Osttirol

Kleine Maschen für den Nächsten

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Einen Wettbewerb um die fleißigsten Strickerinnen hat ein großes Pharmaunternehmen in Deutschland und Österreich ausgeschrieben. Iselsberg-Stronach hat den Titel nach Osttirol geholt.

Von Christoph Blassnig

Iselsberg-Stronach –Die Französin Pascale Vayer lebt seit fünfundzwanzig Jahren in Österreich. „Ich liebe dieses Land. Ich lebe aber ohne Grenzen. Mein Zuhause ist unsere Erde, auf der es viel gegen Armut und Leid zu tun gibt.“ Sechs Monate im Jahr ist Pascale in Russland und der Ukraine unterwegs. Sie kümmert sich um Kinder, die ein unwürdiges Dasein fristen. 2006 gründete sie den Verein „kleine herzen“. Mittlerweile gibt es eine Partnerorganisation in Deutschland. „Wir sammeln Spenden. Damit erneuern wir Waisenhäuser und Familieneinrichtungen. Wir versorgen Straßenkinder, finanzieren Ferienlager und helfen, wo Not ist“, berichtet Pascale. „Meine größte Motivation ist die Dankbarkeit in Augen, die nichts anderes kennen als verfallene Kinderkasernen. Den Vergessenen geben wir Hoffnung und ermöglichen ihnen eine selbstbestimmte Zukunft.“

Ein weltweit tätiges Pharmaunternehmen hat den Verein schon 2013 unterstützt. Tausende Freiwillige sollten „Stricken für kleine herzen“: Kleine Schals, etwa zwanzig Zentimeter lang und zwei Zentimeter breit, wurden eingesandt, gesammelt und mit einem Nasenspray verkauft. Zwanzig Cent pro Packung sind im Spendentopf gelandet. „2014 haben wir diese Aktion ausgeweitet, konnten die Anzahl der eingesandten Schals verdoppeln und haben schließlich 191.751 Stück gezählt“, erklärt die Unternehmensvertreterin Daniela Hörmannstorfer.

Der Erlös aus der Schal-Strick-Aktion beträgt 38.350 Euro. Vayers Verein machte damit ein Waisenhaus in Opochka, unweit der Grenze zu Estland, kindersicher und errichtete eine Lehrwerkstatt. „Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen werden dort an modernsten Maschinen den Tischlerberuf erlernen können“, berichtet Pascale. „Daniela Hörmannstorfer fliegt mit mir zur Eröffnung nach Russland. Sie wird sich persönlich von unserem erfolgreichen Einsatz überzeugen.“

Die mit Abstand fleißigsten Handarbeiterinnen für diese Aktion kommen aus Osttirol. „Wir haben zu fünft begonnen“, erzählt die Gemeindebäuerin Barbara Auer aus Iselsberg-Stronach. Der verregnete Sommer tat das Seine zum geselligen Zusammensitzen und Stricken, verrät Barbara. „Schließlich waren wir dreiunddreißig Frauen und haben uns in einem internen Wettbewerb zusätzlich angespornt.“ 4235 kleine Schals sind das Ergebnis weniger Monate. Für die knapp 600 Einwohner zählende Gemeinde haben die Damen damit eine Pro-Kopf-Quote von über sieben Schals erreicht. Die fleißigsten Nadeln führten Franziska und Monika. Sie allein haben jeweils über sechshundert Strickbänder angefertigt.

„Damit ist Iselsberg-Stronach mit deutlichem Abstand vor Ranggen in Tirol und Langegg bei Graz die erfolgreichste Strick-Gemeinde unseres Wettbewerbs für einen guten Zweck“, gratulierte Daniela Hörmannstorfer am Freitagabend bei der Scheckübergabe an Pascale Vayer in Iselsberg. Insgesamt haben Frauen und Männer aus 574 österreichischen Gemeinden ihre Handarbeitsstücke eingesandt. Seit letztem Herbst werden die gespendeten Schals mit dem Nasenspray bundesweit angeboten.

Fast zweihunderttausend kleine Strickstücke aus Wollresten unterstützen den Verein „kleine herzen“. Finanziert werden Hilfsprojekte.
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