Kreischberg-WM: Karls Erfolgsrezept: „Motivation und Lockerheit“
Kreischberg (APA) - Vierfach-Weltmeister Benjamin Karl peilt trotz eines leichten Bandscheibenvorfalls eine Fortsetzung seiner Erfolgsserie ...
Kreischberg (APA) - Vierfach-Weltmeister Benjamin Karl peilt trotz eines leichten Bandscheibenvorfalls eine Fortsetzung seiner Erfolgsserie an. Auf den Niederösterreicher warten in den kommenden Tagen noch intensive Physiotherapie und Voltaren, ehe er am Donnerstag und Freitag bei den Snowboard-Weltmeisterschaften im Lachtal um Parallel-Medaillen kämpfen will.
Im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur sprach der 29-Jährige über seine Schwächen und Stärken, seine Fähigkeit, punktgenau Topleistungen abrufen zu können, den Hang im Lachtal und darüber, was es noch zu verbessern gilt.
APA: Sie wollen trotz Bandscheibenvorfalls bei der WM starten. Wie geht es Ihnen?
Karl: „Ich kämpfe mit dem Schmerz oder mit der Schwäche schon die ganze Saison herum. Ich habe nur bis jetzt noch nicht gewusst, was es ist. Zuerst greifst du auf Erfahrungen zurück, es ist vielleicht das Problem, oder der Ischias ist vielleicht eingezwickt. Du stellst irgendwelche Selbstdiagnosen. Aber jetzt ist es mir zu bunt geworden, weil ich Einschränkungen in der Kraft und von der Sensibilität her hatte. Jetzt habe ich es mir anschauen lassen. Es ist ein kleiner Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule zwischen dem vierten und fünften Wirbel. Eine Operation steht nicht im Raum. Wir versuchen, es mit Physiotherapie und Voltaren wegzubekommen.“
APA: Trauen Sie sich im Lachtal volle Leistungsfähigkeit zu?
Karl: „Ich kann sicher an die Leistungen von den Weltcups anschließen, das auf jeden Fall. Es ist eher so, wenn ich es im Laufe der Saison wegbekomme, dass das noch einmal ein Schub sein kann und ein Vorteil sein kann.“
APA: Sie sind bekannt als Wettkampftyp und als Mann für Großereignisse, Sie haben vier WM-Goldmedaillen gewonnen, auch im Vorjahr bei Olympia Bronze geholt. Wie bringen Sie es immer auf den Punkt?
Karl: „Es hat immer funktioniert, ja. Ich habe irgendwie die Gabe, dass ich eine Weltmeisterschaft als nichts anderes sehe als ein Rennen. Man bereitet sich gewissenhaft darauf vor, man freut sich ab dem Sommer davor schon. Jeden Schweiß, den man im Sommer schwitzt, da denkt man an die WM oder an das Großereignis, was auch immer der Höhepunkt ist. Das motiviert einfach. Ich bin jedes Mal sehr motiviert bei einem Großereignis, weil es etwas Besonderes ist. Vielleicht ist es das und die nötige Lockerheit dazu.“
APA: Wie gefällt Ihnen der Hang im Lachtal?
Karl: „Er ist sehr schön, wir starten im Riesentorlauf und Slalom ein bisschen weiter von oben als gedacht. Der Steilhang am Anfang ist länger geworden. Das freut mich sehr, denn im Steilen gefällt es mir, da fühle ich mich wohl, da bin ich schnell. Dann kommt ein kleiner flacher Part, der aber keine große Tragödie ist, da bin ich guter Dinge, dass ich den auch gut überstehe. Dann geht es eh schon wieder mittelsteil ins Ziel. Der Kurs hat drei Abschnitte, das wird sicher spannend, weil man gut sehen kann, wo die Schlüsselstellen liegen. Ein selektiver Kurs, der einer WM würdig ist. Wir haben schon so viel darauf trainieren dürfen, dass wir uns hoffentlich ein wenig einen Heimvorteil auch herausgearbeitet haben.“
APA: Sie warten im Weltcup nun schon seit fast drei Jahren auf einen Podestplatz, in diesem Winter waren Sie einmal Vierter. Was hat noch gefehlt auf das Stockerl?
Karl: „Es geht eigentlich darum, noch besser die Spuren zu treffen und verschiedene technische Aufgaben noch besser zu lösen, was die Linie betrifft und den Druckaufbau vom Schwung. Das habe ich umlernen müssen. Die Spuren waren früher ohne die Plattensysteme eher gerader. Durch die Plattensysteme werden sehr runde Spuren, weil das Carven funktioniert sehr gut damit. Da habe ich ein Zeitl gebraucht, dass ich das gecheckt habe, dass die Linien anders sind als früher, dass ich nicht mehr so fahren kann wie früher. Außer die Piste ist pickelhart und eisig, wo keine Spuren rauskommen, da bin ich sicher immer noch total schnell. Aber meistens ist es nicht so. Weil der Winter kein Winter mehr ist, sondern ein Spätherbst. Wir sind heuer auch noch kein Rennen bei Minusgraden gefahren. Aber mir gelingt es immer besser, mich anzupassen.“
APA: Das Wandlfahren macht Ihnen schön langsam auch Spaß, haben Sie gesagt.
Karl: „Ja, aber das geht nicht von heute auf morgen. Das braucht Jahre, dass man da wieder die perfekte Technik hat. Jetzt bin ich schon auf einem brutal guten Weg. Ich bin schon sehr, sehr weit, es kann jetzt jederzeit klingeln. Es kann jederzeit passieren, dass ich zu gewinnen anfange und vermehrt in die vorderen Plätze reinfahre.“
(Das Gespräch führte Birgit Egarter/APA vom Kreischberg)
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