric in die Bücher schauen.

~ WEB http://www.ecb.int ~ APA070 2015-01-18/10:36